# taz.de -- Behörde torpediert Integration: Betroffene schweigen beklommen
> Die Ausländerbehörde der Stadt Osnabrück sieht sich harter Kritik
> ausgesetzt. Einer der Vorwürfe: Rassismus. Doch die Stadt wehrt die
> Kritik ab.
(IMG) Bild: Vorstellung der Broschüre „Willkommen in Osnabrück“ mit Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU, 2. v. r.) 2022
Wer die bunte, vielsprachige Broschüre „Willkommen in Osnabrück“ liest, den
„Wegweiser für Migrantinnen und Migranten“ der niedersächsischen Stadt, vom
Referat Chancengleichheit, Sachgebiet Integration, könnte denken: Hier
haben Neuankömmlinge es richtig gut. Und da ist auch was dran: Das lokale
Hilfsnetzwerk, von Caritas und Diakonie bis zum „Exil“-Verein, der sich
seit fast 40 Jahren für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte
einsetzt, ist facettenreich und wirkungsstark.
Aber es gibt eine Problemzone: die Ausländerbehörde (ABH) der Stadt. Die
Situation dort sei „alarmierend“, haben Jens Meier und Susanne Hambürger
dos Reis, die Ratsfraktionsvorsitzenden der Grünen und der SPD, Ende
Februar in einer gemeinsamen Erklärung gemahnt. Die antirassistische
Initiative gegen Abschiebungen, No Lager Osnabrück, spricht gar von einem
„Regime der Angst“, unter dem Betroffene zu leiden hätten.
Die rot-grüne Kritikliste reicht von langen Wartezeiten bis zu ungenügender
Servicequalität. Es fehle an einer „gelebten Willkommenskultur“. Das habe
„gravierende Folgen für das Image der Stadt, der Verwaltung und vor allem
für die zugewanderten Menschen“. Helfen sollte der ABH eigentlich das ab
2025 gestartete und vom [1][Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)]
geförderte Projekt „Willkommen in Osnabrück“.
Doch viele der 18 Stellen seien nicht besetzt, die vorhandenen
MitarbeiterInnen dauerüberlastet, die Öffnungszeiten reduziert – was
[2][auch ein Wirtschaftshemmnis sei,] sagt Martin Büker, der für die Grünen
im Osnabrücker Sozialausschuss sitzt: „In einem Fall galt jemand plötzlich
als illegal, weil bei der Bearbeitung des Aufenthaltstitels zu viel Zeit
verstrich. Dadurch gingen Arbeit und Einkommen verloren.“ Bükers Fazit im
Bezug auf die Gesamtsituation der Behörde ist ernüchternd: „Von Anfang an
haben da die Basics nicht funktioniert.“
## Stadt schiebt Aktivist*innen die Schuld zu
Auch No Lager Osnabrück erhebt schwere Vorwürfe. Es komme zu „monatelangen
Wartezeiten bei Terminen, Dokumenten und versprochenen Informationen“, sagt
die Aktivistin Renate*. Bei der „Auslegung der Spielräume, restriktiv oder
unterstützend“, herrsche ein „Regime der Angst“.
So habe es schon Abschiebungen aus Krankenhäusern und psychiatrischen
Kliniken gegeben, „ohne Rücksicht auf das Befinden der Betroffenen“. Dabei
sei die ABH über den Gesundheitszustand der Menschen informiert gewesen, so
Renate, „und hetzt trotzdem gezielt Landesaufnahmebehörde und Polizei auf
sie“. Betroffene würden das Gefühl bekommen, „dass sie sich gar nicht
integrieren sollen, und real wird vielen auch nicht die Möglichkeit
gegeben“.
Entscheidungsprozessen fehle die Transparenz. Manchen Menschen werde
gesagt, man helfe nur weiter, wenn sie Passpapiere aus ihren
Herkunftsländern beibrächten. Problematisch sei das, sagt Renate, „denn das
bedeutet für viele, mit der Botschaft eben der Regime in Verbindung zu
treten, vor denen sie geflohen sind. Am Ende wird einem dann noch
vorgeworfen, gar nicht wirklich verfolgt zu sein, denn man sei ja in
Kontakt getreten mit der eigenen Botschaft.“
Die ABH müsse „endlich mit ihrem Machtmissbrauch und ihrem Rassismus
konfrontiert werden“, findet No Lager. „Wir fordern die Abschaffung dieser
Behörde.“
Silke Brickwedde, Sprecherin der Stadt Osnabrück, räumt ein, dass die
Personaldecke dünn ist, es „längere Vakanzen“ gebe. Die Stadt habe indes
„ein sehr großes Interesse daran, alle Stellen wieder zeitnah zu besetzen“.
Neue KollegInnen stünden kurz vor Diensteintritt, in Kürze gebe es weitere
Bewerbungsgespräche.
Und dann macht sie [3][No Lager] für die desolate Personallage
verantwortlich, die No Lager beklagt: „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass
die Anfeindungen, wiederholten Demonstrationen und der unwahre Vorwurf,
dass in der Ausländerbehörde Rassisten arbeiten würden, nicht hilfreich bei
der Gewinnung neuer Kolleginnen und Kollegen ist.“ Es gebe „keine Anzeichen
rassistischen Verhaltens“ bei der ABH.
Zum Projekt „Willkommen in Osnabrück“ zieht sie eine positive Bilanz. Die
Öffentlichkeitsarbeit, der Informationsfluss, die Abläufe, die digitalen
Angebote und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden seien „weiterentwickelt“
worden. Brickwedde: „Es wurde gezielt daran gearbeitet, dass die Verwaltung
besser auf die Zielgruppe eingehen kann, um mögliche Missverständnisse zu
vermeiden.“ Mitarbeitende der Stadtverwaltung seien „in ihren Kompetenzen
im Kontakt mit einer vielfältigen Stadtgesellschaft gestärkt“ worden.
Die Betroffenen selbst schweigen oft lieber – mehrere Versuche der taz, sie
zu Wort kommen zu lassen, schlugen fehl.
Hinweis: In einer früheren Version war ein Zitat von Martin Büker durchs
Redigat fälschlich nur auf das aktuelle Projekt bezogen worden. Das und
einen ursprünglich missverständlichen Titel haben wir korrigiert, d. Red.
10 Mar 2026
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(DIR) Harff-Peter Schönherr
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