# taz.de -- Erneuerbare Energien: Reiches Rollback
       
       > Eigentlich sollte Katherina Reiche die Wirtschaft ankurbeln. Doch ihre
       > Gesetze für den Strommarkt sind dazu nicht geeignet. Was will die
       > Wirtschaftsministerin?
       
 (IMG) Bild: Die Reformpläne Katherina Reiches wecken in der Erneuerbaren-Branche tief sitzende Ängste – vor der sogenannten „Altmaier-Delle“
       
       Hoch oben auf dem Windrad zu arbeiten – das ist genau das Ding von Pawel
       Bechtold. Als Schüler war er bei Fridays for Future aktiv. Er wollte einen
       Beruf, bei dem er seine Begeisterung für Technik und sein Engagement für
       Klimaschutz gleichermaßen ausleben kann – und begann im September 2025 eine
       Ausbildung zum Servicetechniker bei einem großen Windradhersteller in
       Hamburg.
       
       Sein Beruf begeistert den 23-Jährigen. Aber er spürt eine große Unruhe
       unter Kolleg:innen und in der Branche. Ausgelöst hat diese
       Verunsicherung die Bundeswirtschaftsministerin: Katherina Reiche (CDU) hat
       Gesetzentwürfe zum Umbau der Stromversorgung vorgelegt. „Die
       Kolleg:innen sehen genau, dass das ein Angriff auf unsere
       Arbeitsbedingungen ist“, sagt Bechtold, der bei der Aktion Wind aktiv ist,
       einem Zusammenschluss von Beschäftigten aus der Windkraftbranche,
       Klimaaktivist:innen und der IG Metall.
       
       Wirtschaftsministerin Reiche will die Energiewende „neu justieren“ und
       kostengünstiger aufstellen. Mit zwei zentralen Vorhaben – der
       Verabschiedung eines neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und dem
       Netzanschlusspaket – ist sie auf der Zielgeraden.
       
       In diesen Tagen verhandeln Bundestagsabgeordnete in Berlin über diese
       Gesetze und damit über nicht weniger als die Zukunft der Energiewende.
       Dabei geht es um die Abkehr von der zerstörerischen fossilen Stromerzeugung
       hin zu einer klimafreundlichen. Bis 2045 soll Deutschland, so ist die
       aktuelle Gesetzeslage, klimaneutral werden.
       
       ## Die Energiewende braucht ein Investitionsfeuerwerk
       
       Dazu muss die Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe auskommen,
       „dekarbonisiert“ werden, wie die Fachleute es nennen. Ein Etappenziel: Bis
       2030 sollen 80 Prozent des Stroms durch erneuerbare Energien wie Wind-,
       Wasser- und Solarkraft oder Biomasse erzeugt werden.
       
       Geschafft sind bislang aber erst 60 Prozent. In den ersten neun Monaten
       dieses Jahres deckten nach Erhebung des Bundesverbands der Energie- und
       Wasserwirtschaft (BDEW) Sonne, Wasser, Wind und Co 60,7 Prozent des
       deutschen Bruttostromverbrauchs. Das bedeutet: Um die fehlenden knapp 20
       Prozent zu erreichen, müssen Wind- und Solaranlagen massiv ausgebaut
       werden.
       
       Ein wahres Investitionsfeuerwerk wäre dazu nötig, sagen Expert:innen:
       Durchschnittlich stiegen die Erträge der regenerativen Kraftwerke bislang
       um 2,4 Prozent pro Jahr. Um die fehlenden 20 Prozent noch zu schaffen,
       müssten jetzt jährlich 5 Prozent Grünstrom hinzukommen. Unternehmen,
       Oppositionspolitiker:innen, Umwelt- und Branchenverbände warnen nun: Wenn
       sich Reiche mit ihren Gesetzentwürfen durchsetzt, passiert das Gegenteil.
       
       Die Bündnisgrünen bezeichnen Katherina Reiches Entwürfe als „Attacke auf
       die erfolgreiche Energiewende in Deutschland“. Das sieht die Linkspartei
       ähnlich. „Vielleicht steckt keine zu Ende gedachte Strategie dahinter“,
       sagt der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag Jörg
       Cezanne. „Aber das Ziel ist, den weiteren Ausbau der Erneuerbaren zu
       untergraben.“ Auch aus der CDU kommt Kritik. Der Ministerpräsident von
       Schleswig-Holstein Daniel Günther (CDU) hat „größtmögliche Sorge“: Die
       Gesetzentwürfe hätten das Potenzial, „der Bundesrepublik Deutschland und
       meinem Bundesland zu schaden“.
       
