# taz.de -- Klage vor dem Verfassungsgericht: Die Linke klagt nun auch gegen Reiche
> Die Linke will den Vorwurf des Antisemitismus nicht auf sich sitzen
> lassen. Jetzt klagt sie gegen Wirtschaftsministerin Reiche vor dem
> Verfassungsgericht.
(IMG) Bild: Die Linke klagt gegen Katherina Reiche, die ein diffamierenden Insta-Post auf dem Account ihres Ministeriums postete
Die Linke wirft der CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vor, [1][das
Neutralitätsgebot verletzt zu haben]. Deshalb versucht die Partei mit einem
Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht zu erzwingen, dass Reiche ein
Video löscht, in dem sie die Linke als Gefahr für die deutsche Wirtschaft
und als antisemitisch bezeichnet.
Es geht dabei um ein Video, das Reiche auf dem Insta-Account des
Bundeswirtschaftsministeriums postete. Es zeigt sie am 23. September auf
dem „Wirtschaftsgipfel für Familienunternehmen“, veranstaltet vom
Medienunternehmen ThePioneer. In dem Video warnt Reiche, es sei gefährlich
für die Hauptstadt und den Investitionsstandort Deutschland, dass eine
Partei über Enteignung spreche und in ihr Programm schreibe. Außerdem sei
es eine Partei, „die Antisemitismus offen lebt, die den Juden in dieser
Stadt Angst macht, jüdisches Leben bekämpft, die die organisierte
Kriminalität fröhlich auf Wahlpartys begrüßt“.
Als erste Reaktion hatte die Linke letzte Woche einen Brief an Reiche
geschrieben und sie aufgefordert, das Video bis zum Sonntag zu entfernen.
Bisher ist es aber weiter online. Deshalb nun der Eilantrag beim
Bundesverfassungsgericht.
Auf einer Pressekonferenz am Montag in Berlin sagte der
Linken-Co-Parteivorsitzende Luigi Pantisano dazu: „Es kann nicht sein, dass
Ministerinnen und Minister ihre eigenen Kommunikationskanäle dafür
missbrauchen, um gegen andere politische Akteure vorzugehen oder gegen eine
mögliche Regierung unter linker Führung.“ Auf die Frage, für wie
aussichtsreich Pantisano die Klage halte, sagte Pantisano: Wichtig sei auch
das Zeichen, dass man über die Linke nicht einfach Unwahrheiten verbreiten
könne, ohne Konsequenzen zu tragen.
## Teil einer Kampagne?
Reiche erwähnt in dem Video die Linke nicht namentlich. In dem Eilantrag
schreibt die Linke aber, dies sei gar nicht nötig, „angesichts des klaren
Zusammenhangs zu den Wahlen in Berlin sowie den in Bezug genommenen Themen
Antisemitismus und organisierte Kriminalität“. Themen, die in den letzten
Wochen viel im Zusammenhang mit der Linken diskutiert wurden.
Weiter schreibt die Linke: Reiche habe das Neutralitätsgebot für
Staatsorgane missachtet und die Linke in ihrem Recht auf gleichberechtigte
Teilnahme am politischen Wettbewerb verletzt. Reiche habe sich rechtswidrig
in ihrer Position als Bundeswirtschaftsministerin „einseitig und
parteipolitisch“ geäußert.
Dies sei „Teil einer systematischen Kampagne“ der CDU gegen die Linke und
beeinflusse die möglichen Sondierungsgespräche in Berlin. Dort wollen bis
[2][Mittwoch Linke, Grüne und SPD ihre Vorgespräche beenden]. Es sei damit
zu rechnen, dass Katherina Reiche mit ihren Ressourcen als
Wirtschaftsministerin versuche, die Linke zu benachteiligen und eine
Regierungsbildung in Berlin zu verhindern.
Auf Anfrage der taz teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am
Montag mit: Der Eilantrag sei beim Ministerium eingegangen. Während des
laufenden Verfahrens könne man aber keine weitere Stellungnahme abgeben.
Außerdem beziehe sich der Beitrag eindeutig „auf die Auswirkungen auf und
Gefährdung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“. So verweist das
Ministerium auf den Titel des Insta-Videos: „Wirtschafts- und
Investitionsstandort stark machen.“
Die Klage gegen Reiche ist nur die [3][jüngste einer ganzen Reihe, die die
Linke aktuell am Laufen hat]. Nach ihrem Wahlsieg in Berlin geht die Linke
mit anwaltlichen Schreiben auch gegen andere Politiker vor. Zum Beispiel
gegen CSU-Innenminister Alexander Dobrindt und einen Post von Sachsens
Innenminister Armin Schuster, die beide ebenfalls die Linke oder
Linken-Politikerinnen als antisemitisch bezeichnet hatten. Schuster löschte
daraufhin einen entsprechenden Post in den sozialen Medien.
5 Oct 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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