# taz.de -- Nach Abgeordnetenhauswahl: Grüne in Berlin-Mitte fordern Urabstimmung
       
       > Nicht der linksdominierte Landesparteitag, sondern die Basis soll über
       > eine Koalition in Berlin entscheiden. Das verlangt der größte
       > Kreisverband der Hauptstadt-Grünen.
       
 (IMG) Bild: Solche Wahlaufrufe für die Grünen hatten bei der Wahl am Sonntag nur mäßigen Erfolg: Das Ergebnis ist das schlechteste seit 2006
       
       Die Grünen im Bezirk Mitte, dem größten Kreisverband der Berliner Grünen,
       fordert Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden der Partei bei der
       Abgeordnetenhauswahl am Sonntag. Ein offizieller Beschluss der
       Kreismitgliederversammlung ging zwar nicht so weit, aktuell führende
       Mitglieder wie das Spitzenkandidaten-Duo Werner Graf und Bettina Jarasch
       von künftigen Senatsposten auszuschließen. Das hatte [1][ein vor der
       Versammlung kursierendes Papier] gefordert, auch [2][von einem
       Grünen-Stadtrat] war das zu hören.
       
       Die Grünen in Mitte drängen zudem darauf, eine Findungskommission für
       Senatsposten einzurichten. Über deren Personalvorschlag sollen wie über
       einen Koalitionsvertrag in einer Urabstimmung alle rund 17.500 Mitglieder
       entscheiden können. Das habe die Bundespartei 2021 vorgemacht, heißt es in
       dem Beschlusstext. Einen solchen Mitgliederentscheid gab es im Berliner
       Landesverband noch nie.
       
       Ein solcher Entscheidungsweg würde zugleich die Chancen einer CDU-geführten
       Kenia-Koalition als Alternative zu einem Linksbündnis erhöhen. Nach
       bisheriger Planung entscheidet erneut ein Landesparteitag über den Entwurf
       eines Bündnisvertrags nach den nun anlaufenden Sondierungen und
       Koalitionsgesprächen. Beim Parteitag aber hat der linke Grünen-Flügel eine
       Delegiertenmehrheit, der sich mit einem Bündnis mit den Christdemokraten
       zumindest äußerst schwer tun würde.
       
       Wie hingegen die Mitgliedschaft insgesamt tickt, ist offen. Bei der SPD,
       deren Landesparteitag ebenfalls vom linken Parteiflügel dominiert ist,
       hatte die Mitgliedschaft 2024 bei einer Urabstimmung [3][einem Vorsitz-Duo
       vom konservativen Flügel] den Vorzug gegeben.
       
       ## Forderung nach fundierter Wahl-Auswertung
       
       Die Grünen-Kreismitgliederversammlung in Mitte verlangt außerdem eine
       unabhängige und wissenschaftliche Auswertung nicht nur der Wahl vom
       Sonntag, sondern auch der Abgeordnetenhauswahl vom Februar 2023. Mitglieder
       aus Mitte, aber auch aus anderen Kreisverbänden, haben in den vergangenen
       Jahren mehrfach kritisiert, dass aus ihrer Sicht – der Landesvorstand sah
       das anders – eine wirkliche Auswertung und Analyse nicht statt gefunden
       hat.
       
       Die Grünen [4][würden ihr Wählerpotenzial nicht ausschöpfen], wenn sie sich
       nicht stärker bürgerlichen Kreisen öffnen, lautete schon bisher ein
       weiterer Kritikpunkt. „18,4 Prozent sind nicht das Ende“, sagte etwa in
       einem taz-Interview Tanja Prinz aus dem Kreisverband Tempelhof-Schöneberg,
       die 2023 [5][erfolglos für den Landesvorsitz kandidierte.] Sie bezog sich
       auf das damalige Wahlergebnis – an diesem Sonntag erreichten die Grünen
       lediglich 14,3 Prozent und schnitten damit deutlich schlechter ab, statt zu
       wachsen.
       
       Zudem verlangen die Mitte-Grünen „Werkstattgespräche für den Aufbruch 2031“
       – die Jahreszahl ergibt sich aus dem Termin der nächsten regulären
       Abgeordnetenhauswahl. Diese Gespräche soll es in den Bezirken geben, „um
       aus den letzten Kampagnen zu lernen“. [6][Mit dem Format von
       Werkstattgesprächen] hatte etwa die CDU unter ihrer damaligen Vorsitzenden
       Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 versucht, die Flüchtlingskrise ab 2015
       aufzuarbeiten.
       
       23 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-Wahl-Debatte-bei-den-Gruenen/!6215412
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/wer-im-wahlkampf-nicht-fuhren-konnte-sollte-das-auch-spater-nicht-tun-grune-drangen-berliner-spitzen-duo-graf-und-jarasch-zum-ruckzug-16083597.html
 (DIR) [3] /Entscheidung-ueber-neue-SPD-Doppelspitze/!6011238
 (DIR) [4] /Gruenen-Landesparteitag-am-9-Dezember/!5971433
 (DIR) [5] /Landesparteitag-der-Berliner-Gruenen/!5978830
 (DIR) [6] /Werkstattgespraech-der-CDU/!5569177
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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