# taz.de -- Ökostromer gibt auf: Ausgegrüüünt
       
       > Die Ökostrommarke mit den drei Ü stellt die Belieferung ihrer Kunden Ende
       > des Monats ein – Ursache sind die geplanten Einschnitte bei der
       > Förderung.
       
 (IMG) Bild: Die Münch-Gruppe hatte als Projektierer von Erzeugungsanlagen im Sektor der Erneuerbaren die Marke grüüün im Jahr 2024 entwickelt
       
       Die Ökostrommarke grüüün beendet ihr nationales Angebot für Verbraucher zum
       31. Oktober. Sie gehört zur Firma Münch Energie mit Sitz im oberfränkischen
       Rugendorf, die den Schritt mit dem „aktuellen Regulierungstrend“ begründet.
       
       „Ihr habt es sicher mitbekommen, die Politik dreht an der Energiewende,
       aber in die falsche Richtung“, schrieb das Unternehmen am späten Donnerstag
       unter dem Betreff „[1][Wir müssen aufgeben!“] an seine Kunden. Grüüün habe
       versucht, „den Energiemarkt fairer und ehrlicher zu machen“, und habe dafür
       „in den letzten zwei Jahren alles gegeben“. Man habe „gemeinsam eine Vision
       geteilt: Grünstrom für alle!“, doch nun müsse man mit den Kunden „eine
       traurige Nachricht teilen“.
       
       Während man die Mitteilung an die Kunden noch so verstehen kann, als seien
       es reine Regulierungsfragen, die dem Unternehmen das Leben schwer machen,
       zeigt ein Hintergrundpapier deutlicher, dass es letztlich um die
       [2][Einschränkungen bei der Förderung] geht, die Wirtschafts- und
       Energieministerin Katherina Reiche (CDU) derzeit plant.
       
       Aufgrund anstehender Änderungen am [3][Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
       und dem Netzpaket] werde man „eingeplante Grünstrommengen in Zukunft nicht
       erzeugen können“, heißt es bei dem Stromversorger, der sich selbst
       „Stromfürsorger“ nennt.
       
       Mit der Kritik ist die Firma nicht allein: Am Freitag war in Berlin eine
       Energiewende-Demonstration geplant, bei der die Teilnehmerinnen und
       Teilnehmer unter dem Motto „[4][Ausbauen statt Ausbremsen!]“ gegen Reiches
       Pläne protestieren wollen.
       
       Die Münch-Gruppe hatte als Projektierer von Erzeugungsanlagen im Sektor der
       Erneuerbaren die Marke grüüün im Jahr 2024 entwickelt, um einen
       Vertriebsweg für selbst erzeugten Strom zu schaffen. Bei Mitbewerbern heißt
       es, die Firma sei mit „guten Konditionen“ und „außerordentlich offensiv“
       auf den Markt getreten – was dem Unternehmen nun offenbar zum Verhängnis
       wurde.
       
       Denn es liegt nahe, dass der Zubau eigener Anlagen der Firma Münch
       angesichts der derzeit geplanten EEG-Novelle nicht mehr wie veranschlagt
       vorankommen wird – und das Unternehmen daher in Zukunft mehr als geplant
       Strom zukaufen muss. Die Belieferung der Endkunden zu den vorgesehenen
       Konditionen ist damit offenbar wirtschaftlich nicht mehr tragfähig.
       
       Dass grüüün aber einen „aktuellen Regulierungstrend“ als Grund anführt,
       machte unterdessen auch Mitbewerber im Ökostrommarkt etwas stutzig. Denn
       keiner der Akteure weiß einschneidende regulatorische Änderungen im
       Ökostromhandel zu benennen, die eine Aufgabe des Ökostromvertriebs an
       Endkunden nahelegen könnten.
       
       Die rund 200.000 Kunden von grüüün müssen sich nun einen neuen Anbieter
       suchen. Andernfalls fallen sie zum 1. November in die Grundversorgung ihres
       örtlichen Anbieters. Grüüün empfiehlt seinen Kunden als „gute Alternative“
       die Naturwerke, ein Unternehmen der Check24-Gruppe.
       
       9 Oct 2026
       
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 (DIR) Bernward Janzing
       
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