# taz.de -- Iran-Krieg weitet sich auf Libanon aus: Hisbollah steigt in den Krieg ein
> Hunderttausende Menschen fliehen aus Beirut nach israelischen
> Gegenschlägen. Die libanesische Regierung verbietet der Hisbollah
> militärische Aktivitäten.
(IMG) Bild: Beirut, Libanon, 2. März: Familien versammeln sich auf dem Märtyrerplatz, nachdem sie vor israelischen Luftangriffen in Dahiyeh, einem südlichen Vorort geflohen sind
In der Nacht auf Montag um 2.40 Uhr hallten dumpfe Knalle durch Beirut. Ein
Dutzend israelischer Bombardierungen im südlichen Beirut rissen die
Menschen in der ganzen Stadt aus dem Schlaf. 20 Tote und 91 Verletzte
zählte das Gesundheitsministerium am Montagmorgen. Durch weitere
israelische Bombardierungen im Südlibanon wurden 11 Menschen getötet, 58
verletzt. [1][Laut unbestätigten Medienberichten] wurde der Anführer der
Parlamentsfraktion der Hisbollah, Mohammad Raad, getötet. Er war auch
Vize-Generalsekretär der Hisbollah.
Zuvor hatte die Hisbollah Raketen auf Haifa abgeschossen. [2][Laut
israelischem Militär] wurde eine Rakete abgefangen, während mindestens zwei
auf freiem Gelände landeten. Es wurden keine Toten oder Verletzen gemeldet.
Die Hisbollah hatte Israel nicht mehr angegriffen, [3][seit ein
Waffenstillstand am 27. November 2024 in Kraft getreten war]. Im Zuge des
Abkommens sollte die Hisbollah entwaffnet werden, so wie es bestehende
UN-Resolutionen vorsehen. Doch Israel setzte seitdem Angriffe fort, bei
denen über 300 Menschen getötet wurden, darunter nach UN-Angaben mindestens
127 Zivilist*innen.
Dennoch hielt die Miliz der Hisbollah die Füße still. Auch, weil der
Libanon seit Januar 2025 eine neue Regierung hat. Die hat einen guten Draht
zum Westen, was die Beschaffung von Wiederaufbaugeldern ermöglicht. Zudem
versteht sie auch mit der Hisbollah umzugehen.
Das libanesische Kabinett beriet sich am Montag im Präsidentenpalast und
verkündete ein „Verbot aller militärischen Aktivitäten“ der Hisbollah. „Die
Hisbollah muss ihre illegalen Waffen abgeben und politische Partei
bleiben“, sagte Premierminister Nawaf Salam und forderte die
Sicherheitskräfte auf, militärische Aktionen zu verhindern und
Zuwiderhandelnde festzunehmen. Der Staat möchte durchgreifen. Doch die
abgefeuerten Raketen schwächen die libanesische Regierung und zeigen, dass
die Hisbollah weiter als Miliz neben dem Staat agiert.
## Den Preis für Hisbollahs neue Front zahlen alle Libanesen
„Die Frage von Krieg und Frieden liegt in den Händen der Regierung“,
betonte Ministerpräsident Nawaf Salam [4][noch vor zwei Tagen]. Ein für den
Libanon bemerkenswerter Satz. Sein Vorgänger Nadschib Mikati hatte noch im
Jahr 2023 genau das Gegenteil gesagt: Diese Frage läge nicht in den Händen
des Staates.
Leider hatte Mikati recht. Die Hisbollah hatte zuvor eine „rote Linie“
ausgerufen: Sollten die USA und Israel den obersten iranischen Führer
Ajatollah Ali Chamenei töten, eröffnet die Hisbollah im Libanon eine neue
Front. Das ist am Sonntag passiert.
Den hohen Preis dafür zahlen nicht nur Hisbollah-Anhänger, sondern alle
Menschen im Libanon, besonders diejenigen, die in hauptsächlich
schiitischen Vierteln und Dörfern leben. In der Nacht bildeten sich lange
Staus auf der Hauptverkehrsstraße vom Süden in den Norden sowie auf der
Straße zum Flughafen in Beirut.
Die Israelische Armee verbreitete über die Plattform „X“ eine lange Liste
von Meldungen zu Zwangsevakuierungen von Dörfern nicht nur im Südlibanon,
sondern auch in der Bekaa-Ebene im Osten. Israel hatte angekündigt, mit
voller Härte zurückzuschlagen, und sogar mit Angriffen gegen zivile
Infrastruktur wie den Beiruter Flughafen gedroht. Israels Armee erklärte am
Montagmorgen, die Angriffe auf den Libanon würden „fortgesetzt und ihre
Intensität erhöht“.
