# taz.de -- Initiative „Pflege gegen rechts​“: „Wir würden auch Höcke pflegen“
       
       > Auch an Krankenhäusern geht der Rechtsruck nicht vorbei. Internationale
       > Fachkräfte spüren die Folgen besonders stark, sagen zwei Aktivistinnen.
       
 (IMG) Bild: Rassismus in der Pflege ist kein Einzelfall
       
       taz: Frau Rosendahl, Frau Beqiri, Sie haben vor etwa zwei Jahren die
       Initiative „Pflege gegen rechts“ gegründet. Wie kam es dazu? 
       
       Anna Bella Mona Rosendahl: Ausschlaggebend war für uns [1][die
       Correctiv-Recherche]. Wir waren vier Begründerinnen und eine davon hat eine
       Tochter mit inklusivem Hintergrund. Sie hat deshalb in einer privaten
       Whatsapp-Gruppe ihre Bedenken geäußert, was das für ihre Tochter bedeuten
       könnte.
       
       Blendina Beqiri: Mich hat das Thema Rassismus schon mein ganzes Leben
       begleitet. In der Vierergruppe hatten wir einen Safespace, in dem ich meine
       Sorgen zum Thema Rassismus in der Pflege äußern konnte. Rassismus in der
       Pflege geht ja nicht nur von Patient:innen aus, sondern kommt leider
       auch von uns Pflegenden. Da sehe ich schon lange Handlungsbedarf.
       
       taz: Inwiefern hatte das Geheimtreffen in Potsdam denn mit dem Pflegeberuf
       zu tun? 
       
       Rosendahl: Allein deshalb, weil wir [2][in der Pflege mindestens zu einem
       Viertel aus internationalen Kolleg:innen] bestehen. Wenn sich in der
       Gesellschaft derart faschistisches Denken breitmacht, würde das letztlich
       auch dazu führen, dass Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, an
       Stellenwert verlieren würden. Faschismus bedeutet immer auch, dass
       Menschen, die nicht funktional sind, ausgeschlossen werden. Dafür braucht
       es nicht mal unbedingt die AfD. Das sehen wir auch bei Parteien wie der CDU
       oder der FDP, dass soziale Bereiche kaputtgespart werden.
       
       taz: Aber es gibt doch einen Ethikkodex für Pflegekräfte, der gewährleisten
       soll, dass die Würde und Rechte von Pflegebedürftigen gewahrt bleiben. 
       
       Beqiri: Leider sind auch in Pflegeberufen viele Vorurteile im Umlauf, die
       zu Diskriminierung führen können. Beispielsweise wenn [3][Patient:innen
       aus dem Globalen Süden] kommen, dann heißt es manchmal, dass diese
       Patient:innen mit ihren Schmerzen übertreiben würden. In der Folge
       sollen diese dann weniger Schmerzmittel bekommen. Eigentlich müssten
       Pflegende wissen, dass Schmerz etwas Individuelles ist. So etwas zu
       unterschätzen, ist so gefährlich. Auch ein Vorname oder Äußerlichkeiten
       können dazu führen, dass Menschen schlechter behandelt werden.
       
       Rosendahl: Zum Beispiel bekommen Menschen mit Sprachbarrieren nachweislich
       seltener Rehaplätze zugewiesen. Und Diskriminierung passiert auf vielen
       Dimensionen. Beispielsweise sehen wir, dass Arztpraxen oft nicht
       barrierefrei sind und Menschen im Rollstuhl der Zugang erschwert ist.
       
       taz: Hat denn der Rechtsruck bereits jetzt Auswirkungen auf Ihren
       Berufsalltag? 
       
       Rosendahl: Auf jeden Fall. Die Auswirkungen des Rechtsrucks sind dabei
       aktuell insbesondere für internationale Kolleg:innen verheerend und
       damit in der Folge für uns alle. Viele gehen wieder in ihre Heimatländer
       zurück, weil sie sich hier nicht willkommen fühlen.
       
       taz: Viele Kliniken bekennen sich zugleich zu Vielfalt und Toleranz. 
       
       Beqiri: Es reicht nicht aus, wenn wir Vielfalt auf Instagram-Seiten feiern.
       Wir müssen das auch intern leben. Kürzlich habe ich einen Workshop zu
       interkultureller Kompetenz geleitet. Viele der Teilnehmenden haben
       rückgemeldet, dass sie sich das schon viel früher gewünscht hätten. Es
       braucht im Gesundheitswesen deutlich mehr Sensibilisierung für das Thema.
       
       Rosendahl: Ich bin unter anderem in einem Berufsverband aktiv und da
       organisieren wir vordergründig Bildungsveranstaltungen, auch zu den Themen
       Vielfalt und Diversität. Dabei stehen wir mit Pflegeschulen in Kontakt. Das
       Feedback aus den Klassen ist dann teilweise aber eher kritisch und
       ablehnend. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass solche Inhalte an
       Pflegeschulen nicht ausreichend regelmäßig thematisiert werden.
       
       taz: Was macht Ihre Initiative konkret? 
       
       Rosendahl: Wir sind ein offenes Hilfsnetzwerk. Aktuell sind wir bundesweit
       etwa 60 Menschen und organisieren uns in einer Whatsapp-Gruppe. Neben der
       Tatsache, dass wir alle aus Pflege- oder Gesundheitsberufen kommen, sind
       wir alle Antifaschist:innen. Manchmal kommen dann auch Menschen mit
       konkreten Problemen zu uns und wir bieten ihnen unsere Beratung an, da
       können wir unser Netzwerk gut nutzen.
       
       Beqiri: Wir hatten erst vor Kurzem eine internationale Fachkraft, die
       rassistisch behandelt worden ist und nicht wusste, wie sie da rauskommt.
       Dann konnten wir unser Netzwerk spielen lassen. Jetzt ist die Person in
       einem anderen Krankenhaus in einem anderen Bundesland und fühlt sich dort
       sehr wohl. Außerdem erstellen wir gerade auch eine Forschungsarbeit zum
       Thema Rassismus in der Pflege.
       
       taz: Wie steht es um die Resonanz auf Ihre Arbeit? 
       
       Beqiri: Wir bekommen viele positive Rückmeldungen, aber leider auch
       negative. Manche Menschen fragen uns: Heißt das jetzt, ihr behandelt gar
       keinen mehr, der rechts ist? Nein, wir behandeln jeden Patienten, außer
       wenn Patient:innen die Behandlung beispielsweise aus rassistischen
       Motiven ablehnen. Das kommt vor. Dann respektieren wir das.
       
       Rosendahl: Wir haben das auch mal am Beispiel Björn Höcke diskutiert. Wir
       würden auch Höcke pflegen, der ist ja auch ein Mensch. Natürlich würden wir
       auch Faschist:innen versorgen. Das fordert auch unser Ethikkodex.
       
       taz: Wenn Sie an die Zukunft denken, was macht Ihnen am meisten Sorgen? 
       
       Rosendahl: Meine Sorge ist, dass wir so eine Art Wiederholung der
       Geschichte erleben und man sich Gedanken darüber machen muss, ob man
       hierbleiben kann. Auch die demografische Entwicklung macht mir Sorgen. Die
       geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, es kommt mehr Pflegebedürftigkeit
       auf uns zu. Aber ich finde es auch wichtig, dass wir jetzt nicht schon
       aufgeben, sondern versuchen, dem was entgegenzusetzen.
       
       13 Jan 2026
       
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