# taz.de -- EU-Gipfel zur Energiekrise: Scholz bremst bei Gaspreisdeckel
       
       > Deutschland verhindert beim EU-Gipfel ein dauerhaftes Preislimit. Die
       > EU-Staaten wollen gemeinsam Gas kaufen, damit es günstiger wird.
       
 (IMG) Bild: Überschaubar: vier Gasfelder auf einem Herd
       
       Berlin taz | Die [1][27 EU-Staaten haben sich auf ein Programm zur Senkung
       der exorbitanten Gas- und Strompreise geeinigt]. Um Energie in Europa
       wieder erschwinglich zu machen, wollen sie künftig gemeinsam Gas einkaufen
       – allerdings nur freiwillig und auch nur 15 Prozent des Speicherbedarfs.
       Außerdem planen sie einen Gaspreisdeckel „light“. Er soll allerdings nur in
       Notfällen aktiviert werden.
       
       Frankreich und ein Dutzend weitere [2][EU-Staaten hatten ein dauerhaftes
       Preislimit gefordert]. Sie konnten sich jedoch nicht gegen Deutschland
       durchsetzen. Kanzler Olaf Scholz (SPD) sprach sich gegen einen „politisch
       gesetzten Preisdeckel“ aus und warnte vor Versorgungsengpässen. Wenn der
       Preis zu niedrig wäre, könnten Tanker mit Flüssiggas einen großen Bogen um
       Europa machen.
       
       [3][Zehn Stunden lang redeten sich die Chefs beim Gipfel in Brüssel die
       Köpfe heiß], bevor sie den vagen Kompromiss schlossen. Demnach wollen sie
       einen „befristeten dynamischen Preiskorridor für Erdgasgeschäfte“ schaffen.
       Der Gaspreis würde dabei nur zeitweise gedeckelt und flexibel an die
       Entwicklung am Weltmarkt angepasst. Wie das funktionieren soll, blieb
       allerdings unklar.
       
       Die Lösung sollen nun die Energieminister bei ihrem nächsten Treffen am
       kommenden Dienstag finden. Einfach wird das nicht, denn der Teufel steckt
       im Detail. Außerdem suchen die Minister schon seit einem Jahr geeignete
       Maßnahmen gegen die Gaspreiskrise – bisher ohne großen Erfolg.
       
       ## Schwierige Details noch offen
       
       Belgiens Premier Alexander De Croo sprach dennoch von einem Erfolg. Die
       Energieminister würden Neuland betreten, die Umsetzung werde nicht leicht.
       Dennoch könnten die Details „in zwei bis drei Wochen“ ausgearbeitet werden.
       Ähnlich äußerte sich Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron. Die
       wichtigsten Ziele seien erreicht worden: „Wir bleiben geeint, und wir
       senken den Gaspreis.“
       
       Vorsichtiger äußerte sich Scholz. Der Kompromiss sei sinnvoll, jedoch nicht
       leicht umsetzbar. Man müsse noch an schwierigen Details arbeiten, bevor die
       Maßnahmen wirkten. Immerhin kann er es als Erfolg verbuchen, dass der feste
       Gaspreisdeckel vom Tisch ist. Eine Niederlage erlitt der Kanzler dagegen
       bei der Erschließung neuer Gasfelder. Ein Änderungsantrag dazu, den Scholz
       in letzter Minute eingebracht hatte, wurde abgelehnt.
       
       Auch die von Scholz geforderte Midcat-Gaspipeline ist vom Tisch. Die
       Regierungen von Spanien, Frankreich und Portugal einigten sich überraschend
       auf den Bau einer dritten Pipeline von Barcelona nach Marseille. Der neue
       „grüne Energie-Korridor“ lässt Deutschland außen vor.
       
       21 Oct 2022
       
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 (DIR) Eric Bonse
       
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