# taz.de -- Donald Trump und Iran: Herrschaft und schlechte Bluffs
> Um Macht und Kontrolle auszuüben, reicht es oft, diese da für sich zu
> beanspruchen, wo sie gar nicht vorhanden sind. Blöd ist nur, wenn es
> auffliegt.
(IMG) Bild: Trump setzt Hormus-Einsatz nach Druck von Verbündeten aus
Es gehört zum Ausüben von Herrschaft dazu, die Wirkung der eigenen
Machtmittel maximal zu optimieren. Um etwa Tausende Menschen nichtweißer
Hautfarbe oder alternativen Erscheinungsbilds so einzuschüchtern, dass sie
bestimmte Orte in Städten oder Dörfern meiden, brauchten die Nazibanden der
1990er Jahre keine Hundertschaften von Schlägern. Es genügte, den Anschein
zu erwecken, dass man sich als Punk oder PoC etwa am Berliner Bahnhof
Lichtenberg besser nicht blicken ließe. Ein paar Nazihackfressen reichten
vollkommen aus, um einen urbanen Knotenpunkt zu kontrollieren.
Ungefähr genauso macht es Iran mit der [1][Straße von Hormus]. Hätte der
militärisch durchaus geschwächte iranische Staat wirklich die Kapazität,
jedes einzelne Schiff anzugreifen, das durch die Meerenge fährt? Nein. Aber
für die Reeder reicht die Unsicherheit, um die Schiffe gar nicht erst
losfahren zu lassen.
Eine verwandte Methode ist es, Macht auch da für sich zu beanspruchen oder
schlicht zu behaupten, wo sie in Wirklichkeit überhaupt nicht vorhanden
ist. Solange niemand den Bluff durchschaut, kann das gut gehen. Aber wer
das versucht, darf sich nicht zu oft dabei erwischen lassen.
## Trump verkündet Unsinn und die ganze Welt sieht es
Genau das aber scheint US-Präsident Donald Trump jetzt im Umgang mit Iran
passiert zu sein. Von Beginn des Kriegs am 28. Februar an hat der
US-Präsident so getan, als ob die militärische Überlegenheit der USA
praktisch jedes gewünschte Ergebnis erzielen könnte: von der Einhegung des
Regimes bis zu dessen Sturz und dem Übergang zur Demokratie.
Zwei Monate später hat das US-Militär seine Munitionsdepots sündhaft teurer
Waffen leer gebombt und sitzt das iranische Regime leidlich fest im Sattel.
Trump verkündet abwechselnd, eine abschließende Einigung stehe unmittelbar
bevor und dass die USA Iran in die Steinzeit zurückbomben werden. Nur kann
inzwischen jeder auf der ganzen Welt sehen, dass beides einfach Unsinn ist.
Die US-Militärs selber sagen, dass es mindestens zehn Jahre braucht, um die
Munitionsdepots wieder aufzufüllen. Trump aber verkündet vor
Fernsehkameras, man verfüge jetzt über doppelt so viel Munition wie zu
Beginn des Kriegs. Und genau das ist der Moment, an dem der Bluff nicht
mehr zu halten ist. Die Auseinandersetzung um die Straße von Hormus
dekonstruiert den zentralen Wirkmechanismus Trump’scher Außenpolitik. Dass
das ausgerechnet das mörderische Regime in Teheran schafft, ist eine selbst
verschuldete Katastrophe.
9 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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