# taz.de -- Hitzesommer: Wie viel wusste die Regierung über die Hitzetoten?
       
       > Eine Anfrage an die Bundesregierung ergibt, dass für kommende heiße
       > Jahreszeiten Maßnahmen „geprüft“ werden sollen.
       
 (IMG) Bild: Trinken ist ein gutes Mittel gegen Hitze: Trinkstation im August in einem Krankenhaus in Rheinland-Pfalz
       
       Was wusste die Bundesregierung über die [1][Hitzetoten in diesem Sommer]?
       Um das herauszubekommen, haben Fachpolitiker der bündnisgrünen
       Bundestagsfraktion eine Anfrage an das Bundesgesundheitsministerium
       gestellt. Es antwortete Christiane Schenderlein, die Parlamentarische
       Staatssekretärin für Gesundheit. Um es vorwegzunehmen: Viel weiß sie nicht.
       
       Frage: Wie viele hitzebedingte Krankenhauseinweisungen,
       Notaufnahmebehandlungen und Rettungsdiensteinsätze und hitzebedingte
       Todesfälle gab es in diesem Sommer? Schenderlein beziffert die Toten auf
       16.300 „bis zur Kalenderwoche 35“ und verweist auf Daten des
       Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Zahl ist aber falsch, das RKI listet bis
       zur [2][Kalenderwoche 37] lediglich 16.000 hitzebedingte Sterbefälle auf.
       
       „Zu hitzeassoziierten Rettungsdiensteinsätzen und Krankenhauseinweisungen
       liegen keine Daten vor“, schreibt die Staatssekretärin und begründet: „Das
       RKI betreibt keine Surveillance von Rettungsdiensteinsätzen und
       Krankenhauseinweisungen.“ Surveillance bedeutet: eine systematische und
       fortlaufende Überwachung. Aber warum weist das Ministerium seine
       nachgeordnete Behörde nicht an, solche Daten endlich zu erheben? Wie es in
       Frankreich beispielsweise längst der Fall ist.
       
       In der Kleinen Anfrage heißt es: Welche Erkenntnisse liegen der
       Bundesregierung über hitzebedingte Arbeitsunfähigkeit oder Personalausfälle
       im Gesundheitswesen vor? Antwort: Die Daten für das Berichtsjahr werden
       erst Ende November 2027 vorliegen. Frage: Welche konkreten Maßnahmen plant
       die Bundesregierung, um eine zeitnahe Datenlage zu verbessern? Antwort: Die
       Weiterentwicklung des Monitorings der hitzebedingten Mortalität werde im
       Rahmen der Weiterentwicklung des „Hitzeschutzplans für Gesundheit“ vom
       Ministerium „geprüft“.
       
       Die bislang meisten Menschen waren 2018 im [3][Dürresommer] gestorben,
       damals registrierte das RKI mehr als 8.500 Hitzetote. 2019 wurden 7.000
       hitzebedingte Sterbefälle erfasst, in den Jahren danach fielen jeweils um
       die 3.000 Menschen den hohen Temperaturen zum Opfer.
       
       Damit ist die Hitze des Jahres 2026 die bislang tödlichste, die die
       Bundesrepublik erlebte: Ende Juni war das Thermometer im Saarland auf 41,3
       Grad im Schatten geklettert, am Tag darauf folgten 41,5 Grad im Jerichower
       Land in Sachsen-Anhalt. Am letzten Sonntag des Junis wurden in der
       Brandenburger Lausitz 41,7 Grad gemessen – jeweils ein neuer Höchstwert in
       Deutschland.
       
       „Die Bundesregierung hätte spätestens nach der ersten Hitzewelle im Juni
       besser handeln müssen, um den Hitzeschutz für den Rest des Sommers zu
       verbessern“, sagt Misbah Khan, die stellvertretende
       Grünen-Fraktionsvorsitzende, zur taz. Damals hatte der Regierungssprecher
       auf die Frage, wann Kanzler Friedrich Merz (CDU) die Hitze zur Chefsache
       machen wolle, erklärt: Die Hitzewelle sei „ein extremes Wetter, wir wissen
       das. Eine Chefsache wird das Wetter nicht ändern.“
       
       [4][Copernicus], der Klimadienst der EU, hat in diesem Jahr den heißesten
       Juni aller Zeiten in Westeuropa gemessen. Die Wissenschaft warnt: Geht der
       Klimawandel so weiter, werden Temperaturen wie in der letzten Juni-Woche in
       der zweiten Hälfte des Jahrhunderts das neue „Normal“ in Deutschland. „Die
       Gefahr wächst besonders für diejenigen, die sich keine kühle Wohnung oder
       andere Schutzmöglichkeiten leisten können“, sagt Misbah Khan: „Wir brauchen
       bessere Daten, klare Krisenabläufe und verbindliche Konsequenzen für den
       nächsten Hitzesommer.“
       
       12 Oct 2026
       
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