# taz.de -- Mein Vormieter Max Anschel (1): Mein Vormieter, ermordet im KZ Stutthof 1944
       
       > In der Nazizeit lebte die Familie Anschel in der Elisabethkirchstraße in
       > Berlin-Mitte, im Haus, in dem heute unser Autor wohnt. Eine Spurensuche,
       > die nahe geht.
       
 (IMG) Bild: Hier lebte Max Anschel mit seiner Familie: Das Haus in der Elisabethkirchstraße in Berlin-Mitte
       
       Diese Geschichte beginnt mit einem Text. Ende Februar 2023 [1][berichtete
       Sabine Seifert in der taz] über Menschen, die sich in Berlin auf die Spuren
       einer jüdischen Familie begeben haben, die einst in dem Haus wohnten, in
       dem sie heute leben. Und sie erwähnt dabei auch das noch recht neue
       [2][Internetprojekt „Mapping the Lives“], in dem die einstigen Wohnorte von
       Verfolgten des Nazi-Regimes auf einem Stadtplan eingetragen sind.
       
       Noch am selben Abend schaue ich mir die Seite im Netz an – prüfe meine
       eigene Adresse. Und plötzlich stehen fünf Namen vor meinen Augen. Fünf
       Menschen, die einst dort lebten, wo ich jetzt zuhause bin.
       
       Max Anschel. Seine Frau Anna. Ihre Tochter Ruth. Dazu Heinz Hans Geissler
       und Erwin Thiel.
       
       Seit über 25 Jahren schon wohne ich in einem alten Mietshaus in
       Berlin-Mitte. Ich weiß seit vielen Jahren, dass es bis in die 1930er Jahre
       einen jüdischen Eigentümer hatte, der aber nicht in Berlin, sondern in
       Amsterdam lebte.
       
       Stolpersteine, die an einstige jüdische Anwohner:innen erinnern, liegen
       vor vielen Häusern in unserem Kiez. Bei uns aber nicht. Es ist
       wahrscheinlich, dass auch in „meinem“ Haus Verfolgte gewohnt haben. Schon
       vor Jahren habe ich nach Ansatzpunkten dafür in alten Adressbrüchern
       gesucht, [3][die man im Internet findet], aber ohne Ergebnis.
       
       Ich habe auch mal im Berliner Gedenkbuch gesucht, das man in der Bibliothek
       in der Breiten Straße einsehen kann. Darin sind die Berliner Opfer des
       Nationalsozialismus nach Namen geordnet. Mehr als 6.000 Menschen, ermordet.
       Es ist erdückend, darin zu lesen. Bei meiner Suche nach ehemaligen
       Bewohnern meines Hauses aber war es keine Hilfe. Dank Mapping the Lives
       kenne ich nun die Namen.
       
       In einer Schnellrecherche im Netz finde ich wenig zu Heinz Hans Geissler
       und Erwin Thiel. Zur Familie Anschel finde ich dafür umso mehr. Und so wird
       mir klar: ich habe eine Aufgabe. Sie vor dem Vergessen zu retten.
       
       „Gestorben an den Folgen der NS-Verfolgung“
       
       Max Anschel wurde am 28. 4. 1888 in Schermbeck am Niederrhein geboren. Wann
       er nach Berlin kam, ist unklar. Alle seine vier Großeltern waren Juden, das
       geht aus den Nazi-Akten hevor, die Mapping the Lives verarbeitet hat. Seine
       Frau Anna kam am 10. Januar 1901 in Berlin zur Welt, die gemeinsame Tochter
       Ruth am 5. Januar 1931. Anna Anschel hatte keine jüdischen Großeltern.
       „Verfolgungsgrund: kollektiv“ heißt es auf „Mapping the Lives“. Sie wurde
       also bedrängt, weil sie mit einem Juden verheiratet war.
       
