# taz.de -- Rassismus in Behörden: Diskriminierung hinter verschlossenen Türen
> Eine vom Bundesinnenministerium geförderte Studie kommt zu alarmierenden
> Ergebnissen. Breit diskutiert werden soll das offenbar nicht.
(IMG) Bild: Kühle Atmosphäre: deutscher Behördenflur
Still und leise lud das Bundesministerium des Innern und Heimat (BMI) am
Freitag [1][eine Studie auf seine Website hoch – keine Pressekonferenz],
keine Pressemitteilungen. Der Titel: „Institutionen & Rassismus“ (InRa).
Dabei hatte das Ministerium die Studie zuvor mit 6 Millionen Euro
gefördert. Es ist die erste Studie zu institutionellem Rassismus in
Deutschland. Sie kommt zu dem Schluss, dass es rassistische Diskriminierung
in allen untersuchten Institutionen gibt. „Das BMI scheint kein großes
Interesse zu haben, dass die Studie gelesen wird“, sagt Sina Arnold, eine
der Studienleiterinnen, der taz.
2020 hatte das BMI unter dem damaligen Innenminister Horst Seehofer (CSU),
die Studie beauftragt. Sie war Teil des von der Bundesregierung
beschlossenen Maßnahmenkatalogs zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und
Rassismus.
Die Maßnahmen waren eine Reaktion auf mehrere rechtsextrem motivierte
Anschläge: [2][Da war das rassistisch motivierte Attentat vom 19. Februar
2020 in Hanau], bei dem ein Mann neun junge Menschen ermordete. Außerdem im
Oktober 2019 der [3][Anschlag auf die Synagoge in Halle] sowie dem [4][Mord
an dem CDU-Politiker Walter Lübcke] im Sommer desselben Jahres. „Es wäre
schade, wenn die Analysen nicht genutzt werden“, sagt Hakan Demir (SPD),
Mitglied des Innenausschusses, gegenüber der taz.
Das Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) führte die
Studie von 2021 bis 2024 durch und untersuchte Rassismus in deutschen
Behörden. Die Forschenden bekamen Zugang zu Jobcentern, Ausländerbehörden,
Polizei, Zoll, Justiz, Gesundheits- und Jugendämtern. Insgesamt entstanden
23 Teilstudien: Sie führten unter anderem Interviews, Gruppendiskussionen
und eine quantitative Befragung von rund 13.000 Beschäftigten in vier
Bundesbehörden durch.
## Rassismus in allen Institutionen
Die Forscher:innen fanden dabei heraus, dass rassistische
Diskriminierung in allen untersuchten Institutionen nachweisbar ist,
allerdings in unterschiedlicher Form und Intensität. Im Vergleich zur
Gesamtbevölkerung sind diskriminierende Einstellungen bei
Behördenmitarbeiter:innen nicht überdurchschnittlich vertreten.
Eine der insgesamt 23 Einzelstudien beschäftigt sich mit Diskriminierung
gegenüber geflüchteten ukrainischen Rom:nja in München. Insgesamt wurden
51 Personen befragt, die in der Sozialarbeit, in Behörden und der
Zivilgesellschaft tätig waren.
„Wir konnten tatsächlich sehen, dass man in dem Fall von einem
institutionellen Antiziganismus sprechen kann, der dazu führte, dass
geflüchtete Roma anders behandelt wurden als andere ukrainische
Geflüchtete“, sagt Projektleiterin Arnold. Beispielsweise hätten Behörden
Rom:nja systematisch Informationen vorenthalten, Beratungen und
Übersetzungsdienste verweigert. Es gab Landkreise rund um München, die sich
geweigert haben, geflüchtete Rom:nja aufzunehmen. Vorurteile in Behörden
können also ganz unmittelbare materielle Auswirkungen auf die Betroffenen
haben.
Arnold kritisiert zudem, dass bei vielen Behördenmitarbeiter:innen
wenig Wissen über Diskriminierung vorhanden sei. Und auch deshalb
diskriminierende Klischees und Vorurteile über Bevölkerungsgruppen „zu
einer Behördenkultur“ gehörten.
Konkrete Handlungsempfehlungen leiten die Studienautor:innen
ebenfalls ab. So gilt das Antidiskriminierungsgesetz bisher nicht für
Institutionen. Das heißt, wer von einer staatlichen Behörde diskriminiert
wird, kann sich nicht auf das zentrale Antidiskriminierungsgesetz berufen.
## Zu wenig Beschwerdestellen
Es gebe zudem zu wenig unabhängige Beschwerdestellen, monieren die
Forscher:innen. Auch an rassismuskritischen Fortbildungen für
Mitarbeiter:innen mangele es.
Einzelne Behörden, die an der Studie teilgenommen hatten, reagierten
bereits auf die Ergebnisse. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
(BAMF) etwa verweist auf die relativ geringe Teilnahmequote: Da nur 18,6
Prozent der Beschäftigten der freiwilligen Online-Befragung teilgenommen
hätten, ließen sich die Erkenntnisse aus der Studie „nicht ohne Weiteres
auf die gesamte Belegschaft übertragen“.
Das BAMF verweist außerdem auf bereits bestehende Angebote wie Schulungen
und externe Untersuchungen zu Diversität und Diskriminierung. Allerdings
wolle man die Ergebnisse der Studie als weiteren Impuls aufnehmen: Man
könne sich zum Beispiel vorstellen, die Mitarbeitenden besser darin zu
schulen, welche Möglichkeiten sie haben, Vorfälle von Diskriminierung
anzuzeigen. Denn auch Mitarbeitende selbst berichten von
Rassismuserfahrungen und beruflicher Benachteiligung am behördlichen
Arbeitsplatz: je nach Arbeitgeber zwischen 18 bis 26 Prozent der
Beschäftigten.
## Kritik an geringer Rücklaufquote
Auch die Bundespolizei kritisiert die geringe Rücklaufquote. Es hätten nur
12,9 Prozent der Beschäftigten den Fragebogen vollständig beantwortet. Es
entstünde deshalb ein „verzerrtes und unvollständiges Bild“ der
Bundespolizei. Im Gegensatz zum BAMF geht die Behörde auf keine der
Handlungsempfehlungen der InRa-Studie ein.
Professor Holger Lengfeld von der Universität Leipzig leitete die
Teilstudie zur Bundespolizei. Er weist die Kritik der mangelnden
Aussagefähigkeit zurück: „Grundsätzlich sind solche Befragungen immer mit
einer Irrtumswahrscheinlichkeit versehen. Aber dass diese mit größter
Sorgfalt und mit aktiver Unterstützung des Bundespolizeipräsidiums
durchgeführte Befragung keine Aussagen über die Bundespolizei insgesamt
zulassen würde, halte ich für nicht zutreffend“, so Lengfeld.
Das Bundesinnenministerium meldet sich dann am Mittwoch doch noch in dürren
Worten: Man werte die Ergebnisse derzeit aus. Diskriminierungen, da ist
sich das BMI noch immer sicher, seien „die absolute Ausnahme“.
18 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/kurzmeldungen/DE/2026/02/inra.html
(DIR) [2] /Konflikt-um-Hanau-Gedenken-Wer-ist-hier-undankbar/!6150955
(DIR) [3] /6-Jahrestag-des-Halle-Anschlags/!6115485
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Mordfall_Walter_L%C3%BCbcke
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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