# taz.de -- Pahlavi-Berater zu Intervention im Iran: „Die Frage ist nicht, ob Trump handeln wird, sondern wann“
       
       > Der Berater von Reza Pahlavi erwartet eine US-Intervention – und sieht
       > den Sohn des letzten Schah als Führungsfigur der aktuellen Proteste.
       
 (IMG) Bild: Hochgehalten: Ein Demonstrant in Teheran mit einem Foto von Reza Pahlavi
       
       taz: Herr Ghasseminejad, [1][Reza Pahlavi], Sohn des Schahs, hat einen
       zweiten Aufruf an die Bevölkerung veröffentlicht, beide Aufrufe scheinen
       auf eine starke und positive Resonanz gestoßen zu sein. Inwieweit könnte
       diese Entwicklung zu einer vollständigen Besetzung der Straßen führen?
       Lassen die Proteste eine fragmentierte Phase hinter sich und treten in eine
       breite, massenhafte Phase ein?
       
       Saeed Ghasseminejad: Das Hauptziel des ersten Aufrufs bestand darin, eine
       Massendemonstration von einer Million Menschen auf die Straßen zu bringen –
       dieses Ziel wurde weitgehend erreicht. Es ging darum, sowohl bei den
       Teilnehmenden die Überzeugung zu stärken, dass sie vereint und „zahlreich“
       sind, als auch darum, das Regime mit dieser Realität zu konfrontieren. Der
       zweite Aufruf zielt jetzt darauf ab, diese Präsenz fortzusetzen und ein
       Vorrücken in die Stadtzentren vorzubereiten. Gleichzeitig sollen in
       Schlüsselsektoren wie dem Transportwesen Arbeitskämpfe initiiert werden.
       
       taz: Die Repression fiel an den ersten Tagen geringer aus als in den
       vergangenen Jahren. Ist die Verteidigungsstrategie der [2][Islamischen
       Republik] eher auf die Abschreckung eines Angriffs von außen als auf die
       Unterdrückung von Unruhen im Inland ausgerichtet? 
       
       Ghasseminejad: Es ist offensichtlich, dass das Regime einen Angriff von
       außen fürchtet, man bereitet sich faktisch auf eine militärische
       Konfrontation vor. Nicht nur innerhalb des Regimes herrscht breite
       Zuversicht, dass es 2026 zu einem direkten Konflikt mit Israel kommen wird.
       Unseren Quellen zufolge ist die Islamische Republik besorgt über die
       Zuverlässigkeit ihres Repressionsapparats. Die Machthaber befürchten, dass
       groß angelegte Repressionen in Großstädten die Einsatzbereitschaft des
       Militärs und der Sicherheitskräfte im Falle eines umfassenden Angriffs von
       außen beeinträchtigen könnten. Die im Vergleich zu früher zögerliche
       Reaktion der obersten Führungsebene während der ersten zehn Tage der
       Proteste hat einen neuen Spielraum eröffnet und die Wahrscheinlichkeit
       erhöht, dass wir Zeugen einer Übernahme der Straßen werden könnten.
       
       taz: Wie sehen Sie die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump? Ein echtes
       politisches Signal, das die Dynamik auf der Straße beeinflusst – oder
       lediglich eine mediale Inszenierung? Und wie wahrscheinlich ist ein
       US-Militärschlag? 
       
       Ghasseminejad: Meiner Ansicht nach haben die Trump-Regierung und Trump
       selbst – ob in Venezuela, im Iran oder anderswo – gezeigt, dass sie ihren
       Worten Taten folgen lassen. Die Frage ist nicht, ob er handeln wird,
       sondern wann. Wenn er solche Erklärungen abgibt, bedeutet das nicht
       zwangsläufig, dass am nächsten Tag Taten folgen. Doch in vielen Fällen –
       bei den Handelszöllen, Venezuela und dem iranischen Atomprogramm – hat er
       seine Ankündigungen stets in die Tat umgesetzt. Aus diesem Grund glaube
       ich, dass seine Worte ernst genommen werden sollten, sowohl von der
       Öffentlichkeit als auch von der Islamischen Republik selbst.
       
       taz: Die Menschen auf den Straßen scheinen nur noch den Namen Reza Pahlavi
       zu rufen – ist das ein Zeichen, dass es in den kommenden Tagen und Monaten
       zu einer größeren Annäherung zwischen den Oppositionskräften aus
       verschiedenen politischen Lagern kommen könnte?
       
       Ghasseminejad: Das Volk hat ihn zu seinem Anführer gewählt, der diese
       Revolution leiten soll. Sollten einige Gruppen seine Führung noch nicht
       anerkannt haben, werden sie dies nach und nach tun. Unweigerlich werden sie
       sich dem Schwung dieser Volksmehrheit anpassen müssen. Und alle, welche die
       Islamische Republik überwinden wollen, werden letztlich hinter dieser
       Führungsfigur stehen müssen.
       
       taz: Anders als die USA, die eine klare Position bezogen haben, zeigen die
       europäischen Regierungen gegenüber dem Iran deutlich uneindeutigere
       Haltungen. Sehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Anzeichen für eine
       praktische Annäherung oder Unterstützung seitens der europäischen Staaten? 
       
       Ghasseminejad: Die Europäer haben – teils aufgrund ihrer größeren
       geografischen Nähe zum Iran und der damit verbundenen größeren Sorge um die
       Auswirkungen der dortigen Entwicklungen, teils aufgrund innenpolitischer
       Zwänge – eine deutlich vorsichtigere Haltung und agieren zögerlich. Meiner
       Ansicht nach wird es den Europäern mit der Zeit immer schwerer fallen, die
       Proteste zu ignorieren, je größer und anhaltender sie werden. Was wir
       öffentlich von europäischen Beamten hören, ist in der Tat deutlich
       gemäßigter als ihre Positionen hinter verschlossenen Türen.
       
       Die Autorin war 2024 Stipendiatin des [3][Auszeit-Programms Rest and
       Resilience], das die taz Panter Stiftung jährlich ausrichtet.
       
       11 Jan 2026
       
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