# taz.de -- Krieg in Iran: Ewiges Hin und Hormus
       
       > US-Präsident Donald Trump kündigt an, feststeckende Schiffe aus der
       > Straße von Hormus zu geleiten – kurz darauf widersprechen sich die
       > Berichte.
       
 (IMG) Bild: Ankernde Schiffe in der Straße von Hormus vor der Küste von Bandar Abbas, Iran, im April 2026
       
       Es war einer [1][der längsten Posts], die US-Präsident Donald Trump bislang
       auf seiner Plattform Truth Social veröffentlicht hat. Mitten in der Nacht
       zum Montag kündigte Trump darin an, ab Montagmorgen würden im Persischen
       Golf oder in der Meerenge von Hormus festsitzende Tank- und Handelsschiffe
       aus Ländern, die mit dem derzeitigen Konflikt zwischen Israel, den USA und
       dem Iran absolut nichts zu tun haben, nach Hause fahren können. „Projekt
       Freiheit“ heiße das Unternehmen.
       
       „Für das Wohl Irans, des Nahen Ostens und der Vereinigten Staaten haben wir
       diesen Ländern gesagt, dass wir ihre Schiffe sicher aus den gesperrten
       Gewässern geleiten werden, sodass sie frei ihren Geschäften nachgehen
       können“, schrieb Trump.
       
       Im gleichen Post hatte er große Empathie für die armen Schiffsbesatzungen
       gezeigt, deren Nahrungsvorräte zur Neige gingen, und erneut betont, es
       fänden „sehr positive“ Gespräche mit der iranischen Regierung statt, die zu
       „sehr positiven Ergebnissen für alle“ führen könnten.
       
       ## So lang der Post, so kurz seine Halbwertszeit
       
       Zwar hatte das US Central Command mit [2][einer eigenen Stellungnahme]
       nachgelegt, in der das US-Militär sogar erklärte, es ginge nicht nur um die
       Befreiung derzeit festsitzender Schiffe, sondern insgesamt darum,
       „Schifffahrtsfreiheit für Handelsschiffe durch die Straße von Hormus
       wiederherzustellen“.
       
       Zu diesem Zweck würde das US-Militär unter anderem Raketenabfangsysteme,
       über 100 Kampfflugzeuge von Land und von See her und 15.000 Soldaten
       einsetzen. Vom Einsatz der US-Kriegsmarine, um Handelsschiffe tatsächlich
       als Geleitzug zu begleiten, steht in der Mitteilung nichts.
       
       Wie genau die USA vorgehen würden, blieb unklar. Allerdings kündigte Iran
       wenige Stunden später an, jedes Eindringen von US-Kriegsschiffen in die
       Straße von Hormus würde als Verletzung des Waffenstillstands gewertet und
       entsprechend beantwortet werden.
       
       Kein Wunder, dass sich bis Montagmittag in der Straße von Hormus weiterhin
       kein einziges Schiff bewegte. Dann die Eilmeldung: Laut der staatlichen
       iranischen Nachrichtenagentur Fars habe Iran ein US-Kriegsschiff in der
       Straße von Hormus mit zwei Raketen angegriffen. Nicht einmal eine Stunde
       später das Dementi des Central Command: Nichts sei angegriffen worden.
       
       Wiederum kurze Zeit später die Meldung aus den Vereinigten Arabischen
       Emiraten: Ein unter ihrer Flagge fahrender Tanker der staatlichen
       Erdölgesellschaft sei beim Versuch, die Straße von Hormus zu passieren, von
       zwei iranischen Drohnen beschossen worden. Verletzte habe es nicht gegeben.
       
       ## Mal wieder leere Versprechungen von Trump
       
       Gegen 14 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit meldete das US Central Command
       schließlich, zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe hätten die
       [3][Straße von Hormus] erfolgreich passiert. Eine unabhängige Bestätigung
       gab es zunächst nicht.
       
       Die Unklarheit der US-Ankündigungen spiegelte sich auch im Ölpreis wider:
       Sank er kurzfristig nach Bekanntwerden von Trumps Post, kletterte er
       anschließend wieder, als sich abzuzeichnen schien, dass die Straße von
       Hormus weiterhin nicht passierbar sein würde.
       
       Es ist nicht das erste Mal seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf
       Iran, dass Trump optimistisch Dinge ankündigt, die gar nicht stattfinden.
       Die ersten Friedensgespräche etwa fanden ganz offensichtlich erst Tage nach
       dem Moment statt, als Trump schon einen fast vollständigen diplomatischen
       Durchbruch zur Einigung verkündet hatte.
       
       Auch jetzt erscheint es auf den ersten Blick so, dass Trump aufgrund der
       anhaltenden Blockade der Straße von Hormus derart unter innenpolitischem
       Druck steht, dass er unbedingt Bewegung in die festgefahrene Situation
       bringen will, ohne sein Gesicht zu verlieren. In seinem Post bezeichnete
       Trump das „Projekt Freiheit“ als „humanitäre Geste im Namen der Vereinigten
       Staaten, der Länder des Nahen Ostens und besonders Irans“.
       
       Die Reaktion Irans auf Trumps Ankündigung ist eindeutig: Am Nachmittag
       erklärte Iran erneut, Warnschüsse auf US-Zerstörer nahe der Straße von
       Hormus abgegeben zu haben, und Irans Militärführung forderte Handelsschiffe
       und Öltanker auf, ‌jede Schiffsbewegung mit dem iranischen Militär
       abzustimmen. „Wir haben wiederholt gesagt, dass die Sicherheit der Straße
       von Hormus in unseren Händen liegt“, erklärte Ali Abdollahi, der Leiter des
       vereinigten Kommandos der Streitkräfte.
       
       Und statt der von Trump auch Iran zugeordneten „humanitären Geste“
       berichtet die mit den Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur
       Tasnim am Nachmittag, die iranischen Streitkräfte hätten in der Straße von
       Hormus eine neue Kontrollzone definiert.
       
       ## Iran erhöht Druck auf USA
       
       Sie reicht demnach von der iranischen Insel Gheschm südlich im Persischen
       Golf bis nach Umm al-Kaiwain an die Nordwestküste der Vereinigten
       Arabischen Emirate. Weiter östlich im Golf von Oman definiert die iranische
       Marine das Kontrollgebiet von dem iranischen Küstenort Kuh-e Mobarak
       südlich bis zur emiratischen Hafenstadt Fudschaira. Das wäre eine
       Ausweitung des Gebiets, das der Iran bislang als Einflussgebiet beansprucht
       hat.
       
       Damit erhöht Iran weiter den Druck auf die USA und lässt Trump erneut als
       Getriebenen dastehen – eigentlich genau so, wie es Friedrich Merz bei
       seinem Auftritt mit Schüler*innen im Sauerland beschrieben hat.
       
       4 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://trumpstruth.org/statuses/38147
 (DIR) [2] https://www.centcom.mil/MEDIA/PRESS-RELEASES/Press-Release-View/Article/4476318/us-military-supports-launch-of-project-freedom-in-strait-of-hormuz/
 (DIR) [3] /Strasse-von-Hormus/!6172177
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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