# taz.de -- Evangelikale US-Christen und Irankrieg: Gottes Wille
       
       > Der Krieg mit Iran wird von US-Evangelikalen als Kreuzzug gegen die
       > Feinde Israels gedeutet. Sie geben ihm damit eine religiöse
       > Rechtfertigung.
       
 (IMG) Bild: US-Präsident Donald J. Trump, neigt den Kopf während eines Oster-Segens im Oval Office
       
       Vorige Woche umgab sich US-Präsident Donald Trump im Oval Office mit einer
       Gruppe von rund 20 evangelikalen Pastoren und Predigerinnen. Sie legten
       ihre Hände auf seine Schulter und Arme und beteten für ihn und die
       US-Truppen. Die Szene erinnerte nicht zufällig an Jesus und seine Jünger
       beim letzten Abendmahl. Organisiert hatte das fotogen inszenierte Gebet
       [1][Paula White Cain], die Leiterin des „Büros für Glaubensfragen“ im
       Weißen Haus, das Trump im Februar 2025 einrichten ließ. Die mehrfache
       Millionärin soll dafür sorgen, dass Amerika „wieder eine Nation unter Gott
       wird“ – so lautet ihr Auftrag.
       
       Weiße evangelikale Christen sind für Trump eine wichtige Stütze: Über 80
       Prozent von ihnen haben für ihn gestimmt – trotz seines wenig vorbildlichen
       Lebenswandels –, [2][weil er Abtreibungsverbote vorantreibt und
       konservative Supreme-Court-Richter ernennt]. Auch der Irankrieg ist ganz in
       ihrem Sinne. Weiße evangelikale Christen betrachten den Islam als
       Irrglauben und den Iran als „Reich des Bösen“, das Christen verfolgt und
       Israel bedroht. Den Krieg interpretieren sie anhand der biblischen
       Geschichte von Gog und Magog (im Buch Hesekiel sowie in der Offenbarung des
       Johannes) als Teil eines vorherbestimmten, endzeitlichen Kampfes zwischen
       Gut und Böse, der in der totalen Niederlage der Feinde Israels endet.
       
       Die Gründung Israels 1948 betrachten Evangelikale als Erfüllung biblischer
       Prophezeiungen. Sie unterstützen den Staat vorbehaltlos, einschließlich
       seiner völkerrechtswidrigen Siedlungen. Trump, der die Annexion der
       syrischen Golanhöhen und Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannte,
       erscheint ihnen als Erfüllungsgehilfe dieser Prophezeiung und als „Werkzeug
       Gottes“. Die Rückkehr der Juden nach Israel gilt ihnen als notwendige
       Voraussetzung für die Endzeit, die Wiederkunft Jesu Christi und das
       kommende Reich Gottes. Auch Jüdinnen und Juden würden Christus dann als
       ihren Messias anerkennen, glauben sie, und mit ihm in den Himmel aufsteigen
       – oder mit dem Rest der Menschheit ewige Höllenqualen erleiden.
       
       In Trumps Regierung besetzen evangelikale Hardliner und christliche
       Nationalisten mehrere Schlüsselpositionen. Vor diesem Hintergrund entbehrt
       es nicht einer gewissen Ironie, dass US-Außenminister Marco Rubio die
       iranische Führung als „religiöse Fanatiker“ bezeichnete, die geopolitische
       Entscheidungen auf der Grundlage „reiner Theologie“ treffen. Denn in seinem
       eigenen Umfeld streben viele ebenfalls eine Art Gottesstaat an. Und obwohl
       – oder gerade weil – sich Donald Trump möglicherweise von Israels Premier
       Benjamin Netanjahu in den erneuten Krieg gegen den Iran hat hineinziehen
       lassen, verbrämen ihn viele in seinem Umfeld als religiös.
       
       Eine zentrale Figur ist „Kriegsminister“ Pete Hegseth. Der selbsterklärte
       „Christian Warrior“ hat 2020 in seinem Buch „American Crusade: Our Fight to
       Stay Free“ den politischen Kampf konservativer Amerikaner als eine Art
       „heiliger Krieg“ und als „Kreuzzug“ beschrieben. Auch den Konflikt mit Iran
       betrachtet er in diesen Kategorien. Er trägt [3][ein Jerusalemkreuz – das
       Symbol der mittelalterlichen Kreuzritter – als Tattoo auf der Brust sowie
       ihren Schlachtruf „Deus vult“ (Gott will es) auf dem Bizeps], dazu das Wort
       „Kafir“ (arabisch für Ungläubiger) auf dem Arm. Iran sagte Hegseth jetzt
       einen „entschlossenen, verheerenden“ Sieg ohne Gnade voraus.
       