       Was aus ihr und ihrer Tochter wurde, lässt die Datenbank offen. Bei Max
       Anschel aber gibt es keinen Zweifel. „Gestorben an den Folgen der
       NS-Verfolgung“, heißt es auf Mapping the Lives, am 22. November 1944. Und
       dass er zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Auschwitz deportiert worden
       war.
       
       „Mapping the Lives“ hat bei ihm auch noch das [4][„Gedenkbuch für die Opfer
       der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft
       in Deutschland 1933 – 1945“] verlinkt, das das Bundesarchiv online gestellt
       hat. [5][Dort finde ich den Todesort] von Max Anschel: das
       Konzentrationslager Stutthof.
       
       Einmal angefixt von der Geschichte, braucht es nur ein paar Klicks, bis ich
       im Netz noch mehr über Max Anschel gefunden habe. Auf [6][den Seiten des
       United States Holocaust Memorial Museums] gibt es eine [7][Datenbank mit
       Namen von Opfern und Überlebenden] des Holocaust. Dort kann man sogar
       Dokumente zu ihnen anfordern.
       
       Wenige Stunden später habe ich sie per Mail vorliegen: darunter seine
       „Todesbescheinigung“, unterschrieben vom Lagerarzt des KZ Stutthof, einem
       „SS-Obersturmführer“ mit unleserlicher Unterschrift, der angibt, dass „Max
       Israel Anschel“ am 22. 11. 44 um 12.30 Uhr an „Herzmuskelschwäche“
       gestorben sei. „Israel“ war nicht der Zweitname von Max Anschel – er wurde
       alle Juden von den Nazis zwangweise aufgedrückt.
       
       Dazu die „Häftlings-Personal-Karte“ des KZ, aus der hervorgeht, dass Max
       Anschel am 28. Oktober 1944 von Auschwitz nach Stutthof gebracht wurde.
       Dass er ein Kind hat. Und dass seine Ehefrau Anna damals immer noch unter
       der alten Adresse wohnte: Es ist das Haus, in dem ich heute lebe.
       
       Das trifft mich. Wenn all dies offenbar seit vielen Jahren bekannt ist,
       warum liegt dann noch kein Stolperstein vor dem Haus?
       
       Tatsächlich gibt es in Berlin bereits [8][einen Stolperstein, der an Max
       Anschel erinnert]. Er liegt am heutigen Platz der Vereinten Nationen. Aber
       es ist nur ein Namensvetter, der ein paar Monate später am 10. November
       1888 in Rogasen geboren wurde. Wie ich [9][aus alten Adressbüchern]
       erfahre, war er offenbar Schuhmacher. Auch er wurde [10][1943 deportiert]
       und kam in Auschwitz ums Leben. Genau wie [11][seine Frau] und [12][sein
       Sohn]. Aber der Max Anschel, der in meinem Haus wohnte, ist offenbar
       vergessen. Das will ich ändern.
       
       Zuerst wende ich mich an die lokal Zuständige für die Verlegung von
       Stolpersteinen. Sie schreibt mir, dass die Verlegung der Steine auch
       auseinandergerissene Familien wieder zusammenbringen soll. Wenigstens
       symbolisch.
       
       Aber erst einmal muss ich die grundlegenden Fragen selbst beantworten: Wer
       waren die Anschels? Was wurde aus ihnen? Und warum?
       
       Die Suche in den Adressbüchern
       
       Die historischen Adressbücher Berlins sind ein faszinierendes Dokument. Man
       findet sie [13][auf den Seiten der Landesbibliothek], sie bieten einen
       Rückblick bis ins 18. Jahrhundert. Sie sind als PDF einsehbar und lassen
       sich nach Schlagworten durchsuchen.
       
       In vielen aus der Zeit vor 1945 findet man die Bewohner:innen der Stadt
       zudem nach Adressen sortiert. Neben den Namen steht häufig auch der Beruf.
       So lassen sich kleine Familiengeschichten ablesen. Etwa wenn ein Mann erst
       als Schuhmacher verzeichnet ist, Jahre später als Renter auftaucht und
       nochmal Jahre später eine Frau gleichen Namens eingetragen ist – als Witwe.
       
