# taz.de -- Schwarz-Rot und Gendergerechtigkeit: Gleichstellung in Gefahr
> Wenn die Bundesregierung sich nicht für die Gleichstellung engagiert,
> droht der rechte Backlash zu gewinnen. Besonders die Union ist
> desinteressiert.
(IMG) Bild: Gleichstellung sei „ein Marathon, kein Sprint“, sagt Karin Prien. Das klingt wie Schlager aus den 1950er Jahren
Gleichstellungspolitik hat gerade keinen guten Lauf. Das hat nicht nur mit
einer weit verbreiteten Abneigung gegen das Gendern oder sogenannte queere
Themen zu tun, sondern vielmehr mit der schwarz-roten Koalition.
Da mag Frauen- und Familienministerin Karin Prien (CDU) noch so sehr vor
autoritären Kräften und deren Backlash-Zielen warnen, so wie sie es Anfang
Dezember tat. Zu der Zeit feierte die UN-Frauenrechtskonvention ihr
40-jähriges Jubiläum. Gleichstellung sei „ein Marathon, kein Sprint“.
Prien hat durchaus recht, auch wenn Formulierungen wie diese in den Ohren
von Gleichstellungsaktivist:innen wie Schlager aus den 1950er Jahren
klingen müssen. Gleichstellung macht sich heute vor allem daran fest, wie
Bereiche wie Arbeitsmarkt, Care-Arbeit, Entgeltgleichheit geregelt sind.
Und ob Rechte wie das auf körperliche Unversehrtheit und reproduktive
Selbstbestimmung gewährleistet sind.
Genau hier hat sich mit Schwarz-Rot nichts Wesentliches getan. Es scheint
vor allem der Union gleichgültig zu sein. Nehmen wir allein den
[1][Abtreibungsparagrafen 218]. Der hätte längst abgeschafft sein können,
zu Zeiten der Ampelregierung hat es einen überfraktionellen Gesetzentwurf
dazu gegeben.
## Deutliche Gegensteuerung erforderlich
Aber die Union hatte – gemeinsam mit der FDP – die Abstimmung blockiert.
Dabei plädieren mehr als 70 Prozent der Bevölkerung dafür,
Schwangerschaftsabbrüche außerhalb des Strafrechts zu regeln. Darunter sind
auch Wähler:innen der Union.
Oder nehmen wir den Gender-Pay-Gap. Die [2][Lohnlücke zwischen Frauen und
Männern beträgt noch immer 16 Prozent] – zum Nachteil der Frauen. Die will
Karin Prien verringern und dafür bis Juni 2026 eine [3][EU-Richtlinie für
Entgelttransparenz] in Deutschland umsetzen. Das klingt schon mal gut. Aber
ob die Richtlinie tatsächlich ihre beabsichtigte Wirkung entfaltet, ist
schon jetzt fraglich. Das Gesetz soll nämlich auch den
Arbeitgeber:innen schmecken. Oder wie sonst ist der Wille der
Ministerin zu verstehen, dass die Umsetzung „aufwandsarm für die
Arbeitgeber“ sein soll?
Oder anders gefragt: Wie soll Entgeltgleichheit hergestellt werden, wenn
Arbeitgeber:innen nicht deutlich, sondern lediglich aufwandsarm in die
Pflicht genommen werden? Hieße das beispielsweise, das Auskunftsrecht für
Mitarbeiter:innen zu staffeln? Doch wo nicht transparent ist, wie
ungleich die Löhne sind, kann es logischerweise auch keine Forderungen nach
Lohngleichheit geben.
Mit einer gerechteren Verteilung von Care-Arbeit, sei es Kinderbetreuung
oder Pflege, dürfte sich das ähnlich verhalten. Solange Mütter nach einer
Zeit in Teilzeitjobs nicht wieder auf eine Vollzeitstelle zurückkehren
können, Führungspositionen in Teilzeit als exotisch gelten, ältere Frauen
auf dem Arbeitsmarkt weiterhin diskriminiert und schlechter bezahlte
Pflegejobs vor allem von Frauen erledigt werden, bleiben die Lohn- und
Care-Lücken bestehen.
Wird hier nicht massiv gegengesteuert, hat die politische Rechte, die
Frauen- und Genderrechte per se anficht, ein überaus leichtes Spiel.
3 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kippt-Schwarz-Rot-nebenbei-Paragraf-218/!6098839
(DIR) [2] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-GenderPayGap/_inhalt.html
(DIR) [3] https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/kommission-ueberreicht-abschlussbericht-an-karin-prien--273768
## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Gleichstellung
(DIR) Schwarz-rote Koalition
(DIR) Karin Prien
(DIR) GNS
(DIR) Sachsen
(DIR) Regierungsbildung
(DIR) Schwerpunkt Coronavirus
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Sächsisches Innenministerium: Gleichstellungsposten auf der Kippe
Das CDU-geführte Innenministerium möchte so die Kommunen entlasten. Es gibt
Kritik von Gewerkschaften – und aus der eigenen Regierung.
(DIR) Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU: Ein bisschen Gleichstellung
Fonds gegen Missbrauch, mehr Partnerbeteiligung beim Elterngeld und Streit
beim Sexkauf: die AG Familie, Frauen und Jugend hat wenig Ambitionen.
(DIR) Gender Gap im Konjunkturpaket: Dem Backlash ausgeliefert
Die Corona-Krise ist eine Gender-Krise. Trotzdem spielt
geschlechtergerechte Budgetierung keine Rolle im Konjunkturpaket der GroKo.
Geht's noch?