# taz.de -- Rückzug von Brosius-Gersdorf: Es ist die Stunde der Antifeministen
       
       > Der Rückzug von Frauke Brosius-Gersdorf ist ein Sieg der rechten Hetzer –
       > der nur durch die Unterstützung von CDU und CSU möglich war.
       
 (IMG) Bild: Der Rückzug von Frauke Brosius-Gersdorf ist ein fatales Signal
       
       [1][Der Rückzug von Frauke Brosius-Gersdorf] für das Amt der
       Verfassungsrichterin geht auf das Konto einer rechten Hetzkampagne – und
       der Nährboden für diese Stimmungsmache lag nirgends sonst als in der
       Unionsfraktion. Mutwillig verbreiteten CDU- und CSU-Abgeordnete die
       haltlosen Diffamierungen Brosius-Gersdorfs und verhalfen so den
       selbsterkorenen „Lebensschützern“, den kirchlichen Fundamentalisten und
       illiberalen Kräften zu einem Erfolg im Parlament. Es ist die Stunde der
       Antifeministen, und sie haben Blut geleckt.
       
       Aus mehreren Gründen ist der Rückzug von Brosius-Gersdorf ein Einschnitt.
       Erstmals ist eine Kandidatin nach ihrer Ernennung im Richterwahlausschuss
       in Zweidrittelmehrheit im Nachhinein [2][öffentlich so demontiert worden].
       Die Potsdamer Rechtsprofessorin hat sich entschieden, ihren Kopf nicht mehr
       für die unerbittliche Kampagne der organisierten Abtreibungsgegner
       hinzuhalten. Das ist so bitter wie nachvollziehbar.
       
       In ihrer Erklärung seziert Frauke Brosius-Gersdorf die Vorwürfe an sie in
       einer Präzision, die erneut deutlich macht, was für [3][ein Verlust ihr
       Rückzug für das Verfassungsgericht bedeutet]. Sie wirft der Union vor,
       ungeprüften Behauptungen aufgesessen zu sein, und kritisiert eine
       Diffamierungskampagne, die teils durch künstliche Intelligenz generiert
       worden sei. Dabei kritisiert sie die Union auch dafür, ihre Prinzipien von
       Anstand und Respekt in der Frage der Richterwahl über Bord geworfen zu
       haben.
       
       ## Für Schwarz-Rot wird's jetzt schwierig
       
       Nun darf es niemanden überraschen, dass das Parlament und insbesondere auch
       die Unionsfraktion für rechte Kampagnen, Falschinformationen und Panikmache
       anfällig sind. Wer etwas anderes behauptet, hat sich längst nur daran
       gewöhnt, dass etwa die Migrationspolitik von Verschärfung zu Verschärfung
       getrieben wird, ohne dass sich etwas an der rechten Stimmungsmache ändert.
       
       Für SPD, Grüne und Linke, die bis zuletzt hinter Brosius-Gersdorf standen,
       ist ihr Rückzug allerdings ein fatales Signal. Es führt den Parteien vor
       Augen, dass ihre Kraft derzeit eben nicht ausreicht, um sich einer rechten
       Kampagne wirksam entgegenzustellen. Für die SPD stellt sich dabei auch die
       Frage, ob sie die Kritik an Brosius-Gersdorf nicht einfach zu spät erkannt
       und die Stimmungsmache deshalb nicht entschiedener verhindert hat.
       
       Für die Koalition aus SPD und CDU, die eigentlich geräuschlos regieren
       wollte, brechen nun wirklich anstrengende Zeiten an. Die SPD wird der
       Unionsfraktion die öffentliche Demontage ihrer Kandidatin jedenfalls kaum
       verzeihen können.
       
       7 Aug 2025
       
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