       Durch diese Adressbücher weiß ich schon seit Langem, dass [14][im Jahr
       1933] in meinem Haus ein Postschaffner, ein Fleischermeister, ein Kaufmann,
       ein Lagerverwalter, eine Spritzerin, ein Bäcker und drei Witwen als
       Haushaltsvorstände lebten. Und dass der jüdische Eigentümer schon damals in
       Holland lebte, also nicht erst vor den Nazis geflohen war.
       
       Nur bei meiner Suche nach eventuellen Opfern des Nationalsozialismus half
       mir diese Datenbank nicht weiter. Bis jetzt. Doch wenn man weiß, was man
       finden will, stößt man auf ganze Lebenläufe. Oder zumindest auf Fragmente
       davon.
       
       Die Anschels tauchen in den Berliner Adressbüchern im Jahr 1932 auf.
       [15][Da wird ein Max Anschel in der Bergstraße 17 aufgeführt] mit dem
       Zusatz „Biergebäck“. Das Haus liegt wenige hundert Meter von seiner
       späteren, letzten Adresse entfernt. Anhand der Berufsangabe lässt sich aber
       erkennen, dass es sich um „meinen“ Max Anschel handelt. Denn auch nach dem
       Umzug bleibt der Geschäftsbereich, wenn auch mit stetig sich leicht
       ändernden Bezeichnungen. [16][1933 wird Max Anschel als „Weinbäckvertrieb“
       genannt]. Zwei Jahre später, im Jahr 1935, gibt es in der Bergstraße 17
       eine „Backwarengroßhandlung“ – allerdings nicht mehr unter Max Anschel,
       sondern unter dem Namen seiner Frau Anna, die [17][im Branchenverzeichnis
       nun auch unter „Bäcker“ gelistet] ist. Ich kann nur ahnen, wie das damals
       ausgesehen hat. Das Haus wurde offenbar im Krieg zerstört. Heute steht dort
       ein Neubau.
       
       Spätestens 1938 sind die Anschels an ihre neue Adresse gezogen, in das
       Haus, in dem ich heute wohne. Anna Anschel wird nun mit dem Zusatz „Gebäck“
       erwähnt. Ein Jahr später heißt es, sie habe dort eine
       „Konfitürengroßhandlung“. Ihr Mann Max wird unter der gleichen Adresse als
       „Kaufmann“ geführt. 1940 ist Max aus dem Adressbuch verschwunden, nur noch
       Anna taucht unter der Adresse auf. 1942 ist auch Anna nicht mehr zu finden.
       
       Auch 1943, im letzten vorhandenen Adressbuch aus Kriegszeiten, gibt es
       keinen Eintrag zu der Familie – aber ein anderes Detail gibt einen Hinweis
       auf die Nazi-Diktatur. Als Eigentümer des Hauses taucht anders als in den
       Vorjahren nicht mehr der in Amsterdam lebende Kaufmann Steinberger auf.
       Offenbar wurden die jüdischen Besitzer enteignet. Ihre dann in New York
       lebenden Erben bekamen das Haus erst um das Jahr 2000 herum rückübertragen.
       
       Von der Familie Anschel verliert sich zunächst jede Spur. Erst im
       Ostberliner Telefonbuch des Jahres 1961 taucht sie wieder auf. Die
       mittlerweile erwachsene Tochter Ruth ist jetzt als „Dr. med“ verzeichnet –
       unter der alten Adresse ihrer Eltern. Sie bleibt dort bis mindestens 1967
       wohnen.
       
       Anfang der 70er Jahre zieht sie in eine der neuen Plattenbauten unweit des
       Berliner Alexanderplatzes, wo sie jahrzehntelang wohnen bleibt – auch nach
       dem Mauerfall. Geheiratet hat sie offenbar nie.
       
