# taz.de -- Abschiebungen nach Behördentermin: In Leer wird die Ausländerbehörde zur Abschiebebehörde
> Der Landkreis Leer verschärft seine Abschiebepolitik. Betroffen sind vor
> allem Westafrikaner. Die Community ist alarmiert.
(IMG) Bild: Die Ausländerbehörde des Landkreises Leer setzt Abschiebungen mit allen Mitteln durch
Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, standen sie wieder da. Vor der
Ausländerbehörde des Landkreises Leer demonstrierten Aktivisten von der
Afrikanische Diaspora Ostfriesland, den Omas gegen rechts und des Offenen
Antifaschistischen Treffens Nordwest. Nicht zum ersten Mal. Vermutlich auch
nicht zum letzten. Denn im Landkreis Leer, so lautet ihr Vorwurf,
entwickelt sich die Ausländerbehörde zunehmend zur Abschiebebehörde – vor
allem, wenn es um Geflüchtete aus Westafrika geht.
Im Dezember gab es erneut zwei Fälle, die den Flüchtlingsrat Niedersachsen
alarmiert haben. Da war zunächst Onyemaechi M. aus Nigeria – der überrascht
feststellen musste, dass sein Härtefallantrag abgelehnt wurde, weil die
Sozialarbeiter des Landkreises ihn am 1. Dezember tagsüber nicht in der
Unterkunft angetroffen und von Amts wegen abgemeldet hatten.
Er dachte zunächst, das sei ein Irrtum – immerhin hatte er gerade noch eine
Bescheinigung seines künftigen Arbeitgebers besorgt und große Hoffnung,
damit seine Chancen auf einen dauerhaften Aufenthalt zu steigern.
Allerdings hatte er früher schon einmal gegen seine Wohnsitzauflage
verstoßen und sich bei Freunden im Raum Oldenburg aufgehalten. Das reichte
der Behörde.
## Die Angst vor Behördenterminen wächst
Bei einem Termin „zur Klärung seiner aufenthaltsrechtlichen
Angelegenheiten“ wurde er in der Ausländerbehörde festgenommen und
inhaftiert. So ähnlich war es auch Moussa D. aus der Elfenbeinküste schon
zehn Tage vorher gegangen. Er wurde sogar körperlich überwältigt, ein
Sachbearbeiter und der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes überwältigten
ihn – angeblich habe er sich aggressiv geäußert. Seinen Dolmetscher hatte
man allerdings vorher ausdrücklich gebeten, draußen zu warten.
In der Community haben diese Abschiebungen nach Behördenterminen große
Angst ausgelöst, sagen Ali und Annabel Kone vom Diaspora-Verein. Selbst
Menschen, deren Aufenthalt eigentlich gesichert sei, hätten Angst in der
Ausländerbehörde auch nur irgendwelche Papiere abzugeben.
Für sie reiht sich dieses brachiale Vorgehen ein in eine lange Reihe von
Vorfällen, in denen die Behörde ihren Ermessensspielraum oft zuungunsten
der Geflüchteten genutzt hat. Im Februar hatte der Landkreis schon einmal
für großen Wirbel gesorgt, weil er [1][die „Wege ins Bleiberecht“ mit
eigenwilligen und intransparenten Gesinnungsprüfungen zu „Wegen in die
Abschiebung“] umfunktioniert hatte.
## Landrat weist Kritik zurück
Auf die Kritik daran reagierte der SPD-Landrat Matthias Groote vor allem
deshalb verschnupft, weil darin das Wort „Rassismus“ vorkam. So etwas
verbitte er sich, die Mitarbeiter hätten stets nach Recht und Gesetz
gehandelt.
Genauso argumentiert auch die Pressestelle des Landkreises. Der
Flüchtlingsrat solle doch einmal seine aggressive Wortwahl überprüfen.
Allen Abschiebungen gehe grundsätzlich ein umfangreiches Verfahren voraus,
in dem die Rechtmäßigkeit der Aufenthaltsbeendigung unabhängig überprüft
wird.
Mitarbeitende einer Behörde, die harte Maßnahmen zulasten von Ausländern
umsetzen müssen, weil das Gesetz es so vorsieht, mit dem Vorwurf des
strukturellen Rassismus zu diskreditieren, zeige, dass emotional und nicht
aufgrund der Gesetze argumentiert und agiert werde.
Was der Landkreis Leer allerdings nicht tut, ist, das Handeln seiner
Behörde transparent zu machen. Auch auf mehrfache Nachfrage sowohl aus der
Politik als auch von Medien rückt er keine detaillierten Zahlen zu
Abschiebungen oder dem Chancen-Aufenthaltsrecht heraus, an denen sich
nachvollziehen ließe, ob es Westafrikaner hier tatsächlich schwerer haben
als anderswo. Schuld hat wie immer der Datenschutz.
2 Jan 2026
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(DIR) Nadine Conti
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