# taz.de -- Katherina Reiches Wirtschaftspolitik: Merz verspricht Aufschwung, Reiche macht das Gegenteil
       
       > Wirtschaftsministerin Katherina Reiche drosselt bei der Energiewende.
       > Dabei sind es ausgerechnet die Erneuerbaren, die Wirtschaftspotenzial
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Katherina Reiche setzt auf Gaskraftwerke, obwohl sie die teuerste Form von Strom produzieren
       
       Es gibt nicht viele Branchen in der Bundesrepublik, die derzeit boomen. Die
       der Erneuerbaren gehört dazu: Die Stromproduktion aus Sonne, Wind und Co
       legte nach Daten des Umweltbundesamts im ersten Halbjahr um 6 Prozent zu –
       und das, obwohl die Flüsse wenig Wasser hatten und die Wasserkraft deutlich
       weniger Strom lieferte. Auch bei der Produktion regenerativer Wärme und
       Kälte gab es ein Plus: 3 Prozent glänzen nicht ganz so, andere Branchen
       wären aber schon mit halb so viel Wachstum zufrieden. Die
       Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik legte im ersten Halbjahr 2026
       lediglich um 0,6 Prozent zu.
       
       Im Wahlkampf hatte Friedrich Merz die „Wirtschaftswende“ ausgerufen, als
       Kanzler versprach er „Wohlstand für alle“ – mit 2 Prozent Wachstum
       mittelfristig pro Jahr. Umsetzen soll das Katherina Reiche (CDU), die
       zuständige Ministerin in seinem Kabinett. Und das ist auch dringend nötig:
       Beschlusslage der Regierung ist, in vier Jahren 80 Prozent des deutschen
       Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Geschafft sind derzeit
       aber erst 60 Prozent. Soll das Ziel erreicht werden, wäre ein wahres
       Investitionsfeuerwerk vonnöten. Das Tempo beim Bau von Windrädern und
       Solarparks müsste jährlich verdreifacht werden.
       
       Doch statt sich jetzt ins Zeug zu legen, treibt die Wirtschaftsministerin
       eine Politik voran, die auf den ersten Blick völlig unlogisch ist: Mit
       ihren Gesetzentwürfen zum Netzausbau und den Erneuerbaren bremst Reiche
       [1][die Boombranche aus]. Die Merz’sche Fachfrau für den Aufschwung weigert
       sich nicht nur, die Rahmenbedingungen für dringend benötigte Investitionen
       zu verbessern, sie will diese sogar massiv verschlechtern.
       
       Reiche begründet das mit den Kosten der Energiewende. Gleichzeitig aber
       lässt sie jede Menge [2][neue Gaskraftwerke bauen]. Während Wind- und
       Solarenergie sowie Biomasse den Strompreis massiv senken, liefern
       Gaskraftwerke die teuerste Form von Elektrizität.
       
       ## Selbst Fossilkonzerne grübeln
       
       Natürlich sind Reservekraftwerke für jene Zeiten geboten, in denen Wind
       weniger weht oder die Sonne nicht scheint. Es gibt aber längst Alternativen
       zu teuren Gaskraftwerken, beispielsweise Windräder, die überschüssigen
       Strom in Batterien speichern. Solchen Alternativen verweigert Reiche den
       gesetzlichen Rahmen. Schon wieder unlogisch, aber nur für jene, die
       vergessen haben, wo die Ministerin herkommt.
       
       Bis zu ihrem Amtsantritt war sie Managerin bei Eon, unter anderem zuständig
       für das Gasnetz. Kein anderer Energiekonzern findet ihre Pläne gut, selbst
       historische Fossilkonzerne wie EnBW, LEAG, Uniper oder RWE forderten [3][in
       einem gemeinsamen Aufruf] Änderungen. Reiche geht es nicht um Wachstum,
       nicht um sinkende Energiekosten, nicht um „Wohlstand für alle“. Es gibt nur
       einen plausiblen Grund für eine derart unlogische Politik: Reiche
       orientiert sich an den Wünschen ihres früheren Arbeitgebers – Eon.
       
       Will Merz nicht als Kanzler mit dem geringsten Erfolg in die Annalen der
       Bundesrepublik eingehen, muss er Reiche endlich entlassen.
       
       17 Oct 2026
       
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