# taz.de -- Streit um Energiereformen: Das Schlimmste verhindern
       
       > Die Bundestagsabgeordnete Nina Scheer verhandelt für die SPD über die
       > umstrittenen Energiereformen von Ministerin Katherina Reiche. Warum viele
       > auf sie hoffen.
       
 (IMG) Bild: Verhandelt für die SPD: Nina Scheer
       
       Die Hoffnungen der Erneuerbaren-Branche und von Klimaschützer:innen
       richten sich in diesen Tagen auf diese Frau: Nina Scheer,
       Bundestagsabgeordnete aus Schleswig-Holstein. Sie ist die
       [1][Verhandlungsführerin der SPD-Fraktion] für das
       Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und das sogenannte Netzanschlusspaket.
       Diese [2][Novellen aus dem Hause von Bundeswirtschaftsministerin Katherina
       Reiche (CDU) stoßen auf breite Kritik]. Vertreter:innen von
       Unternehmen, Beschäftigten und Verbänden, Fachleute und
       Politiker:innen – sogar auch aus der CDU – fürchten ein brutales
       Ausbremsen der Energiewende.
       
       Kritiker:innen hoffen, dass Nina Scheer bei den entscheidenden
       Verhandlungen mit Unionsabgeordneten zu Reiches Plänen das Schlimmste noch
       verhindern wird. Die studierte Violinistin und Politikwissenschaftlerin
       kennt die Details und Tücken der Energiewende wie kaum eine andere. Sie
       genießt in der Erneuerbaren-Branche und weit darüber hinaus hohes Ansehen.
       Auch Grüne und Linkspartei-Abgeordnete schätzen sie. Im Bundestag dürfte es
       wenige Kolleg:innen geben, die so mit der komplexen Materie vertraut
       sind wie die 55-Jährige.
       
       Vielleicht ist sie mit den Haken und Ösen des Energiesystems aber auch zu
       verbunden. Ob in Interviews, Reden oder im Gespräch – mitunter spiegelt
       Nina Scheer die Komplexität der schweren Kost, statt die Dinge auf den
       Punkt zu bringen. Das mag ein Grund sein, warum sie über Fachkreise hinaus
       nicht allzu bekannt ist.
       
       ## Auch ihr persönliches politisches Erbe steht auf dem Spiel
       
       In den aktuellen Verhandlungen mit ihren Koalitionspartner:innen
       kämpft die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion nicht
       nur um das Weiterbestehen guter Bedingungen für Windräder und Solaranlagen.
       Es geht auch um ihr persönliches politisches Erbe. Ihr Vater, der 2010
       verstorbene SPD-Politiker und Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, war
       einer der wichtigsten Wegbereiter des im Jahr 2000 in Kraft getretenen
       deutschen EEG – also genau jenes Regelwerks, um dessen Errungenschaften
       jetzt hart gestritten wird.
       
       Mit dem EEG haben der Energiewendepionier Hermann Scheer und seine
       Mitstreiter:innen die Grundlage für den massiven Ausbau der Wind- und
       Solarkraft geschaffen, nicht nur in Deutschland. Viele Länder haben die
       Ideen übernommen und zum Beispiel ebenfalls feste Preise für Ökostrom
       eingeführt. International werden solche Gesetzeswerke auch als „Scheers’
       law“ bezeichnet – weil der Sozialdemokrat so prägend für diese Regeln
       gewesen ist.
       
       Nina Scheer ist seit 2013 im Bundestag und Mitglied der parlamentarischen
       Linken in der SPD-Fraktion. Sie ist eine exponierte Gegenspielerin von
       CDU-Wirtschaftsministerin Reiche, die als große Freundin der fossilen
       Energien gilt. Scheer hingegen steht klar für den massiven Ausbau der
       Erneuerbaren und einen zügigen Ausstieg aus den Fossilen.
       
       Bislang hatte allerdings Katherina Reiche politisch die Oberhand. Als die
       schwarz-rote Bundesregierung das Heizungsgesetz der Ampel entkernte, hat
       Scheer haushoch verloren. Die Ministerin konnte ihre Pläne weitgehend
       durchsetzen, das Verbot für den Einbau neuer Gas- und Ölheizung zu kippen.
       Das ist klimapolitisch fatal. Trotzdem stimmte Scheer im Bundestag für das
       neue Heizungsgesetz.
       
       Im Unterschied zu den Beratungen seinerzeit ist Scheer jetzt bei den
       entscheidenden Gesprächen mit der Union Verhandlungsführerin. Anders als
       ihr Vater ist sie allerdings nicht sehr versiert darin, tragfähige
       Bündnisse zu schmieden. Sie gilt eher als Einzelkämpferin. Bei den
       Verhandlungen über das EEG und das Netzanschlusspaket steht sie ganz allein
       fünf Unions-Abgeordneten gegenüber, darunter Tilman Kuban und Lars Rohwer.
       
       Das schreckt Scheer nicht. Sie traut sich einiges zu, selbst den
       SPD-Parteivorsitz. 2019 kandidierte sie gemeinsam mit dem späteren
       Gesundheitsminister Karl Lauterbach für diesen Posten. Die beiden
       scheiterten und kamen nicht einmal in den zweiten Wahlgang.
       
       Trotz ihrer Hoffnungen in Scheer fürchten viele, dass sie bei den
       Verhandlungen über die Energiegesetze nicht allzu viel wird ausrichten
       können. Bringen die Gespräche zwischen ihr und den Unionsabgeordneten kein
       Ergebnis, übernehmen erst die Vize-, dann die Fraktionsvorsitzenden. Mit
       mehr Sachkenntnis wird dann sicher nicht verhandelt.
       
       10 Oct 2026
       
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 (DIR) Anja Krüger
       
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