# taz.de -- Klimaprotest in Österreich: „Zukunft wäre schon geil“
       
       > In Wien und sechs weiteren österreichischen Städten protestieren Tausende
       > für mehr Klimaschutz. Die Regierung bremst derweil die Spritpreise.
       
 (IMG) Bild: Fordern Konsequenzen nach Hitzesommer mit Toten: Klimastreikende in Wien
       
       Der sonst vielspurige Praterstern, einer der wichtigsten Verkehrsknoten
       Wiens, ist an diesem Freitagnachmittag für einen Moment autofrei. Er gehört
       einer Bewegung, die [1][viele schon totgesagt haben]. „Es ist schon
       möglich, dass Menschen überleben bei 3,5 Grad oder 6,5 Grad mehr. Aber ob
       das so leiwand (wienerisch für „toll“) ist?“, sagt ein Mann zu seiner
       Begleitung und spricht damit allen hier aus der Seele.
       
       Fridays for Future hat zum „Klimastreik“ aufgerufen. Auch in Graz, Linz,
       Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Bregenz gingen jeweils Hunderte auf die
       Straße. Anlass ist laut Organisatoren „die fehlende politische Antwort auf
       den Hitzesommer“. Die Gesundheitsagentur AGES schätzt 995 Hitzetote von
       Juni bis August, mehr als je zuvor seit Beginn der Erhebungen 2017.
       „Tausend Hitzetote sind tausend zu viel. Bundeskanzler Stocker, übernehmen
       Sie Verantwortung, benennen Sie die Opfer und garantieren Sie zukünftigen
       Schutz für Menschen“, fordert Fridays for Future.
       
       In Wien sind mehrere Tausend Menschen gekommen. „Zukunft wäre schon geil“,
       steht auf einem Schild bei der Wiener Demo, „Hört auf die Wissenschaftler!“
       auf einem anderen. Aus mehreren Wagen schallt Musik, andernorts im
       Protestzug sorgen Trommler für Stimmung. Global 2000 fordert „Stop Dirty
       Data Centers“ in Anspielung auf jenes im oberösterreichischen Kronstorf,
       das Google gerade baut. Auf Schildern wird der Lobautunnel abgelehnt, der
       [2][als Teil einer neuen Schnellstraße] unter dem Nationalpark Donau-Auen
       verlaufen soll.
       
       Vom Praterstern zieht der Zug zuerst zum Landwirtschaftsministerium, wo es
       zu ersten Kundgebungen kommt. Minister Norbert Totschnig (ÖVP) ist zugleich
       für Landwirtschaft und Klima zuständig – für viele ein Widerspruch in sich.
       „Wir sind hier, wir sind viele, haltet euch an Klimaziele!“, skandiert die
       Menge am Weg dorthin. Von den Balkonen schauen Leute zu, Fahrradboten
       warten geduldig an der Kreuzung und zeigen ihre Unterstützung.
       
       ## Spritpreisbremse sorgt für Kritik
       
       „Schön, dass ihr alle hier seid, auch wenn es schon der x-te Klimastreik
       ist und wir keine Lust mehr haben zu kämpfen“, ruft eine Rednerin vom
       Wagen. Und weiter: „Wir sollten längst ein Klimaschutzgesetz haben, nicht
       nur ein Klimagesetz!“ Gemeint ist der Entwurf, den die Regierung nach
       jahrelanger Verzögerung im September in Begutachtung geschickt hat. Er hält
       zwar an der Klimaneutralität 2040 fest und will – noch zu definierende –
       Zwischenziele festlegen. Strafen bei verfehlten Zielen gibt es aber keine,
       eine „Standortklausel“ lässt sogar Abstriche zu, wenn die Wirtschaft
       leidet.
       
       Für Unmut sorgt auch die Verkehrspolitik. Ende September hat die Regierung
       eine neue Spritpreisbremse beschlossen. Öffi-Fahren wird dagegen teurer
       anstatt billiger, wie jüngst bekannt wurde. Die Wiener Jahreskarte soll ab
       2027 mehr kosten, nachdem sie erst zu Jahresbeginn um [3][28 Prozent teurer
       wurde].
       
       ## Für die Zukunft der Enkel
       
       Pensionistin Edith, in Wien mit dabei, ist wegen des Rekordsommers und
       ihrer Enkelkinder gekommen. Sie fordert weniger Autos: „Am Land gibt es
       Gegenden ohne Öffis, da ist es einzusehen. Aber dass bei uns in Hietzing
       (ein nobler Außenbezirk, Anm.) alle einen SUV haben, ist nicht einzusehen.“
       
       Student Eddi ist seit Beginn bei Fridays for Future dabei. Er könne sich
       nicht erklären, warum es nicht endlich eine vernünftige Klimapolitik gebe.
       Seine Kollegin Emilie findet die Lage „ernüchternd“, hofft aber, dass es
       jetzt wieder mehr Proteste gibt und die Politik irgendwann mehr für den
       Klimaschutz tut. Momentan sieht es nicht danach aus.
       
       16 Oct 2026
       
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