# taz.de -- Brandmauer-Diskussion: Wer spaltet wen?
> Schleswig-Holsteins Ex-Ministerpräsident Albig will, dass die SPD die
> Brandmauer zur AfD einreißt. Damit macht er alles nur noch schlimmer.
(IMG) Bild: Ins rechte Horn geblasen: Torsten Albig (SPD)
Die SPD soll die Brandmauer zur AfD einreißen. Das fordert [1][Torsten
Albig, der mal Ministerpräsident in Kiel] war. Albigs Intervention bringt
das Kunststück fertig, den Finger in eine schwärende Wunde zu legen und
alles noch schlimmer zu machen.
Es stimmt schon: Die Sozialdemokratie neigt dazu, die AfD mit Symbolpolitik
zu bekämpfen. Sie fordert auf Parteitagen [2][ein AfD-Verbot, das nie
kommen wird], und beschwört die Tradition des Antifaschismus. Die solide
befestigte Abgrenzung nach rechts hat etwas Wärmendes und ist eine der
wenigen verbliebenen verlässlichen Sinnressourcen der SPD. Wenn man schon
nicht genau weiß, wofür die SPD in der Merz-Regierung steht, dann dank AfD
immerhin wogegen. Ein Blick auf Wahlergebnisse und Umfragen zeigt, dass
selbstreferenzielle Antifa-Rhetorik und moralische Selbsterhöhung eher
stumpfe Waffen gegen die AfD sind.
Albig ist nicht der Erste, der der SPD rät, sich die [3][dänischen
Sozialdemokraten] zum Vorbild zu nehmen und auf Migrationsskepsis zu
setzen. Ob das der Königsweg ist, darf man bezweifeln. Denn die AfD ist
weit rechtsradikaler als die dänische Dansk Folkeparti. Zudem muss man sich
konkret vor Augen führen, was eine vergleichbare Annäherung der SPD an die
AfD bedeuten würde.
## SPD sollte nicht Albigs Sandkastenspielen folgen
Es geht nicht um einen taktischen Move, sondern um die strategische
Übernahme xenophober Haltungen. In Dänemark haben Sozialdemokraten und
Rechtspopulisten in der Opposition gemeinsame Sache gemacht und die
konservativ-bürgerliche Regierung vor 2019 zu einer noch härteren
Migrationspolitik, weniger Integration, mehr Abschiebungen, getrieben.
Es ist nicht einfach, sich das als Erfolgsmodell für die SPD vorzustellen.
Eine Seifenblase ist auch die Idee, dass die Mitteparteien mit einer
punktuellen Zusammenarbeit die AfD in einen konservativen und einen
rechtsextremen Flügel spalten können – und sich das Problem damit erledigt.
Falls die SPD Albigs Sandkastenspielen folgt, wäre das Gegenteil der Fall:
die [4][Spaltung der SPD], deren linksliberaler Flügel die Flucht ergreifen
würde.
25 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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