# taz.de -- Religiöse Rhetorik im Krieg: Freude über den Tod von „Haman“
> Der Angriff auf Iran fällt mit dem jüdischen Purim-Fest zusammen, das
> heute beginnt. Viele stellen einen direkten Zusammenhang her.
(IMG) Bild: Kleine Bibelstunde: Israels UN-Botschafter Danny Danon bei der Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats nach dem Angriff auf Iran
Bei einer [1][Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats nach dem Angriff auf
Iran] griff Danny Danon, israelischer Botschafter bei den Vereinten
Nationen, tief in die biblische Geschichtskiste. Die Geschichte von Purim
habe sich vor mehr als 2.500 Jahren im alten Persien ereignet, als „ein
böser Minister namens Haman versuchte, das jüdische Volk auszulöschen“,
dozierte Danon am Tag des Iran-Angriffs vor den Diplomaten im
UN-Sicherheitsrat und zog eine vermeintliche Parallele zur Gegenwart. „Es
hätte zu einem Völkermord kommen können“, sagte er, „aber Königin Esther
weigerte sich, zu bleiben.“ Das sei nicht nur eine alte Lektion, sondern
eine moderne.
An diesem Montag beginnt [2][das jüdische Purim-Fest], mit dem alljährlich
im Frühjahr die Rettung der persischen Juden vor einem geplanten Massaker
gefeiert wird. Es ist eines der fröhlichsten Feste im jüdischen Kalender
mit Gebäck und Verkleidungen wie an Karneval. Traditionell werden zu Purim
sogenannte Hamantaschen gebacken: ein dreieckiges Gebäckstück, das zum
Beispiel mit Mohn oder Pflaumenmus gefüllt ist.
Das Fest geht auf die biblische Geschichte aus dem Buch Esther zurück.
Demnach habe der persische Hofbeamte und Großwesir Haman geplant, alle
Juden im Perserreich zu vernichten, doch Esther und ihr Cousin Mordechai
konnten diesen Plan durch Fürsprache beim persischen König Xerxes I.
vereiteln. Dieser erlaubte es der jüdischen Gemeinde seines Landes, sich an
ihren Feinden zu rächen, und je nach Lesart zwischen 75 und 75.000 von
ihnen zu töten. Hanan selbst wurde gestürzt und mit seiner Familie
hingerichtet.
## Jüdische Organisationen begrüßen Tod Chameneis
Israelische Politiker und jüdische Organisationen weltweit stellen einen
direkten Zusammenhang zum Krieg gegen Iran her. „In einem Moment, der an
die biblische Geschichte von Purim erinnert – als sich das Blatt gegen jene
wendete, die die Vernichtung der Juden planten –, hat ein führender
Antisemit, der Auslöschung predigte und Terror exportierte, das Schicksal
erlitten, das er selbst anderen zugedacht hatte“, erklärte etwa der
[3][Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Pinchas
Goldschmidt], am Sonntag in München. Seit fast fünf Jahrzehnten unterdrücke
die Islamische Republik Iran ihr eigenes Volk und befeuere einen Terror,
der der Zerstörung Israels und dem Mord an Juden weltweit gewidmet sei, so
Goldschmidt. Die Menschen im Iran verdienten Besseres als „eine
mittelalterliche religiöse Tyrannei“.
Auch andere jüdische Organisationen in Europa und den USA reagierten mit
Genugtuung auf die Nachricht der [4][Tötung von Ajatollah Ali Chamenei].
Die US-amerikanische Orthodoxe Union erklärte, der Militärschlag der USA
und Israels habe eine „moderne Bedrohung aus dem Land Hamans“ beseitigt.
Das Streben des Landes nach Atomwaffen sei nicht hinnehmbar.
„Die heutige Tötung des Ajatollahs ist ein wichtiger Schritt, um dies zu
verhindern“, hieß es in einer Erklärung vom Samstag. „Gott segne Präsident
Trump. Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre tapferen
Soldatinnen und Soldaten, die diese edle Mission erfüllen“, so die Leiter
des Verbands, Mitch Aeder und Rabbi Josh Joseph.
Ähnlich lobte die Republican Jewish Coalition, ein Verband innerhalb der
Republikaner, US-Präsident Donald Trump für die Entscheidung, den „modernen
Haman ein für alle Mal zu eliminieren“. Während der frühere Präsident
Barack Obama von den Demokraten das iranische Volk der „Barbarei der
Mullahs“ überlassen habe, ergreife Trump entschlossen Maßnahmen, „um die
Islamische Republik zu besiegen“, hieß es in einem Kurznachrichten-Post.
## Ben Gvir erinnert an „Amalek“
Auch das American Jewish Committee (AJC) stellte sich hinter das
militärische Vorgehen – verzichtete aber auf religiöse Rhetorik. In einer
Erklärung war die Rede von „gezielten Militäroperationen“, um „die
weltweite Terrorkampagne des iranischen Regimes zu stoppen“. Die Welt werde
sicherer sein, wenn die Bedrohung durch die Nuklear- und Raketenprogramme
Teherans sowie durch die iranischen Revolutionsgarden ein für alle Mal
beseitigt sei. Die Verantwortung für diese Krise liege allein bei Teheran.
Der rechtsextreme israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben
Gvir, bediente sich in einem [5][Kommentar zum Krieg gegen den Iran auf X]
ebenfalls einer biblischen Sprache, zog aber einen anderen Vergleich.
„Löscht die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel aus; ihr sollt nicht
vergessen!“, schrieb Ben Gvir – eine biblische Referenz auf das nomadische
Volk der Amalekiter, einen Erzfeind des biblischen Volks Israels, das als
Rache für einen hinterhältigen Angriff bis auf den letzten Angehörigen
ausgelöscht wurde. Mehrere israelische Politiker haben zu Beginn des Kriegs
in Gaza den Amalek-Mythos beschworen – [6][darunter auch Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu]. Von manchen wurde das [7][als Aufruf zum Völkermord
verstanden].
Mit Material von KNA.
2 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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