       Nicht einmal die konventionellen Energiekonzerne findet die Pläne gut,
       Uniper, EnBW, LEAG, RWE und Co forderten [1][in einem gemeinsamen Aufruf]
       Änderungen von Reiche. Auffällig ist, dass es einen Konzern gibt, der ihre
       Pläne gut findet: Eon. Das ist jener Konzern, bei dem die
       Wirtschaftsministerin bis zu ihrem Amtsantritt Topmanagerin war.
       
       Verbal jedenfalls hält Katherina Reiche an dem Ziel fest, dass bis 2030
       vier Fünftel des Stroms aus Erneuerbaren kommen sollen. Und so steht es
       auch im neuen Gesetzentwurf. „Wichtig ist, dass wir die Erneuerbaren
       ausbauen“, so die Bundeswirtschaftsministerin in dieser Woche im Bundestag.
       „Das 80-Prozent-Ziel bleibt bestehen. Aber wir setzen auch auf Markt und
       Wettbewerb.“
       
       Genau das wünscht sich die Branche der Erneuerbaren. Doch statt mehr Markt
       sehen Unternehmen hohe Belastungen auf sich zukommen. Windradbetreiber
       haben beispielsweise den Plan entwickelt, überschüssigen Strom zu
       speichern. Aktuell müssen Windräder abgeschaltet werden, wenn das Netz
       ausgelastet ist. Müssten sie aber nicht, wenn das Windrad mit einem
       Batteriespeicher verbunden wäre: Der Strom könnte dann, wenn der Bedarf
       groß ist, aus dem Speicher ins Netz zurückgeleitet werden.
       
       Eigentlich eine feine Sache, die Unternehmen würden sehr gerne neue
       Geschäftsmodelle für solche Lösungen entwickeln, sagt die Präsidentin des
       Bundesverbands WindEnergie Bärbel Heidebroek. „Aber die Politik lässt das
       nicht zu.“
       
       ## „Es droht ein solarer Knock-out“
       
       Stattdessen wird Reiche mit einer Reihe von Änderungen den
       Betreiber:innen von Erneuerbarenanlagen das Leben schwer machen. Auch
       der Solarbranche. Zum Beispiel sollen die Anlagen nur einen Teil des Stroms
       ins Netz einspeisen dürfen, den sie produzieren können. Das macht der
       Erneuerbarenbranche Sorgen. Ihre Vertreter:innen fürchten, ihre Anlagen
       nicht mehr wirtschaftlich betreiben zu können. Das wird kein
       Investitionsfeuerwerk auslösen, im Gegenteil.
       
       „Es droht ein solarer Knock-out“, warnt Carsten Körnig vom Bundesverband
       Solarwirtschaft. Eine weitere der gefürchteten Änderungen: das Ende der
       festen Einspeisevergütung für kleinere Dachsolaranlagen, wie sie
       typischerweise auf Einfamilienhäusern installiert sind. Wer sich eine neue
       Solaranlage aufs Dach bauen will, bekommt dafür eine feste
       Einspeisevergütung. Für kleine Dachanlagen, die ausschließlich ins Netz
       einspeisen, sind das aktuell 12 Cent je Kilowattstunde. Dadurch wird für
       Häuslebauer:innen eine Investition kalkulierbar.
       
       Reiche will, dass neue Dachanlagen stattdessen ihren Strom künftig direkt
       am Markt verkaufen sollen. Aber wie das funktionieren soll, ist völlig
       unklar. Vielleicht wird es Unternehmen geben, die die Direktvermarktung
       übernehmen – gegen Gebühr. Möglicherweise wird es aber auch keine lohnenden
       Geschäftsmodelle für die vergleichsweise geringen Strommengen geben. Und:
       Nur wenige Haushalte verfügen überhaupt über die technischen
       Voraussetzungen für eine Direktvermarktung, etwa einen sogenannten Smart
       Meter, einen intelligenten Stromzähler.
       
