# taz.de -- UN-Bericht zur Klimakrise: Menschheit „gefährlich weit“ von 1,5 Grad entfernt
       
       > Die Welt steuert auf 2,8 Grad Erderhitzung zu – mit schlimmen Folgen.
       > Hitze tötet, Wälder brennen. Doch es bleibt Hoffnung für eine Rückkehr zu
       > 1,5 Grad.
       
 (IMG) Bild: Die Erderhitzung wütet jetzt schon und lässt zum Beispiel Wälder brennen, wie hier im August in Lübeck
       
       afp | Die Menschheit ist laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms Unep
       „gefährlich weit“ vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt. Die
       gegenwärtigen nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend und
       der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter „auf Rekordstand“,
       kritisierte UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch anlässlich der
       Veröffentlichung des sogenannten [1][Emissions Gap Report] des Unep. Er ist
       eine deutliche Mahnung knapp drei Wochen vor der Weltklimakonferenz in
       Antalya (COP31).
       
       Das Unep ermittelt in seinem Bericht alljährlich die Lücke zwischen den zu
       erwartenden Emissionen und den Werten, die für eine Erreichung der Ziele
       des Pariser Klimaschutzabkommens notwendig wären.
       
       Selbst wenn alle Staaten ihre neuesten Klimaschutzzusagen vollständig
       erfüllten, steuere die Erde bis 2100 auf eine folgenschwere Erwärmung um
       2,6 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu, heißt es im
       Bericht. Angesichts des [2][gegenwärtigen klimapolitischen Kurses der
       Staaten] sei sogar mit einer Erwärmung um 2,8 Grad zu rechnen.
       
       Vergangenes Jahr war der Bericht noch von einer Erderwärmung um 2,3 bis 2,5
       Grad ausgegangen. Die internationale Gemeinschaft hatte sich im Pariser
       Abkommen von 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter
       zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen
       Zeitalter zu begrenzen.
       
       ## „Konsequenzen sind jetzt schon zerstörerisch“
       
       Guterres kritisierte nun, die Menschheit habe ihr Wort gebrochen. „Die Welt
       kann es nicht mehr verhindern, die 1,5-Grenze zu überschreiten, und die
       Konsequenzen sind jetzt schon zerstörerisch“, erklärte der
       UN-Generalsekretär. „Tödliche Überflutungen, brutale Hitzewellen,
       [3][wütende Waldbrände], Todesfälle, gelähmte Volkswirtschaften, sich
       vertiefende Ungleichheiten, und diejenigen, die am wenigsten verantwortlich
       sind, leiden am meisten“, schilderte Guterres die Folgen der Erderwärmung.
       
       Dennoch stiegen die Emissionen aus der Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle,
       den größten Treibern der Klimakrise, 2025 im Vergleich zum Vorjahr weiter
       leicht an. Die Emissionen energieintensiver Sektoren wie Energieerzeugung
       und Verkehr wiesen „in die falsche Richtung“, heißt es in dem Unep-Bericht.
       
       Seit der Industrialisierung hat sich die Erde bereits um etwa 1,4 Grad
       erwärmt. Klima-Wissenschaftler:innen warnen, dass jede minimale Erwärmung
       über 1,5 Grad hinaus das Risiko für unumkehrbare negative Folgen wie etwa
       das Absterben von Korallenriffen und das [4][Schmelzen von Gletschern und
       Permafrostböden] erhöht.
       
       Guterres appellierte an die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20),
       die für drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich
       sind, den Kampf gegen die Erderwärmung anzuführen. Laut dem Unep-Bericht
       hat sich der Ausblick insbesondere wegen des Ausstiegs der USA aus dem
       Pariser Klimaabkommen verschlechtert. Außerdem sei das Ausmaß der
       Emissionen der Vergangenheit nach oben korrigiert worden, erklärte
       Ko-Autorin Anne Olhoff.
       
       ## USA, Indonesien und China stießen mehr CO₂ aus als 2024
       
       Angesichts eines erhöhten Strombedarfs und [5][eines vermehrten Rückgriffs
       auf Kohlekraftwerke] stießen die USA dem Bericht zufolge vergangenes Jahr
       133 Megatonnen an CO₂-Äquivalent mehr Treibhausgase aus als im Vorjahr –
       ein Zuwachs, der die Anstiege jedes anderen Landes „bei weitem übertreffe“.
       
       Unep-Chefin Inger Andersen kritisierte diesen Kurs. Schließlich habe der
       Klimawandel „Auswirkungen auf jedes Land auf dem Planeten, die USA
       eingeschlossen“. Außer den USA stießen vor allem Indonesien und China 2025
       mehr Treibhausgase aus als 2024. Einen Rückgang gab es in Indien, Russland
       und der Europäischen Union.
       
       Laut dem Unep-Bericht besteht eine 50-prozentige Chance, dass der globale
       Temperaturanstieg bis 2100 wieder auf 1,5 Grad zurückgefahren werden kann.
       Dafür müsste er bis 2050 mit 1,8 Grad seinen Höhepunkt erreichen. Um die
       globalen Temperaturen weiter zu verringern, müsse die Menschheit der
       Atmosphäre dann große Mengen an Treibhausgasen entziehen – entweder durch
       Aufforstung oder [6][technologische Methoden der CO₂-Abscheidung].
       
       Für das Szenario zurück zur 1,5-Grad-Grenze müssten die weltweiten
       Emissionen laut Unep bis 2035 jedes Jahr um jeweils rund 6 Prozent
       zurückgefahren werden. Nach heutigem Stand ist dies allerdings nicht
       realistisch.
       
       Das Festhalten an der 1,5-Grad-Grenze wird voraussichtlich auch ein
       zentrales Thema der Weltklimakonferenz im türkischen Antalya sein. Die
       sogenannte COP31 beginnt am 9. November und dauert zwei Wochen.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.unep.org/en/publications/report/emissions-gap-report-2026
 (DIR) [2] /Erneuerbare-Energien/!6216523
 (DIR) [3] /Waldbraende-in-Europa/!6215720
 (DIR) [4] /Hitzesommer-Ein-weiteres-fatales-Jahr-fuer-Alpengletscher/!6217975
 (DIR) [5] /Treibhausgasemissionen/!6213228
 (DIR) [6] /Meereskundler-ueber-das-15-Grad-Ziel/!6205421
       
       ## TAGS
       
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