# taz.de -- Nach dem Tod von Chamenei: Wer in Iran jetzt am Drücker ist
       
       > Der Oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei hatte alle Macht auf sich
       > konzentriert. Nach seinem Tod verteilt sie sich neu. Wo liegt die Macht
       > jetzt?
       
 (IMG) Bild: Teheran: Die Leiter der drei Staatsgewalten des Iran halten eine Sitzung ab: Mohammad-Bagher Ghalibaf, Präsident Massud Peseschkian, Gholamhossein Mohseni-Ejei (v.l.n.r.)
       
       Der Körper ist vergänglich, der Geist währt ewig. Der Krieg zerstückelte
       seinen Körper – und auch das, was von ihm bleibt: seine Politik, seine
       militärische Vision. Ajatollah Ali Chamenei ist tot. Nun verändert sich
       sein Regime – und bleibt dennoch bestehen.
       
       Die Veränderung begann schon im Juni nach dem Zwölftagekrieg mit Israel:
       Der 13-köpfige Oberste Nationale Sicherheitsrat des Landes ersetzte
       Chamenei praktisch, er selbst zog sich zumindest aus der Öffentlichkeit
       weitgehend zurück, was [1][ihm den Spitzennamen „Ali die Maus“ einbrachte].
       Der Rat ist nun das Zentrum der Macht. Der Welt wurde ein Triumvirat als
       neue Führung vorgestellt – doch die eigentliche Macht, vor allem die
       kriegsentscheidende, liegt beim Nationalen Sicherheitsrat.
       
       Wie in allen Institutionen dieser „Republik“ gibt es einen Primus inter
       pares. In diesem Fall sind es zwei: [2][Ali Larijani, der Koordinator des
       Rates, dem Chamenei persönlich Aufgaben anvertraute]. Und
       [3][Mohammad-Bagher Ghalibaf], der gerissene Ex-Gardist und jetzige
       Parlamentspräsident.
       
       Das Regime ist schwer gedemütigt: Es wurden auch diejenigen Kommandanten
       ermordet, die die erste Reihe gerade ersetzt hatten. Die neue Führung – das
       Triumvirat ebenso wie der Sicherheitsapparat – werden den Krieg fortsetzen
       und US-amerikanische und israelische Interessen schädigen, soweit sie noch
       können.
       
       ## Angriff auf Golfstaaten war ein Fehler
       
       Ali Larijani, der dieser Tage als Stratege des Regimes auftritt, erklärte
       gestern: Iran werde mit den USA keine Verhandlungen führen. Damit wollte er
       Donald Trump widersprechen, der behauptet hatte, die Iraner hätten Kontakt
       aufgenommen und wollten reden.
       
       Larijani verkündete außerdem: Die Islamische Republik betrachte die
       US-Basen in den Nachbarstaaten als amerikanisches Territorium. Damit
       begehen die neuen Führer einen schweren Fehler. [4][Denn die arabischen
       Golfstaaten] und die Türkei hatten Berichten zufolge lange versucht, Donald
       Trump von einem Angriff abzuhalten.
       
       Doch die antiamerikanische und scharfe Rhetorik der neuen Führung könnte
       sich bald ändern – so wird Qalibaf in manchen Quellen zitiert. Auch
       Außenminister Abbas Araghtschi klang gestern Abend versöhnlich, als er im
       katarischen TV-Sender Al Jazeera sprach: Die Islamische Republik habe keine
       andere Wahl, als den Konflikt mit Amerika zu beenden [5][und sich auf die
       wirtschaftliche Entwicklung zu konzentrieren.] Die Ressourcen seien
       erschöpft; das sei der einzige Weg nach vorn. Manche Beobachter wollen
       sogar Zeichen für diplomatische Beziehungen zu den USA erkennen.
       
       ## Wer im Triumvirat sitzt – und wofür sie stehen
       
       Doch das ist Zukunftsmusik, die aus sehr großer Entfernung wahrgenommen
       wird. [6][Chameneis wahnhafter Israelhass] ist nicht mehr durchzuhalten, er
       hat ausgedient. Das Leben des Triumvirats, das seinen Geist am Leben halten
       soll, ist selbst gesetzlich eingeschränkt: bis zur Wahl eines neuen
       Führers.
       
       Wann diese Wahl stattfinden kann und wie das dreiköpfige Gremium bis dahin
       agieren wird, ist kaum vorhersehbar. Da sitzen [7][Präsident Massud
       Peseschkian], der große Mühe hat, sich zu den Reformern zu bekennen. Ebenso
       wie [8][Gholamhossein Mohseni-Ejei], ein Hardliner der ersten Stunde, ein
       Scharfrichter und Ex-Geheimdienstminister, der nun Chef der Justiz ist. Das
       dritte Mitglied ist [9][Alireza Arafi], ein sehr konservativer Geistlicher,
       der dem Wächterrat angehört und immer wieder als möglicher Nachfolger
       Chameneis genannt wird. Es ist durchaus möglich, dass die 88-köpfige
       Expertenversammlung, die für die Wahl des neuen Führers zuständig ist,
       einen der beiden [10][Mullahs], Mohseni-Ejei oder Arafi, auswählt.
       Peseschkian fehlt dieser religiöse Hintergrund, weshalb er kaum infrage
       kommt.
       
       Wer auch immer es wird, fest steht: Der neue Führer wird nicht mehr der
       alleinige Entscheider sein, wie Chamenei es war. Arafi war Zeit seines
       erwachsenen Lebens im Priesterseminar, ihm fehlt die Übung im Geschacher.
       Gegen die noch übriggebliebenen, sehr mächtigen Militärakteure der
       Revolutionsgarden hat er zu schweigen. Ejei, der Hardliner, ist ein
       Machtpolitiker ohne Skrupel.
       
       Die Revolutionsgarden sind in Iran regional organisiert, ihre Kommandanten
       entscheiden oft vor Ort und nach eigenem Ermessen. Das erschwert es, sie
       auszuschalten. Dieser Zustand ist Chamenei zu verdanken, er hatte die
       Autonomie der Garden vor fünf Jahren personell und logistisch gestärkt. Ob
       föderal oder zentral: [11][Die Garden kontrollieren weiterhin nicht nur
       Waffen, sondern auch einen Großteil der iranischen Wirtschaft.] In dieser
       verteilten Macht auf vielen Ebenen, sowie in der regionalen
       Semiselbstständigkeit der Militärs, verbergen sich noch unbekannte
       Gefahren.
       
       2 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [7] /Angegriffenes-Mullah-Regime/!6158961
 (DIR) [8] https://de.wikipedia.org/wiki/Gholamhossein_Mohseni-Esche'i
 (DIR) [9] https://de.wikipedia.org/wiki/Alireza_Arafi
 (DIR) [10] https://de.wikipedia.org/wiki/Mullah
 (DIR) [11] /Politik-und-Protest-in-Iran/!6148286
       
       ## AUTOREN
       
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