# taz.de -- Sturmtief „Elli“: Es ist trotzdem zu warm
       
       > In ganz Europa warnen Meteorologen vor extremem Schnee, Regen und
       > Minusgraden. Es ist kalt – doch Klimaforscher wundert das nicht.
       
 (IMG) Bild: Winterwetter in Brandenburg: In diesen Tagen wird viel Schnee und Regen erwartet
       
       „Schnee, Glätte, Sturm, Dauerfrost und Regen: Das Wetter der kommenden Tage
       bietet genau das, wofür Meteorologen das Fach studiert haben.“ Es klingt
       fast so, als ob sich Andreas Walter, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes
       (DWD), auf das freut, was auf Deutschland zukommt, „ein lokal sehr starkes
       Sturmtief, dass auf feuchte Meeresluft trifft“, so Walter.
       
       Das Sturmtief heißt „Elli“, formierte sich über dem Atlantik und erreicht
       Mitteleuropa im Laufe des Freitags. „Mit ihm kommen teils kräftige
       Niederschläge“, sagt Walter. Weil „Elli“ die Temperaturen stellenweise auf
       bis zu plus 10 Grad in die Höhe treiben könnte, gehen die Niederschläge
       recht rasch in Regen über, allerdings nicht im Osten, dort fällt den
       Wetterprognosen zufolge viel Schnee.
       
       Was der [1][Klimawandel] mit der turbulenten Wetterprognose zu tun hat?
       „Wetter kann man fühlen, Klima nicht“, sagt Walter. Denn die
       Klimaveränderungen verlaufen über lange Zeiträume, „während der Wind uns
       die Kälte direkt ins Gesicht treibt“. Klimaveränderungen seien hingegen nur
       messbar. „Beispielsweise die Tage mit einer geschlossenen Schneedecke:
       Davon gibt es in den meteorologischen Wintermonaten Dezember, Januar und
       Februar heute 35 Tage weniger, als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis
       1990“, sagt Walter.
       
       Auch die tatsächlich gemessenen Temperaturen im Winter belegen einen
       eindeutigen Trend: Im Durchschnitt der Jahre 1971 bis 2000 waren sie 0,6
       Grad wärmer als in der Referenzperiode 1961 bis 1990, der Durchschnitt der
       Jahre 1991 bis 2020 lag dann schon 1,4 Grad darüber, der letztjährige
       Winter war 2,2 Grad zu warm. DWD-Sprecher Walter: „Die wärmsten Winter, die
       es je in Deutschland gab, waren 2024, 2020 und 2007.“
       
       ## Klimamodelle bewahrheiten sich
       
       Klimaforscher und Meteorologen nennen es „natürliche Klimavariabilität“:
       Beim Wetter gibt es Ausreißer nach oben und nach unten, es ist also in
       einem Jahr kühler, im anderen heißer als im langjährigen Mittel. „Es tritt
       ein, was die Klimamodelle vorhergesagt hatten: Nicht nur die mittlere
       Temperatur ändert sich, sondern auch die Wetterextreme“, so Walter. Wobei
       die Ausreißer nach oben – also das „zu warm“ – deutlich stärker zugenommen
       haben, als die nach unten.
       
       Würde es jetzt wieder einen solchen nach unten geben – „ein besonders
       kalter Winter“, wie Walter sagt – würde das aber nicht bedeuten, dass sich
       die Klimaerhitzung abgeschwächt hat. „Aber aktuell deuten unsere Messwerte
       nicht auf so einen Ausreißer nach unten in diesem Winter hin“, sagt Walter.
       So war der Dezember 2,3 Grad [2][wärmer] als im Referenzzeitraum.
       
       8 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Klimawandel/!t5008262
 (DIR) [2] /Fruehling-kuendigt-sich-im-Januar-an/!6143138
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Winter
 (DIR) Winterfolgen
 (DIR) GNS
 (DIR) Bildungspolitik
 (DIR) Kolumne übrigens
 (DIR) Wetterextreme
 (DIR) Biathlon
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Wetter
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ausfall auch ohne Schneesturm: Ein völlig verlorener Schultag
       
       Erst spät am Donnerstag setzt auch Berlins Schulsenatorin für Freitag
       die Schulpflicht aus. Schon da war absehbar, dass das unnötig ist.
       
 (DIR) Schneesturm und Extremwetter: Bitte, „Elli“ – schnei mich ein
       
       Das Sturmtief sorgt für Schulausfälle, es droht Chaos auf den Straßen. Was
       die einen verängstigt, ist für andere ein Segen.
       
 (DIR) Sturmtief Elli in Deutschland: Die Bahn stellt Fernverkehr in Norddeutschland ein
       
       Viel Schnee, glatte Straßen und Zugausfälle: „Elli“ trifft weite Teile
       Deutschlands. In Norddeutschland fällt die Bahn vorerst aus.
       
 (DIR) Biathlon und Klimawandel: Wintersport verschoben
       
       Letztmals findet der Biathlon-Weltcup in Oberhof zu Jahresbeginn statt.
       Wegen des Klimawandels wird er verlegt. In Thüringen begrüßt man das.
       
 (DIR) Deutsche Emissionen 2025: Klimaschutz verliert noch mehr Tempo
       
       Die CO₂-Emissionen sinken leicht, teils aber nur durch die
       Wirtschaftskrise. Verkehr und Gebäude sind sogar wieder klimaschädlicher
       geworden.
       
 (DIR) Hamburg kommt mit Winter nicht klar: Gottergeben im Schneechaos
       
       Hamburg zeigt sich unfähig, mit Schnee umzugehen. Es drohen Unfälle und
       Knochenbrüche wie vor 15 Jahren. Und die Stadt? Appelliert an die
       Solidarität.