# taz.de -- Solarpionier insolvent: Sonnen-Untergang in Allgäu
       
       > Seit Jahren schreibt der Batteriehersteller und Ökostrompionier Sonnen
       > GmbH rote Zahlen, nun meldet er Insolvenz an. Der Service für
       > Bestandskunden bleibt erhalten.
       
 (IMG) Bild: Produktionshalle der Sonnen GmbH in einer Be- und Entladestation in Wildpoldsried
       
       Die Sonnen GmbH aus Wildpoldsried im Allgäu ist insolvent. Der im Jahr 2010
       gegründete Batteriehersteller hatte sich frühzeitig durch eine digitale
       Vernetzung von Solarspeichern – genannt „SonnenCommunity“ – einen Namen als
       Ökostrompionier gemacht. Zeitweise warb das Unternehmen damit, die
       „weltweit größte Plattform für Strom-Sharing“ zu betreiben.
       
       Sonnen beschrieb sich bis zuletzt „als schnell wachsendes
       Technologieunternehmen“, das „in mehr als 11 Märkten weltweit aktiv“ sei.
       Standorte gibt es unter anderem in Italien, Großbritannien, Australien und
       den USA. Zeitweise hatte das Unternehmen 1.700 Mitarbeiter weltweit. Ihre
       „Vision“ definierte die Firma mit dem Satz: „Saubere und bezahlbare Energie
       für alle.“ Man vernetze Menschen, die sauberen Strom produzieren, was
       zugleich „den gemeinschaftlichen Gedanken“ fördere, so das Unternehmen.
       
       Hehre Ziele – doch wirtschaftlich kam das Unternehmen nie auf einen grünen
       Zweig. Eine massive Wachstumsstrategie führte über Jahre hinweg zu hohen
       Anlaufkosten, die sich nie refinanzieren ließen. [1][Die Lage änderte sich
       auch nicht, als im Mai 2018 der Öl- und Gaskonzern Shell einstieg] und die
       Firma im Februar 2019 für rund 500 Millionen Euro komplett übernahm. Nun
       stiegen zwar die Umsätze – allein 2023 um 40 Prozent –, aber profitabel
       wurde das Geschäft trotzdem nicht. Nur ein einziges Mal in seiner
       Geschichte, nämlich im Jahr 2020, konnte das Unternehmen einen kleinen
       Gewinn erzielen.
       
       Zuletzt ging es sogar steil abwärts. Der jüngste Geschäftsbericht von 2024
       weist einen Rekordverlust von fast 107 Millionen Euro aus, bei einem
       aufgelaufenen Verlustvortrag aus früheren Jahren von mehr als 135 Millionen
       Euro. Der Umsatz brach 2024 auf 78 Millionen Euro ein, nachdem er im Jahr
       zuvor noch gut 263 Millionen Euro betragen hatte. Ein Grund war der
       inzwischen massive Wettbewerb auf dem Markt der Heimspeicher durch
       chinesische Anbieter.
       
       ## In hohem Grade dysfunktionales Unternehmen
       
       Angesichts der Entwicklung suchte Shell seit 2023 nach einem Käufer, aber
       lange fand sich niemand. Erst im vergangenen August ging das Unternehmen an
       das Family Office Tiven, hinter dem der Mitbegründer des Münchner
       Sanierungsinvestors Aurelius, Gert Purkert, steht. Shell sprach im
       Zusammenhang mit dem Verkauf von einer „Optimierung des Portfolios“. Am
       Ende soll das Unternehmen durch seine Beteiligung einen Verlust in
       dreistelliger Millionenhöhe eingefahren haben.
       
       Tiven wiederum schaute sich das Unternehmen gut zwei Monate an und schickte
       es dann in die Pleite: Am Donnerstag stellte das Unternehmen einen Antrag
       auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Handelsblatt zitierte daraufhin
       Personen, die mit den aktuellen Entwicklungen des Unternehmens vertraut
       sind, mit den Worten: „Die Firma ist hochgradig dysfunktional und verbrennt
       Geld ohne Ende.“
       
       [2][Über den Fortbestand der Zentrale in Wildpoldsried, in der 400 Personen
       arbeiten, gibt es noch keine Aussagen.] Wie das Handelsblatt berichtet,
       werden neben der Sonnen GmbH auch zahlreiche Sonnen-Töchter abgewickelt
       oder in die Insolvenz geschickt. Nur ein einziger Produktionsstandort solle
       erhalten bleiben. Auf Anfrage äußerten sich bisher weder Sonnen noch Tiven
       zur Insolvenz.
       
       Der Service für die Bestandskunden soll nach Medienberichten trotz der
       Insolvenz weitergeführt werden. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen
       seit seiner Gründung mehr als 150.000 „Sonnenbatterien“ installiert. „Über
       250.000 Menschen vertrauen weltweit auf unsere Lösungen und sind Teil der
       SonnenCommunity“, wirbt Sonnen weiterhin auf seiner Internetseite.
       
       23 Oct 2026
       
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