       Sein Vorbild färbt ab. Bei der US-Organisation Military Religious Freedom
       Foundation (MRFF), die sich für Religionsfreiheit im Militär einsetzt, sind
       seit Beginn des Krieges gegen den Iran über 200 Beschwerden von US-Soldaten
       eingegangen. Von der Marine bis zur Luftwaffe sollen US-Kommandeure in
       mindestens 40 Einheiten die US-Beteiligung an den Angriffen mit
       christlicher „Endzeit“-Rhetorik gerechtfertigt haben. Ein Kommandeur soll
       bei einer Lagebesprechung verkündet haben, Präsident Trump sei von Jesus
       selbst auserwählt worden, im Iran „das Signalfeuer zu entzünden, um
       Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr auf die Erde anzukündigen“.
       Das berichtete ein Unteroffizier im Namen von sich und 15 weiteren
       Mitgliedern seiner Einheit.
       
       ## Christliche Zionisten
       
       Ein christlicher Zionist ist auch Mike Huckabee, der US-Botschafter in
       Israel. Für ihn zählt die Bibel mehr als das Völkerrecht. In einem
       Interview mit Tucker Carlson im Februar 2026 deutete er an, dass Israel ein
       biblisches Anrecht auf große Teile des Nahen Ostens habe – nicht nur vom
       Mittelmeer bis zum Jordan, sondern sogar vom Euphrat bis zum Nil. Das
       sorgte für breite Empörung, deckt sich aber mit den Groß-Israel-Fantasien
       der religiösen Rechten in Israel. Die Extremisten beanspruchen nicht nur
       das Westjordanland und den Gazastreifen für sich, sondern schielen auch
       zumindest auf den Südlibanon und weitere Teile Syriens. Sie sind Teil der
       israelischen Regierung.
       
       Auch israelische Politiker ergehen sich in religiöser Rhetorik. Premier
       Benjamin Netanjahu selbst bemühte mit Blick auf den Irankrieg zuletzt den
       Mythos von Amalek – einem alttestamentarischen Volk und Erzfeind Israels,
       das laut biblischem Befehl mit Stumpf und Stiel ausgerottet und dessen
       Erinnerung ausgelöscht wurde. [4][Die religiöse Rhetorik dient dazu,
       massive Gewalt zu rechtfertigen und Rückhalt zu sichern.] Die Dämonisierung
       des Gegners erschwert aber auch Kompromisse.
       
       Dabei sind Netanjahus Kriegsziele recht klar: Er will einen
       palästinensischen Staat verhindern, das iranische Atomprogramm zerschlagen
       und Israels Vormacht in der Region behaupten. Ob es in Iran zu einem
       „Regimewechsel“ kommt oder das Land in einem Bürgerkrieg zerfällt, ist für
       ihn zweitrangig. Trumps Ziele in Iran bleiben dagegen auch nach fast zwei
       Wochen unklar. Aber für Evangelikale gilt: Je größer die Katastrophe im
       Nahen Osten, desto wahrscheinlicher die baldige Wiederkehr Christi. Das
       heißt: Wenn es schiefläuft, dann war es eben Gottes Wille.
       
       13 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stimmauszaehlung-in-den-USA/!5726515
 (DIR) [2] /Linke-Kirchen-in-USA/!6138139
 (DIR) [3] https://www.domradio.de/artikel/warum-die-tattoos-des-neuen-us-verteidigungsministers-polarisieren
 (DIR) [4] /Religioese-Rhetorik-im-Krieg/!6159136
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Pete Hegseth
 (DIR) Protestantismus
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Rhetorik
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Irankrieg und Trump: Auch im Chaos braucht es Taten, nicht nur Worte
       
       Auch wenn unklar ist, was der Irankrieg am Ende bringt, ein Schritt ist
       getan. Die deutsche Regierung hingegen macht das gleiche wie immer: nichts.
       
 (DIR) +++ Nachrichten zum Irankrieg +++: Iran veranstaltet Al‑Quds‑Demo gegen Israel
       
       Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet in Iran trotz anhaltender
       Luftangriffe wie jedes Jahr die staatlich inszenierte Großdemonstration
       statt.
       
 (DIR) Religiöse Rhetorik im Krieg: Freude über den Tod von „Haman“
       
       Der Angriff auf Iran fällt mit dem jüdischen Purim-Fest zusammen, das heute
       beginnt. Viele stellen einen direkten Zusammenhang her.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Ballonlippen für Trump
       
       Im Umfeld des amerikanischen Präsidenten tauchen immer wieder von
       Straffungsnähten festgezurrte und deshalb völlig gleich aussehende
       Gestalten auf.
       
 (DIR) Donald Trump wählt seine Mannschaft: Das Kabinett des Grauens
       
       Donald Trump stellt seine künftige Regierungsmannschaft zusammen. Damit
       beginnen der Umbau und vielleicht das Ende der US-Demokratie: das Kabinett
       des Grauens