       Kurz habe ich die Hoffnung, mit Ruth Anschel noch reden zu können. Sie wäre
       heute knapp über 90 Jahre alt. Aber eine Anfrage ans Einwohnermeldeamt
       ergibt: sie ist bereits im Jahr 2000 gestorben. Auch ihre Mutter, erfahre
       ich so, hat den Nationalsozialismus überlebt. Sie starb 1992 im Alter von
       91 Jahren.
       
       Das Haus, in dem ich wohne
       
       Das Haus, in dem ich seit 25 Jahren wohne, ist unscheinbar. Ein Mietshaus
       mit acht Wohnungen. Kein Gewerbe. Keine Erker, keine Balkone, kein Stuck.
       Wie bei fast allen Häusern in der Rosenthaler Vorstadt hat sich auch hier
       die Bewohnerschaft radikal geändert seit dem Mauerfall. Mehrere Familien
       zogen fort, weil es ihnen mit den Kindern zu eng geworden war. Und weil sie
       sich eine größere Wohnung im Kiez, der einst die Vorstadt der Armen war,
       nicht mehr leisten können.
       
       Einst lebte hier ein Karikaturist. Nach einer Vernissage mit seinen
       Arbeiten saß die Crème der deutschen Zeichnerszene kurz bei uns im
       Wohnzimmer, weil der Gastgeber gerade seinen Schlüssel nicht fand und wir
       die Leute nicht vor der Tür stehen lassen wollten. Ein Restaurantbetreiber,
       der hier wohnte, starb nach heftigen Drogenproblemen. Länger als ich wohnt
       heute nur Wolfgang im Haus. Der dafür aber eigentlich schon immer. Er zog
       als junger Mann in den 70er Jahren ein. Ein Metzger, der allein seinen Sohn
       großzog. Heute ist er längst Rentner. Er öffnet gern laut brummend die
       Wohnungstür, wenn die Kinder die Treppe runtertrampeln – und schenkt ihnen
       dann Schokoriegel.
       
       Hat er vielleicht die Anschels noch in unserem Haus erlebt? Ich drehe an
       der alten Klingel an seiner Wohnungstür. Er kommt auf Krücken an. Anschel?,
       fragt er. Da habe es doch dieses Ehepaar unter ihm gegeben, meint er. Aber
       Ehepaar, das kann ja nicht sein. Der Mann, Max Anschel, war ja schon seit
       1944 tot. Und Juden? Nein, das sagt ihm gar nichts. Dafür erzählt er noch
       jede Menge anderer Geschichten, von quietschenden Betten in diesem
       hellhörigen Haus, von Nachbarn, die er „gefressen hatte“, von den vielen
       Kindern, die immer hier gelebt hätten. Und von dem Zeichner, der ihm noch
       heute jedes Jahr einen Kalender schicke. Nur bei meiner Suche kann er mir
       nicht weiterhelfen.
       
       Aber vielleicht die WBM? Zu DDR-Zeiten wurde das Haus von der kommunalen
       Wohnungsverwaltung geführt, aus der nach der Wende die
       Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hervorging. Von der hatte ich 1999 noch
       meinen Mietvetrag bekommen – kurz bevor das Haus an die Alteigentümer
       übertragen wurde. Ob die WBM vielleicht noch das alte Hausbuch hat, in dem
       zu DDR-Zeiten alle Bewohner akribisch gelistet wurden? Ich frage bei der
       Pressestelle an. Aber sie kann mir nicht weiterhelfen.
       
       Ich stochere im Nebel. Also versuche ich meine Suche systematischer
       anzugehen. Mit den wichtigsten Lebensdaten von Max Anschel.
       
