# taz.de -- Schulschließungen wegen Winter: So kalt sollten uns Eis und Schnee nicht erwischen
> Statt allzu rasch den Unterricht ins Homeoffice zu verlegen, sollten
> Bildungsministerien eher überlegen, wie sie Schulwege sicherer machen
> können.
(IMG) Bild: Wegen zu viel Winter: Schulschließungen in vielen Städten
Ganz Nordrhein-Westfalen ist am Montag im Distanzunterricht. Auch in
anderen Bundesländern bleiben Schulen dicht. Vielerorts kam die Ankündigung
am Sonntagnachmittag. Viele Eltern fragten sich daraufhin im Netz: Wie
stellt ihr euch das vor, liebe Bildungsministerien?
Ein [1][Winter ist keine unvorhersehbare Naturkatastrophe,] er kommt alle
Jahre wieder. Warum ist man darauf nicht besser vorbereitet? Schließlich
können nicht alle spontan auf Homeoffice umstellen und nun die
Betreuungspflicht erfüllen. Eltern, die zur Arbeit müssen, können jetzt
entweder die Kids in die Notbetreuung schicken oder blau machen. Sind die
Kinder alt genug, können sie allein zu Hause bleiben. Aber sonst?
Hat die [2][Pandemie nicht gezeigt, wen Schulschließungen am meisten
treffen]? Nicht jedes Kind hat ein eigenes Zimmer, stabiles Internet oder
Eltern, die mit ihm zu Hause lernen. Funktionieren die digitalen
Lernstrukturen von damals überhaupt noch oder geht wieder der halbe
Schultag drauf, bis alle Schüler erreicht sind? Und das, was man als
Lehrkraft für den Tag geplant hatte, so arrangiert ist, dass er aus der
Distanz erledigt werden kann? Da fragt man sich, ob die Entscheidungen für
die Schulschließungen wohlüberlegt waren, oder es sich eher um
Kurzschlussentscheidungen handelt, die irgendwo zwischen Sonntagsblues und
Kaffee und Kuchen getroffen wurden.
Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass 14,4 Prozent ihren [3][Schulweg
in unter 10 Minuten zurücklegen] und 30 Prozent in maximal 20 Minuten. Es
wäre besser gewesen, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diese Wege
bei kalten Temperaturen sicher machen kann, statt Schulen zu schließen.
Winterdienste hätten früher starten können.
Und selbst wenn die Gehwege glatt sind – das war auch früher kein Grund für
Schulschließungen. Im Unterschied zu damals besitzen heute fast alle Kinder
ein Handy. Sollte also wirklich mal etwas passieren, ist schnell Hilfe
gerufen. Traut man Schülern heute nicht zu, dass sie auf glatten Wegen
gehen können? Den Eltern nicht, dass sie auf glatten Straßen fahren können?
Oder ist man viel mehr darüber besorgt, dass die Infrastruktur dem Wetter
nicht gewachsen ist, in Kommunen nicht genug Schneepflüge bereitstehen?
Statt voreilig und aus Angst vor Chaos und Verletzten Distanzunterricht zu
beschließen, hätte man auch einfach Schneefrei ausrufen können. Damit wäre
zumindest kein Kind in diesen Tagen aufgrund seiner sozioökonomischen
Situation zurückgefallen. Ein Winter sollte nichts sein, was einen so kalt
erwischt.
12 Jan 2026
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(DIR) Klaudia Lagozinski
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