       „Solaranlagen machen Millionen von Menschen zu Akteuren der Energiewende“,
       sagt Körnig. Nach seinen Angaben gehören 50 Prozent der Eigenheime mit
       einer Dachsolaranlage Rentner:innen. „Um die machen wir uns die größten
       Sorgen“, sagt er. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass diese Haushalte ein
       E-Auto kaufen oder eine Wärmepumpe anschaffen und ihren Strom selbst
       verbrauchen, ist gering. Und Speicher sind teuer. Deshalb könnten
       Senior:innen künftig weitaus zurückhaltenden in der Anschaffung von
       Solaranlagen werden.
       
       ## Unnötiger Zeitdruck
       
       Reiches Pläne sind nicht nur umstritten, sie kommen auch unnötig spät. Zwar
       weiß die Ministerin seit ihrem Amtsantritt im Mai 2025, dass das derzeitige
       EEG zum Jahresende 2026 ausläuft und die Nachfolgeregelung von der EU
       genehmigt werden muss. Weil staatliches Geld in die Förderung von
       Erneuerbaren fließt, muss die EU das Gesetz genehmigen. Ohne diese
       Genehmigung können ab Januar 2027 keine Ausschreibungen mehr abgeschlossen,
       keine neuen Projekte begonnen werden.
       
       Trotzdem hat Reiche ihren Gesetzentwurf erst im Juli ins Kabinett
       eingebracht und damit ohne Not einen immensen Zeitdruck in die
       parlamentarischen Beratungen gebracht. „Wir sind in hellsten Sorgen, dass
       die Prozesse sich verzögern können“, sagte Ursula Heinen-Esser, Präsidentin
       des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), den Bundestagsabgeordneten in
       der Fachanhörung diese Woche.
       
       Heinen-Esser, die wie Reiche Christdemokratin ist und von 2018 bis 2022
       Umweltministerin in NRW war, fürchtet einen monatelangen Stillstand für die
       Erneuerbarenbranche. Ob das neue Gesetz wie derzeit geplant bis zum 16.
       Oktober von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wird, hängt davon ab, ob
       sich die Verhandler:innen von SPD und Union zügig einigen.
       
       Für die SPD steht dabei viel auf dem Spiel. Ohne die deutsche
       Sozialdemokratie wäre es um das Weltklima viel schlechter bestellt: Es war
       kein Ministerium, sondern es waren Parlamentarier:innen von Rot-Grün,
       die vor mehr als einem Vierteljahrhundert das EEG auf den Weg gebrachten
       hatten.
       
       ## Der Boom senkt die Kosten
       
       Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer war Ende der 1990er Jahre der
       zentrale Initiator und politische Motor des komplexen Regelwerks. Scheer
       brachte in der SPD, der Partei der Kohlekumpel, die notwendige Mehrheit
       hinter das Gesetz, für die Grünen waren Hans-Josef Fell und Michaele
       Hustedt entscheidend. Im April 2000 trat das EEG in Kraft. Und löste eine
       Revolution in der Energieversorgung aus.
       
       Zwei Eckpfeiler waren damals entscheidend: Erstens gab es ab sofort einen
       festen Preis, der den Betreibern von Solarpanelen oder Windrädern für ihren
       produzierten Strom gezahlt wird: die feste Einspeisevergütung. Dadurch
       wurden Investitionen planbar, denn Banken konnten berechnen, wann ein
       Kredit garantiert zurückgezahlt werden kann.
       
       Die höheren Kosten zahlten zunächst die Verbraucher:innen mit der
       EEG-Umlage. Mittlerweile übernimmt das der Staat, 2025 rund 17 Milliarden
       Euro. Der zweite Eckpfeiler nennt sich Einspeisevorrang: Seitdem darf per
       Gesetz immer zuerst der klimafreundliche Strom ins Netz eingespeist werden:
       eine Abnahmegarantie für Strom aus Sonne, Wind und Co.
       
       Das löste einen wahren Nachfrageboom nach Photovoltaikmodulen, Windrädern
       und Biomassekraftwerken aus. Wird viel produziert, senkt das die Kosten je
       produzierte Einheit. Die Erneuerbarenkraftwerke wurden sehr schnell
       billiger. Zudem entstand ein Wettbewerb um die beste, die effizienteste
       Technologie. Das setzte eine technologische Lernkurve in Gang, die
       Erneuerbare besser und unglaublich kostengünstig machte: Heute kosten
       Solarmodule nur noch 10 Prozent des Preises von vor 25 Jahren.
       