       Geboren in Schermbeck an der Lippe
       
       In Schermbeck war ich noch nie. Ich wusste bisher nicht einmal, dass ein
       Ort mit diesem Namen existiert. In der Gemeinde im Kreis Wesel nahe der
       holländischen Grenze leben heute rund 13.000 Menschen. Hier wurde Max
       Anschel 1888 geboren. Mindestens seit Mitte des 17. Jahunderts gab es dort
       eine kleine jüdische Gemeinde. [18][Laut Wikipedia] stellte sie um 1855
       rund 10 Prozent aller Einwohner.
       
       Im Netz stoße ich auf einen Bericht über eine Aktion der dortigen
       Gesamtschule. Die Schüler:innen hatten 2017 in einem Projekt zur
       jüdischen Geschichte des Ortes geforscht und am Jahrestag der
       Reichspogromnacht daran erinnert. „Hanna Wegner, Alicia Theis und Joline
       Rosendahl erinnerten an Mitglieder der jüdischen Familien Anschel,
       Schönbach, Marchand, Adelsheimer, Hoffmann und Sternberg“, [19][heißt es in
       dem Text], in dem auch die Geschichtslehrerin genannt wird, die das Projekt
       geleitet hat. Wissen die Schüler:innen mehr über die Familie Anschel und
       über Max? Ich maile die Schule an – und bekomme Antwort von ganz anderer
       Stelle.
       
       Andrea Kammeier-Nebel, die lange zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in
       Schermbeck geforscht hat, hat meine Anfrage von der Geschichtslehrerin
       weitergeleitet bekommen. Sie schreibt mir, dass Max Anschel in den
       Schermbecker Quellen leider nicht erwähnt werde. Das heißt aber nicht, dass
       er dort nicht zur Welt kam.
       
       Die Informationen über die jüdischen Familien in Schermbeck in der zweiten
       Hälfte des 19. Jahrhunderts, schreibt Kammeier-Nebel, basieren weitgehend
       auf den preußischen Volkszählungen. Standesamtliche Unterlagen sind nicht
       erhalten. Die Volkszählungen führen die Familien pro Haus mit bürgerlichem
       Namen, Geburtsdatum, Stand und Beruf auf.
       
       Aufgrund der ihr vorliegenden Akten mutmaßt sie, dass Albert Anschel (*4.
       9. 1851) sein Vater war, seine Frau Laura, geborene Hasendahl (*26. 1. 1850
       in Wesseling) seine Mutter. In der Volkszählung von 1885 wird ein Sohn mit
       Namen Adolf Anschel (*31. 8. 1885) aufgeführt. Das Paar sei zwischen 1890
       und 1895 aus Schermbeck fortgezogen, vermutlich nach Krefeld.
       
       Laura Anschel sei 1912 in Krefeld beerdigt worden. Ein Ingenieur namens
       Adolf Anschel sei im Krefelder Adressbuch 1931/32 verzeichnet. Er wurde
       1938 inhaftiert und war vom 17. November bis 1. Dezember 1938 im
       Konzentrationslager Dachau. Am 26. April 1939 emigrierte er nach Belgien
       und wurde am 10. Mai 1940 in dem kleinen französichen Ort Le Vigeant
       interniert. Dort befand sich ein Lager, in dem überwiegend deutsche und
       österreichische Emigranten interniert wurden, die vor den Nazis Zuflucht in
       Belgien gesucht hatten. Am 10. August 1942 wurde Adolf Anschel nach
       Ausschwitz deportiert.
       
       Kammeier-Nebel rät mir, beim Stadtarchiv Krefeld nachzuforschen. Von der
       dortigen NS-Dokumentationsstelle antwortet mir Fabian Schmitz: „[20][In
       unserer Datenbank ist nur das Ehepaar Adolf und Erna] mit dem Sohn Günter
       (geb. 1924 in Bremen, ermordet 1943 vermutlich in Auschwitz) verzeichnet.
       Informationen zu Eltern und Geschwistern der beiden Eheleute fehlen
       leider“. Aber Geburtsort und –tag von Adolf Anschel stimmen. Er war
       offensichtlich der Bruder von Max. „Er wurde in Schermbeck geboren, war
       Ingenieur und Inhaber eines Photogeschäftes.“
       
