# taz.de -- EU-Gipfel zur Energiekrise: Einheit gewahrt, Kompromiss vage
       
       > Der EU-Gipfel in Brüssel findet einen Kompromiss im Streit um Maßnahmen
       > gegen hohe Energiekosten. Was das aber ganz genau bedeutet, ist noch
       > unklar.
       
 (IMG) Bild: Großes Medieninteresse in Brüssel, nicht nur an Frankreichs Präsidenten Macron
       
       Brüssel dpa | Kein Durchbruch, aber Einheit gewahrt: Im Streit über die
       richtigen Maßnahmen gegen die hohen Energiekosten haben die Staats- und
       Regierungschefs der EU-Staaten einen Kompromiss gefunden. Nach rund
       zehnstündigen Verhandlungen stand beim [1][EU-Gipfel] in der Nacht zum
       Freitag die Abmachung, an einem Preisdeckel gegen extrem hohe Gaspreise zu
       arbeiten und andere Optionen weiter zu prüfen. „Wir haben uns
       zusammengerauft“, sagte Kanzler [2][Olaf Scholz (SPD)] in Brüssel. Dies sei
       ein gutes Zeichen der Solidarität. Die Details möglicher Maßnahmen zur
       Begrenzung der Gaspreise blieben allerdings unklar.
       
       Auf die Frage, ob er sich in der Energiediskussion beim Gipfel isoliert
       geführt habe, sagte Scholz: „In keiner Weise.“ Scholz war vor dem Gipfel
       [3][Egoismus in der Energiekrise] vorgeworfen worden. Selbst der
       französische Präsident Emmanuel Macron warnte ihn davor, Deutschland in
       Europa zu isolieren.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte nach dem ersten
       Gipfeltag an: „Wir werden einen Marktkorrekturmechanismus einführen, um
       Episoden überhöhter Gaspreise zu begrenzen.“ Ihre Behörde werde nun mit den
       Fachministern der EU-Staaten an einem Gesetzesvorschlag dafür arbeiten.
       
       In den Schlussfolgerungen des Gipfels zum Thema ist von einem
       „vorübergehenden dynamischen Preiskorridor“ für den Handel mit Gas die
       Rede, der jedoch nicht die Versorgungssicherheit gefährden dürfe. Das
       nächste Treffen der Energieminister ist bereits am kommenden Dienstag.
       
       ## Alle Details kommen erst noch
       
       Scholz, der vor dem Gipfel noch vor einem „politisch gesetzten Preisdeckel“
       gewarnt hatte, beschrieb den Vorschlag als sinnvoll, jedoch nicht einfach
       umsetzbar. Es sei noch an schwierigen Details zu arbeiten. Sein
       niederländischer Kollege Mark Rutte äußerte sich ähnlich zurückhaltend:
       „Wir müssen wirklich alle Vor- und Nachteile und Auswirkungen prüfen.“
       Österreichs Kanzler Karl Nehammer sagte dagegen, der Gaspreisdeckel sei
       sehr schnell umsetzbar und die EU-Kommission lege den Höchstpreis fest.
       
       Ein Preisdeckel für Gas wird in der EU schon seit Monaten gefordert.
       Allerdings gibt es unterschiedliche Konzepte, wie der Preis begrenzt werden
       soll. Eine mögliche Option ist etwa ein Deckel auf den Preis für Gas, das
       zur Stromproduktion genutzt wird. Dieser dürfte – auch wegen des
       Widerstands Deutschlands – erstmal nicht kommen. Zunächst soll es dem
       Gipfel-Beschluss zufolge eine Kosten-Nutzen-Analyse geben. Zudem dürfe ein
       solches Modell nicht dazu führen, dass der Gasverbrauch zunehme.
       
       Weniger umstritten war beim Gipfel die Unterstützung für den jüngsten
       Vorschlag der EU-Kommission, die Möglichkeit für gemeinsame Gaseinkäufe zu
       schaffen. Ziel ist, dass Unternehmen in den EU-Staaten ihren Bedarf bündeln
       und in den Verhandlungen mit anderen Ländern so die Preise drücken können.
       
       Noch in diesem Jahr hatten sich die Länder auf dem Gasmarkt teils
       gegenseitig überboten. Ziel ist, dass das neue System bis zum Frühling
       funktionsfähig ist. „Ich finde das einen guten Fortschritt“, sagte Scholz.
       Mit dem Energie-Block ist das umstrittenste Thema beim EU-Gipfel abgeräumt.
       Am Freitag wollen die Staats- und Regierungschefs unter anderem über die
       weitere Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine sowie die
       Beziehungen zu China beraten.
       
       21 Oct 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /EU-Gipfel-am-Donnerstag-und-Freitag/!5889635
 (DIR) [2] /Zwist-vor-EU-Gipfel/!5889759
 (DIR) [3] /Hilfe-in-der-Energiekrise/!5884024
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
 (DIR) Energieversorgung
 (DIR) EU-Gipfel
 (DIR) Olaf Scholz
 (DIR) Energiekrise 
 (DIR) Gaspreise
 (DIR) Energiekrise 
 (DIR) EU-Sondergipfel
 (DIR) Schwerpunkt Emmanuel Macron
 (DIR) Energiekrise 
 (DIR) Energiekrise 
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) EU-Gipfel zur Energiekrise: Scholz bremst bei Gaspreisdeckel
       
       Deutschland verhindert beim EU-Gipfel ein dauerhaftes Preislimit. Die
       EU-Staaten wollen gemeinsam Gas kaufen, damit es günstiger wird.
       
 (DIR) EU-Gipfel zur Energiekrise: Fauler Kompromiss made in Germany
       
       Statt eines Gaspreisdeckels kommt nur ein vager „Fahrplan“. Deutschland hat
       seine Eigeninteressen durchgesetzt – und damit Europa geschwächt.
       
 (DIR) Zwist vor EU-Gipfel: Scholz’ unangenehme Reise
       
       Zwischen Frankreich und Deutschland herrscht schlechte Stimmung. Grund sind
       Meinungsverschiedenheiten in der Verteidigungs- und Energiepolitik.
       
 (DIR) EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag: Dicke Luft schon vor Beginn
       
       Die EU-Staaten streiten über Gaspreisdeckel und den deutschen „Doppelwumms“
       zur Entlastung. Es droht eine folgenschwere Pleite.
       
 (DIR) Hilfe in der Energiekrise: Wie EU-Nachbarn Gaskunden helfen
       
       Einmalzahlung und Preisbremse: Der deutsche Weg, Kosten für Brennstoff zu
       begrenzen, zog Kritik auf sich. Da lohnt ein Blick in die Nachbarländer.