## Der Libanon war eigentlich auf einem guten Weg
Die Menschen im Libanon haben keine Bunker, erst recht keine offiziellen
Notunterkünfte. Sie müssen bei Verwandten unterkommen oder teuer etwas in
den Bergen oder in Beirut mieten. Weil sie nirgendwo Unterschlupf fanden,
schliefen viele Vertriebene schon beim Krieg im Jahr 2024 auf der Straße
oder in ihren Autos. Damals wurden 1,2 Millionen Menschen binnenvertrieben,
bis vor Kurzem waren davon noch rund 64.000 Menschen nicht in der Lage, in
ihre zerstörten Häuser zurückzukehren. Einige Schulen in Beirut wurden am
frühen Morgen hastig zu Notunterkünften umfunktioniert.
Die Eskalation durch die Hisbollah kommt in einer Zeit, in der Libanon auf
einem guten Weg war. Der getötete Hisbollah-Parlamentarier Raad selbst
hatte noch Anfang Februar den Präsidenten getroffen. [5][Laut Erklärung]
des Präsidialamtes habe Raad damals zur Zusammenarbeit mit dem Staat
aufgerufen und erklärt, die Hisbollah sei „dem Dialog verpflichtet“.
Präsident Jospeh Aoun wiederum appellierte an die Partei, „vernünftig zu
handeln“.
Im Zuge des Waffenstillstand-Abkommens sollte die Hisbollah entwaffnet
werden, so wie es bestehende UN-Resolutionen vorsehen. Die libanesische
Regierung hatte Anfang des Jahres verkündet, die Entwaffnung der Hisbollah
im Südlibanon sei zwischen dem Litani-Fluss und der gemeinsamen
undefinierten Grenze mit Israel erfolgt. Damit hatte die Regierung die
erste Phase ihres Entwaffnungsplans als umgesetzt deklariert.
Das libanesische Kabinett beriet sich am Montag im Präsidentenpalast und
verkündete ein „Verbot aller militärischen Aktivitäten“ der Hisbollah. „Die
Hisbollah muss ihre illegalen Waffen abgeben und politische Partei
bleiben“, sagte Premierminister Nawaf Salam und forderte die
Sicherheitskräfte auf, militärische Aktionen zu verhindern und
Zuwiderhandelnde festzunehmen. Der Staat möchte durchgreifen. Doch die
abgefeuerten Raketen schwächen die libanesische Regierung und zeigen, dass
die Hisbollah weiter als Miliz neben dem Staat agiert.
Am Montagmorgen war noch nicht klar, von welchem Ort aus die Hisbollah die
Raketen abgefeuert hat. Sollte sich herausstellen, dass die Abschussrampen
in der als entwaffnet deklarierten Zone waren, ist klar, dass die
libanesische Regierung gelogen hat.
Die Regierung hatte gerade an der zweiten Phase ihres Plans zur Entwaffnung
der Hisbollah gearbeitet. Diese Woche wollte Aoun gemeinsam mit dem
französischen Präsidenten Emmanuel Macron eine Konferenz in Paris abhalten,
um Gelder für die libanesische Armee einzusammeln. Die Konferenz [6][wurde
auf April verlegt.]
2 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.alarabiya.net/arab-and-world/2026/03/02/%D9%85%D8%B5%D8%A7%D8%AF%D8%B1-%D8%A7%D9%84%D8%B9%D8%B1%D8%A8%D9%8A%D8%A9-%D9%85%D9%82%D8%AA%D9%84-%D8%B1%D8%A6%D9%8A%D8%B3-%D9%83%D8%AA%D9%84%D8%A9-%D9%86%D9%88%D8%A7%D8%A8-%D8%AD%D8%B2%D8%A8-%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87-%D9%85%D8%AD%D9%85%D8%AF-%D8%B1%D8%B9%D8%AF-%D9%81%D9%8A-%D8%A7%D9%84%D8%BA%D8%A7%D8%B1%D8%A7%D8%AA-%D8%A7%D9%84%D8%A7%D8%B3%D8%B1%D8%A7%D8%A6%D9%8A%D9%84%D9%8A%D8%A9-
(DIR) [2] https://www.timesofisrael.com/idf-strikes-targets-in-beirut-after-hezbollah-enters-fray-fires-at-northern-israel/
(DIR) [3] /Waffenruhe-im-Libanon/!6049676
(DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=BZN5SdTzopA
(DIR) [5] https://today.lorientlejour.com/article/1493887/hezbollah-mp-raad-calls-for-dialogue-and-cooperation-from-baabda.html
(DIR) [6] https://today.lorientlejour.com/article/1496752/conference-to-support-lebanese-army-postponed-to-april.html
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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