       Bei Windkraft, Biomasse, Solarthermie oder Speicherbatterien war das
       ähnlich: Die Erneuerbaren traten von Deutschland aus ihren weltweiten
       Siegeszug an. Als der damalige Umweltminister Peter Altmaier (CDU) 2012 die
       Regeln verschärfte und die Vergütung senkte, löste er eine Branchenkrise
       mit zahlreichen Insolvenzen aus. Unternehmen wanderten ab. Nur langsam
       erholte sich die Branche in Deutschland davon.
       
       Weltweit blieben die Erneuerbaren unentwegt auf dem Vormarsch. Das EEG gilt
       international als vorbildlich, es wurde in sehr vielen Ländern kopiert. Im
       vergangenen Jahr liefen nach Datenlage der Internationalen Energieagentur
       weltweit mehr als 90 Prozent aller neuen Kraftwerke mit erneuerbarer
       Technologie.
       
       Das heißt nicht, dass die Energiekonzerne Klimaschützer geworden wären:
       Solarparks und Windräder produzieren heute einfach sehr viel mehr Strom als
       Kohlekraftwerke oder Atommeiler. Seit Einführung des EEG hat sich der
       weltweite Hunger auf Strom fast verdoppelt. Ohne das EEG, ohne die
       gesunkenen Stückzahlkosten, ohne die technologische Lernkurve wäre diese
       Nachfrage mit neuen Fossilkraftwerken gedeckt worden. Die Chance, die
       Erderwärmung wenigstens auf 2 Grad zu begrenzen, wäre längst dahin gewesen.
       
       Und: Die Erneuerbarenbranche ist längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
       436.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen an ihr. Einer Studie der
       Bertelsmann Stiftung zufolge ist das Jobpotenzial enorm. Bis 2035 könnten
       die Zahl der Arbeitsplätze in der Erneuerbarenbranche auf mehr als 700.000
       steigen – und damit den Jobabbau in anderen Industrien wie der Autobranche
       auffangen. 
       
       Aber der Jobmotor droht abgewürgt zu werden. „Die Auftragsbücher für dieses
       und nächstes Jahr sind noch voll“, sagt Daniel Petersen, der beim
       Windradhersteller Vestas arbeitet und dort lange Betriebsrat war. „Aber
       danach sieht es düster aus.“ Reiches Pläne sorgen schon vor ihrer Umsetzung
       für enorme Verunsicherung in der Branche, in der die Erinnerung an die
       „Altmaier-Delle“ noch wach ist. Etliche Firmen haben bereits Leute
       entlassen.
       
       Gleichzeitig mit dem EEG sollen neue Regelungen fürs Stromnetz
       verabschiedet werden, das sogenannte Netzanschlusspaket. Auch hier soll es
       etliche Änderungen geben, auf die Fachleute mit größtem Unbehagen blicken.
       Die wichtigste: der sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Mit dieser Neuerung
       soll die Entschädigung gesenkt werden, wenn Windräder abgestellt werden,
       wenn das Netz den erzeugten Strom nicht aufnehmen kann.
       
       Jetzt wissen Betreiber:innen aufgrund der Entschädigungszahlungen
       genau, wie viel Geld ihre Anlagen mindestens erwirtschaften, auch wenn sie
       etwa wegen fehlender Netzkapazitäten stillstehen. Das ermöglicht
       Investor:innen, Bankkredite aufzunehmen. Das wird sich ändern.
       
       Reiche will mit der Neuregelung erreichen, dass künftig vor allem in
       Gebieten Ökostrom produziert wird, in denen die Netze so gut ausgebaut
       sind, dass sie die Energie aufnehmen können. Heute sind Netzanschlüsse für
       Energieerzeuger ein knappes Gut, die Wartezeiten dafür mitunter lang.
       Reiches Begründung für die Neuerungen: „Wir synchronisieren Erneuerbare und
       den Netzausbau.“ Unterstützung erhält Reiche vom Verband kommunaler
       Unternehmen (VKU), in dem viele Netzbetreiber organisiert sind. Er hält den
       Redispatch-Vorbehalt für ein „wichtiges Instrument der Synchronisierung“.
       
