# taz.de -- Vorsondierungen in Berlin: Linke will SPD und Grünen entgegenkommen
       
       > Die Mitglieder der neuen Linksfraktion sollen sich an Parteibeschlüsse
       > halten. Das will die Fraktion in der kommenden Woche beschließen.
       
 (IMG) Bild: Wollen mehr Disziplin: Landesvorsitzende Maximilian Schirmer und Kerstin Wolter und Fraktionschefs Elif Eralp und Tobias Schulze
       
       Die Linksfraktion im Abgeordnetenhaus will sich stärker gegen
       Antisemitismus positionieren. Das sieht eine veränderte Satzung der
       Fraktion vor, die am Dienstag den 45 Abgeordneten vorgestellt wurde. Zuvor
       hatten SPD und Grüne von der Linkspartei einen „Mechanismus“ gefordert, der
       bei möglichen antisemitischen Äußerungen angewandt werden könnte.
       
       In der neuen Fraktionssatzung soll die Einhaltung der
       Mandatsträgervereinbarung bindend für die Abgeordneten werden. Diese
       Vereinbarung besagt, dass sich alle Mitglieder der Partei an die
       Parteibeschlüsse der Linkspartei halten. Dazu gehören ein Eintreten gegen
       Antisemitismus und ein Kooperationsverbot mit Menschen und Organisationen,
       die der Hamas nahestehen.
       
       Offen ist allerdings, ob eine solche Vereinbarung für die Mitglieder der
       Fraktion tatsächlich bindend sein kann. Abgeordnete sind [1][laut
       Abgeordnetenhaus] nicht an Weisungen gebunden, sondern nur „ihrem Gewissen
       unterworfen“. Ein imperatives Mandat gibt es also nicht im Berliner
       Landesparlament.
       
       Auch dürften Abgeordnete, die in ihren Wahlkreisen ein Direktmandat
       errungen haben, argumentieren, dass sie weniger der Fraktionsdisziplin als
       ihren Wählerinnen und Wählern verpflichtet sind. Von den 45 Abgeordneten
       der Linksfraktion haben 28 ihren Wahlkreis gewonnen.
       
       ## Neukölln mit drei Direktmandaten
       
       Unter ihnen sind auch die zur LAG Palästinasolidarität gehörenden Vanessa
       Emde (Neukölln) und Martha Kleedörfer (Mitte). Allein in Neukölln haben
       drei Kandidaten der Linkspartei ein Direktmandat erzielt. Zuletzt hatten
       sich [2][Aktivisten und Kulturschaffende] solidarisch mit dem Neuköllner
       Kreisverband der Linken erklärt und von „teils maßlosen und diffamierenden“
       Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Partei gesprochen.
       
       Dennoch hofft die Landes- und Fraktionsspitze der Linken, mit der
       Vereinbarung eine Möglichkeit zu schaffen, im Ernstfall einzelne Mitglieder
       aus der Fraktion ausschließen zu können. Eine Abstimmung über den Vorschlag
       der Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp und Tobias Schulze soll in der
       kommenden Woche stattfinden.
       
       Am Mittwoch, dem dritten Jahrestag des Hamas-Massakers in Israel, soll
       unterdessen die letzte und entscheidende Gesprächsrunde der Vorsondierungen
       für ein mögliches Linksbündnis stattfinden. Zuletzt hatten Linke, Grüne und
       SPD am Samstag in wortgleichen Statements erklärt, man habe sich „auf einen
       weiteren gemeinsamen Weg verständigt“. Auf der Sitzung am Mittwoch, hieß
       es, „werden wir die aktuellen Gespräche zu einem Ergebnis führen“.
       
       Ob ein Beschluss zur Verpflichtung auf die Linken-Parteibeschlüsse der SPD
       und den Grünen reichen wird, ist offen. Bislang ist wenig aus den
       Gesprächsrunden im Haus der Statistik an die Öffentlichkeit gedrungen. SPD
       und Grünen sei allerdings wichtig, heißt es, eine Regelung zu finden, die
       über die ganze fünfjährige Wahlperiode hinweg greift.
       
       Sollten die Gespräche am Mittwoch erfolgreich verlaufen, können die
       Sondierungen beginnen. Dann geht es um die ebenfalls strittigen Themen
       Vergesellschaftung, Polizei und Verfassungsschutz sowie die angespannte
       Finanzlage im Land Berlin.
       
       Wenig problematisch dürfte eine Personalie werden, die die Linke am
       Dienstag auch formal beschlossen hat. Die Fraktion wird Hendrikje Klein als
       ihre Kandidatin für die Wahl der Parlamentspräsidentin vorschlagen. Ihrer
       Wahl bei der konstituierenden Sitzung des Abgeordnetenhauses am 29. Oktober
       dürfte nichts entgegenstehen.
       
       6 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.parlament-berlin.de/Lexikon/mandat
 (DIR) [2] /Offener-Brief-an-Berliner-Linkspartei/!6218910
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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