# taz.de -- Irankrieg: Feilschen, verzögern, durchhalten – Irans Verhandlungstaktik
> Jahrzehntelang profitierte Iran von Dubai – jetzt beschießt es seinen
> wichtigsten Handelspartner. Das bleibt nicht folgenlos.
(IMG) Bild: Krieg oder kein Krieg? Die iranische Bevölkerung hängt in der Luft, Teheran, 4. Mai 2026
Sie sind Meister im Gewinnen von Zeit. „Verhandeln und noch mal verhandeln,
so lange, bis der Gegner zustimmt“, sagte einmal ein europäischer Diplomat,
der sich fünfzehn Jahre mit Irans Atomprogramm herumgeschlagen hatte.
„Gestern rief jemand an, Mohammad nannte er sich. Ich fragte ihn: Wer bist
du? Hast du genug Macht?“, schrieb gestern Donald Trump abschätzig über den
Stand der Verhandlungen auf seinem Netzwerk Truth Social. Er sei
zuversichtlich, die [1][Iraner] seien flexibler geworden, sie wollten
keinen Krieg. „Ich auch nicht“, so der US-Präsident.
In Teheran sagte später Ismail Baghii, Sprecher des Außenministeriums, man
prüfe die US-Angebote. Vielleicht werde die [2][iranische Delegation] bald
nach Islamabad abreisen. Vielleicht, irgendwann. Das ist eine bekannte,
seit Langem ausgeübte Taktik. Seit ihrem Bestehen befindet sich die
Islamische Republik unter verschiedenen Sanktionen.
Für alles und jedes Entgegenkommen musste sie immer langwierige
Verhandlungen führen. Der jetzige Außenminister Abbas Araghtschi ist seit
fast dreißig Jahren Mitglied aller „Verhandlungskommissionen“ seines
Staates. In Sachen Schachern und Feilschen könnten Steve Witkoff und Jared
Kushner wohl einiges von ihm lernen.
Wie lange können die Teheraner Machthaber die Blockade der iranischen Häfen
hinnehmen, fragen sich viele. Optimistische Schätzungen gehen von höchstens
zwei Monaten aus. Ist die iranische Führung deshalb nun doch zu
Kompromissen bereit?
Trumps Bemerkung über „Mohammads Anruf“ verrät etwas über die wahren
Machtverhältnisse im Iran. Der eigentliche Machthaber heiße Ahmad und nicht
Mohammad, schreibt Iran International. Gemeint ist Ahmad Vahidi, der
oberste Kommandant der Revolutionsgarden. Der 64-Jährige hält sich seit
Kriegsbeginn vor etwa siebzig Tagen ebenso in seinem Versteck an einem
unbekannten Ort auf, wie der neue Revolutionsführer Modschtaba Chamenei.
## Warum wurden die Emirate zum Ziel?
Der von Interpol gesuchte Vahidi hat allen Grund der Welt, im Verborgenen
zu bleiben: Israel verdächtigt ihn, Drahtzieher des blutigen
Bombenanschlags auf das jüdische Gemeindezentrum in Argentinien zu sein,
bei dem 85 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt wurden. Das war 1994,
Vahidi leitete die gerade geschaffenen Quds-Brigaden. Diese Militäreinheit,
die später von dem legendären und mittlerweile getöteten Qassem Soleimani
angeführt wurde, bildet die Auslandstruppen der Garden, die sich auf den
Kampf gegen Israel konzentrierten.
Vahidi sei verrückt; niemand verstehe, warum er gerade die Vereinigten
Arabischen Emirate angreife; er führe das Land in die Katastrophe, zitierte
am Dienstag Iran International den iranischen Präsidenten Massud
Peseschkian. Nach Bericht des Exilmediums habe Präsident Peseschkian
außerdem ein sofortiges Treffen mit Modschtaba Chamenei verlangt. Er wolle
wissen, von wem der gestrige Befehl zum Raketenangriff auf die Emirate
gekommen sei.
Warum wurden gerade die Emirate in dieser Eskalation Ziel der iranischen
Raketen und Drohnen? Laut dem Verteidigungsministerium der Emirate schoss
Iran seit Beginn des Kriegs [3][insgesamt 2.838 Drohnen und Raketen auf das
Land] – mehr als auf jedes andere in der Region. Dabei waren die Emirate in
den letzten vier Jahrzehnten zum größten Handelspartner Irans geworden.
Das Emirat Dubai war der sichere Ort, um Sanktionen zu umgehen, Schwarzgeld
zu transferieren, Scheingeschäfte zu tätigen und mit Hilfe zahlreicher
Winkeladvokaten Netzwerke gegen den Druck des Westens aufzubauen.
Die Angriffe auf die Emirate während des Kriegs übertrafen sogar die Zahl
derer auf Israel. Die Reaktion der Emirate fielen scharf aus: Iranische
Einrichtungen und Firmen wurden geschlossen, Visa zahlreicher
Geschäftsleute widerrufen, Vermögenswerte eingefroren. Im Gegensatz zu
Saudi-Arabien und Oman, die auf Diplomatie setzten, fordern die Emirate
außerdem eine stärkere militärische Reaktion gegen den Iran.
Für Ahmad Vahidi und andere Kommandeure der Revolutionsgarden sind die
Emirate nur eines: Verbündete Israels und deren verlängerter Arm. „Die
Emirate sollten wissen, dass wir den geheimen Zirkel der Zionisten in
diesem Land kennen“, sagte vergangener Woche etwa Manutschehr Mottaki,
ehemaliger Außenminister.
## Emirate haben ihre strategischen Partner gewählt
Solche martialischen Worte werden in Abu Dhabi ernst genommen. Und die
Zusammenarbeit wächst unter diesem Druck noch: Israel hat seine
fortschrittlichste Technologie den Emiraten zur Verfügung gestellt,
darunter das Abwehrsystem „Iron Dome“ sowie das Überwachungssystem
„Spectro“. Dutzende israelische Militärspezialisten sind wohl dort, um das
Iron-Dome-System zu bedienen. Am Montag schoss Iran vier Raketen auf die
Emirate ab. Alle wurden abgefangen, mindestens einem Bericht des Senders
CNN zufolge durch das Iron-Dome-System.
Die Emirate haben ihre strategische Partnerwahl im Rahmen dieses Krieges
wohl längst getroffen. „Wir sind über die Golfstaaten enttäuscht“, hieß es
aus dem Außenministerium, [4][als Abu Dhabi in der vergangenen Woche den
Austritt aus dem Ölfördererverband Opec bekannt gab.]
5 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ali Sadrzadeh
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