       Schmitz weiß noch mehr über den Leidensweg von Adolf Anschel und seiner
       Familie: Er „wurde vermutlich im Rahmen der Novemberpogrome in ‚Schutzhaft‘
       genommen und vom 17. November bis zum 1. Dezember in Dachau festgehalten,
       bis er zwecks „Arisierung“ seines Vermögens und Auswanderung entlassen
       wurde. Im April 1939 floh die Familie nach Belgien. Adolf wurde 1942 von
       Drancy, Frankreich, aus nach Auschwitz deportiert, wo er vermutlich am 10.
       August 1943 ermordet wurde. Erna wurde am 31. Juli 1943 ab Mechelen,
       Belgien, nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich bei Ankunft
       ermordet. Günter wurde am 7. Oktober 1943 von Drancy aus nach Auschwitz
       deportiert. Auch er wurde vermutlich bei Ankunft ermordet.“
       
       Je tiefer man einsteigt in die Geschichte, desto mehr offenbart sich das
       Grauen.
       
       Erst recht, wenn man nicht nach dem Lebensanfang von Max Anschel sucht,
       sondern nach dem Ende im Konzentrationslager Stutthof. Dazu frage ich die
       Gedenkstättenleiterin in Stutthof. Ihre Antwort kommt prompt. Und sie ist
       hart.
       
       ..............
       
       Die Geschichte von Max Anschel und seiner Familie hat taz-Redakteur Gereon
       Asmuth in einer sechsteiligen Serie aufgeschrieben. Alle Texte finden Sie
       unter [21][taz.de/maxanschel]. 
       
       Teil 2: [22][Vier Tage und ein halbes Brot – Das KZ Stutthof, in dem Max
       Anschel starb, galt unter Häftlingen als schlimmstes Lager.] 
       
       Teil 3: [23][Die gnadenlose Kirche gegenüber – Die jüdisch-katholische
       Famlie Anschel lebte direkt gegenüber einer NS-dominierten Kirche.] 
       
       Teil 4: [24][Der Riss in der Tür – Ein Mordversuch, ein Einbruch, eine
       zertrümmerte Tür: Auf den Spuren meiner Vormieterin Anna Anschel] 
       
       Teil 5: [25][„Mutti, ich habe eine sehr, sehr grosse Bitte an Dich!“ – Die
       Geschichte der Tochter Ruth Anschel] 
       
       Teil 6: [26][Der Verrat im Luftschutzkeller und das Leben im Nazinest nach
       dem Krieg]
       
       15 Nov 2024
       
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 (DIR) [5] https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1050298
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 (DIR) [10] https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1050299
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 (DIR) [12] https://www.stolpersteine-berlin.de/de/platz-der-vereinten-nationen/4-5/werner-anschel
 (DIR) [13] https://digital.zlb.de/viewer/berliner-adressbuecher/
 (DIR) [14] https://digital.zlb.de/viewer/image/34115495_1933/4238/
 (DIR) [15] https://digital.zlb.de/viewer/image/34115495_1932/4850/LOG_0345/
 (DIR) [16] https://digital.zlb.de/viewer/image/34115495_1933/52/
 (DIR) [17] https://digital.zlb.de/viewer/image/34115495_1935/3088/LOG_0234/
 (DIR) [18] https://de.wikipedia.org/wiki/Schermbeck#J%C3%BCdische_Gemeinde
 (DIR) [19] https://schermbeck-online.de/fanatische-nazis-lehrten-juden-das-fuerchten/
 (DIR) [20] https://www.krefeld.de/c1257cbd001f275f/files/historische_datenbank_juedische_krefelder_findbuch.pdf/$file/historische_datenbank_juedische_krefelder_findbuch.pdf?openelement
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 (DIR) Historiker über „Arisierung“: „Anfangs hielt sich die Drangsalierung noch in Grenzen“
       
       Historiker Cord Aschenbrenner hat ein Buch über die „Arisierung“ jüdischer
       Geschäfte an Hamburgs Neuem Wall verfasst. Vor Ort erinnert nichts daran.
       