       Nicht nur die Erneuerbaren-Branche läuft Sturm gegen die Kappung der
       Entschädigung, auch in der CDU gibt es kritische Stimmen. Der
       schleswig-holsteinische Ministerpräsidenten Günther moniert: „Der
       Redispatch-Vorbehalt ist ein verheerendes Signal für projektierende
       Unternehmen, finanzielle Institute und unsere Kommunen.“ Das schrieb er
       Anfang Oktober an Bundeskanzler Friedrich Merz. „Er wird die Kosten im
       Energiesystem nicht senken, sondern steigen lassen, weil Ertragsrisiken
       bundesweit in die Finanzierung verschoben werden.“
       
       Das fürchten auch andere. Bei der Fachanhörung in dieser Woche im Bundestag
       warnten die geladenen Expert:innen eindringlich vor steigenden Kosten.
       Dabei will Reiche mit ihren Reformen genau das Gegenteil erreichen, sie
       will die Kosten senken. Aber die Einsparmöglichkeiten sind viel geringer,
       als die Ministerin behauptet. So spricht sie von Redispatch-Kosten von 3
       Milliarden Euro jährlich. Doch davon entfallen nur 400 Millionen auf die
       Entschädigung für Erneuerbarenanlagen, sagt WindEnergie-Präsidentin
       Heidebroek. „Die meisten Kosten entstehen durch das Hochfahren anderer
       Kraftwerke, die werden bleiben.“
       
       Ministerpräsident Günther hält andere Maßnahmen als die Senkung der
       Entschädigung für sinnvoller, um den Ausbau der Erneuerbaren und der Netze
       in Einklang zu bringen. In seinem Bundesland hat der Netzbetreiber ein
       Ampelsystem eingeführt, das zeigt, wo neue Grünstromanlagen angeschlossen
       werden können. Gleichzeitig wurde dort der Ausbau des Verteilnetzes
       vorangebracht, also des lokalen Netzes, über das der Strom zu den
       Verbraucher:innen kommt.
       
       Das Netzpaket enthalte hierzu leider kaum Regelungen, die die
       Verteilnetzbetreiber bundesweit in die Pflicht nehmen, ihre gesetzlichen
       Aufgaben auch zeitlich und angemessen zu erfüllen, schreibt Günther. Dass
       Katherina Reiche die Netzbetreiber nicht genug in die Pflicht nimmt,
       sondern vor allem die Anlagenbetreiber:innen, empört auch die
       Energiebranche.
       
       ## Gefährliche Wechselwirkungen
       
       Nicht nur jede einzelne Regelung für sich ist ein Problem. Besonders im
       Zusammenspiel seien sie gefährlich, sagt Frederik Moch, Leiter der
       Abteilung Industriepolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Der
       Gewerkschafter sieht ein Paradox: Die Produktionskosten der Erneuerbaren
       seien gering, aber das schlage sich im System nicht nieder. Das könnte die
       Politik durchaus ändern. Der Einstieg der öffentlichen Hand in die Netze
       würde die Kosten senken, ist er überzeugt. Einige Ökonomen fordern gar eine
       Vergesellschaftung der Stromnetze.
       
       Auch der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner fürchtet fatale
       Folgen, sollte Reiche ihre Vorhaben durchsetzen. „Der Ausbau der
       Erneuerbaren kann so einbrechen, dass wir einen Mangel an grünem Strom
       bekommen“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete. Denn die Elektrifizierung
       wird sich fortsetzen – immer mehr Menschen nutzen E-Autos und tauschen ihre
       Gas- oder Ölheizung gegen eine Wärmepumpen aus, die Dekarbonisierung in der
       Industrie kommt zumindest punktuell voran. Damit steigt der Bedarf an
       grünem Strom.
       
       Gibt es davon nicht genug, steigen die Preise. Und: Gas und möglicherweise
       Kohle werden nicht aus dem Strommarkt gedrängt. Denn Regierung und Behörden
       würden einen Strommangel nicht zulassen.„Reiche legt einen Pfad dafür, dass
       die Gaskraftwerke, die sie bauen lässt, laufen müssen“, sagt Kellner.
       Schlimmstenfalls droht sogar eine Verschiebung des Kohleausstiegs. Kellner:
       „Das wäre fürs Klima verheerend.“
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.rwe.com/-/media/RWE/documents/07-presse/statements-und-positionen/vom-engpass-zu-ermoeglichern.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anja Krüger
 (DIR) Nick Reimer
       
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