# taz.de -- UN-Bericht zur Klimakrise: 180-Grad-Wende angestrebt
> Am Mittwoch veröffentlichte das UN-Umweltprogramm Unep den neuen Bericht
> zur Klimakrise. Fazit: Der Punkt zur Umkehr ist erreicht.
(IMG) Bild: Schaufelt massenhaft Kohle rein: Frau in Bitterfeld 1990
Es ist nicht mehr möglich, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das
ist das Ergebnis des Klimaberichts des UN-Umweltprogramms Unep. Das
ermittelt jedes Jahr die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen und
den Werten, die für eine Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens
notwendig wären. Der diesjährige Klimabericht trägt den dringlichen Titel
„The Point of Return“.
Die globale Erderwärmung könnte bis zum Ende des Jahrhunderts wieder auf
unter 1,5 Grad gesenkt werden, wenn strenge Klimaschutzmaßnahmen jetzt
umgesetzt werden. Dafür müssten internationale Ziele und Maßnahmen
beschleunigt werden. Doch selbst im besten Fall wird laut Bericht die
Erderwärmung bis Mitte des Jahrhunderts bisherige Schätzungen übertreffen.
Im besten Fall wird die Durchschnittstemperatur bis 2050 um 1,7 bis 1,8
Grad gestiegen sein.
[1][Bis zum Ende des Jahrhunderts sprechen die Wissenschaftler*innen
von 2,8 Grad Erderwärmung, sollte die gleiche Klimapolitik verfolgt werden
wie bisher.] Wenn alle Länder ihre nationalen Ziele einhielten, würde die
Erwärmung bei 2,6 Grad liegen. Die Treibhausgasemissionen aus dem Jahr 2025
lagen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Die Zahl der nationalen
Klimaschutzpläne mit Zielen bis 2035 haben sich seit dem letzten Jahr
verdoppelt. Sie bleiben aber unter dem erforderlichen Niveau.
Weniger als die Hälfte der G20-Mitglieder wird bis 2030 umsetzen, was sie
sich vorgenommen hatten – auch Deutschland nicht. Nur China, Indien,
Indonesien, Russland, Südafrika und die Türkei gehen davon aus, ihre
Klimaziele zu erreichen. Die selbstgesteckten Ziele sind aber nicht mit den
tatsächlichen Emissionen zu verwechseln. Besonders die USA, Indonesien und
China stießen 2025 mehr Emissionen aus als im Vorjahr. Indien, Russland und
die EU konnten ihre Emissionen reduzieren.
## Windkraft und Solarenergie besser als erwartet
„Wir haben viele Beispiele, die zeigen, dass Klimapolitik erfolgreich sein
kann“, sagte Jan Minx, einer der Autoren des Berichts. Er arbeitet am
[2][Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK)] und lenkt im Bericht den
Blick darauf, welche Fortschritte es bereits gibt und wie sie beschleunigt
werden können.
Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei global mehr erreicht worden, als
das Modell vorausgesagt hatte – vor allem bei Windkraft und Solarenergie.
„Gleichzeitig hängen wir mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien total
hinterher“, sagte Minx. Als eine der wichtigsten Maßnahmen, die es jetzt
umzusetzen gilt, nennt er den Ausstieg aus der Kohleindustrie und das
Verbrenner-Aus.
Die Erfolge konzentrierten sich jedoch auf bestimmte Sektoren, Länder und
Zeiträume. Die größte Herausforderung sei es jetzt, Klimapolitik in die
Fläche zu bringen. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu denken, dass wir
uns in den Industrieländern allein mit mehr Investitionen in Klimaanpassung
schützen könnten“, sagte Minx. Klimaanpassung sei natürlich trotzdem
wichtig. Aber: „Wir wissen, wie interdependent die Welt heutzutage ist“,
sagte Minx, der auch für das Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC) tätig ist. Der globale Klimawandel betreffe uns alle, überall.
## Ausstieg aus fossilen Energien notwendig
Auch Fentje Jacobsen, Co-Leiterin Klima und Energie beim WWF Deutschland,
sieht den Ausstieg aus den fossilen Energien als notwendig, um den
Wohlstand in Deutschland zu erhalten. „Deutschland hat eine historische
Verantwortung und als führendes Industrieland einen enormen Hebel,
Klimaschutz zu Hause und in der Welt voranzubringen“, sagte Jacobsen. Von
der Bundesregierung fordert sie, das Erneuerbaren-Energien-Gesetz und das
Netzpaket für den Ausbau sauberer Energien zu nutzen.
Jetzt gilt es, auf der Klimakonferenz im türkischen Antalya die richtigen
Weichen zu stellen.
Christian Stöcker ist Kognitionspsychologe und Professor an der Hochschule
für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Er sagt der taz, für das
Erreichen der Klimaziele müsse Deutschland zwei Dinge tun: „Konsequent die
Infrastruktur ausbauen, die für ein primär erneuerbares Stromsystem und
schnelle Elektrifizierung aller Sektoren nötig ist“, sagte Stöcker. Also
erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Stromnetze ausbauen.
Und: „CO₂ angemessen bepreisen“. Das weiterhin einfachste und effektivste
Mittel zur Bekämpfung der Klimakrise ist es laut Stöcker, die durch CO₂
verursachten Schäden den Verursachern in Rechnung zu stellen. Ein wichtiger
Schritt sei eine „Koalition der Willigen, die sich auf einen globalen
Mindestpreis für CO₂-Emissionen einigt“, sagte er. Zusammenkommen könnten
in solch einer Koalition etwa die EU, China, Australien und Japan.
21 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /UN-Bericht-Menschheit-gefaehrlich-weit-von-15-Grad-entfernt/!6223118
(DIR) [2] https://www.pik-potsdam.de/members/minx/homepage-de
## AUTOREN
(DIR) Anna Simbürger
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