 (DIR) Sendung mit der Maus: Die Sendung mit dem Holocaust
       
       Die aktuelle Folge erklärt den Holocaust anhand der Geschichte des Malers
       Felix Nussbaum. Ist das geeignet für Kinder?
       
 (DIR) Digitales Gedenken an Holocaust: Jeder Name zählt
       
       Das Arolsen-Archiv hat die größte Sammlung von Akten zu NS-Opfern. In
       dieser Woche sollen 27.000 digitalisiert werden. Jeder und jede kann
       mithelfen.
       
 (DIR) 80 Jahre Auschwitz-Befreiung: Die Wahrheit in den Händen halten
       
       In diesen Tagen wird an die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945
       erinnert. Beim Auftakt in Berlin fordert Olaf Scholz, wehrhaft zu sein.
       
 (DIR) NS-Archiv in den Niederlanden: Datenschutz bremst Digitalisierung
       
       Die Niederlande wollen eine umfangreiche Dokumentensammlung über
       NS-Kollaborateure digital zugänglich machen. Daraus wird erst mal nichts.
       
 (DIR) NS-Gerichtsprozesse: Ein Leben für etwas Gerechtigkeit
       
       Rechtsanwalt Thomas Walther hat viele alte Nazi-Verbrecher vor Gericht
       gebracht. Eine Bilanz der NS-Prozesse der vergangenen Jahre.
       
 (DIR) SS-Massaker in Italien: Der Schatten von Sant'Anna
       
       In Sant'Anna di Stazzema beging die SS ein Kriegsverbrechen. Weil deutsche
       Behörden nicht kooperierten, wurde niemand je zur Rechenschaft gezogen.
       
 (DIR) Mein Vormieter Max Anschel (2): Vier Tage und ein halbes Brot
       
       Das KZ Stutthof galt unter Häftlingen als schlimmstes Lager. Dort starb
       auch Max Anschel, der Vormieter unseres Autors. Wurde er ermordet? Die
       Geschichte einer Recherche
       
 (DIR) Mein Vormieter Max Anschel (3): Die gnadenlose Kirche gegenüber
       
       Die jüdisch-katholische Familie Anschel lebte in der NS-Zeit in
       Berlin-Mitte, direkt gegenüber einer NS-dominierten Kirche. Heute kann dort
       auch eine jüdische Gemeinde feiern.
       
 (DIR) Mein Vormieter Max Anschel (4): Der Riss in der Tür
       
       Ein Mordversuch, ein Einbruch, eine zertrümmerte Tür: Auf den Spuren meiner
       Vormieterin Anna Anschel, deren Mann Max 1944 im KZ umgebracht wurde.
       
 (DIR) Mein Vormieter Max Anschel (5): „Mutti, ich habe eine sehr, sehr grosse Bitte an Dich!“
       
       Ruth Anschel war die Tochter meines im KZ ermordeten Vormieters. Schon als
       Kind erfuhr sie Gewalt, später lebte sie in einem Viertel mit
       antisemitischer Geschichte.
       
 (DIR) Mein Vormieter Max Anschel (6): Das Leben im Nazinest nach dem Krieg
       
       Max Anschel kam ins KZ, weil Nachbarn ihn im Luftschutzkeller anzeigten.
       Seine Frau lebte noch 20 Jahre in dem Haus, Seite an Seite mit den
       Denunzianten.
       
 (DIR) 86. Jahrestag Pogromnacht: Ein kalter Tag im November
       
       Zum Jahrestag erinnern Berliner*innen vielfach an die Novemberpogrome.
       Gleichzeitig ermittelt der Staatsschutz nach Angriffen auf jüdische
       Fußballer.