# taz.de -- Start der Koalitionsgespräche in Berlin: Zwischen Begeisterung und Ablehnung
> Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp strahlt über den Start der
> Koalitionsgespräche in Berlin. Die SPD hält den Ball dagegen eher flach
> und die CDU will nun sondieren.
(IMG) Bild: Sind die nun begonnenen Koalitionsgespräche erfolgreich, wird Elif Eralp (Linkspartei, M.) Regierende Bürgermeisterin
Die Zustimmung des Linken-Parteitags für Koalitionsgespräche lag noch keine
Viertelstunde zurück, als am Samstagabend die Presseeinladungen eingingen:
[1][Um 10 Uhr am Montagmorgen] würde es losgehen mit den Gesprächen
zwischen Linkspartei, Grünen und SPD – und zwar im Abgeordnetenhaus.
Um Punkt 10 allerdings sind es erst mal nur Linke und Grüne, die sich in
Raum 113 des Parlaments umarmen und herzen. „Die SPD kommt“, versichert
Grünen-Landeschefin Nina Stahr einem Pulk von Journalisten und Kameras.
Tatsächlich ist später auch Steffen Krach im Raum, der Landeschef der
Sozialdemokraten.
Von dem sind in der Montagausgabe der Morgenpost allerdings Sätze zu lesen,
die ganz anders klingen als die schier überschäumende Freude von Linken und
Grünen auf ein baldiges Bündnis. „Jetzt beginnen wir erst mal die
Koalitionsgespräche“, sagt Krach in dem Interview, „natürlich können die
auch scheitern.“
Bei seiner Co-Landesvorsitzenden Bettina König wirkt das am Montagvormittag
ähnlich offen, auch wenn sie nicht ein Scheitern als Möglichkeit in den
Raum stellt. „Wir werden schauen, wie die Verhandlungen laufen“, sagt sie
vor Raum 113, als führende Verhandlerinnen vor Gesprächsbeginn noch ein
paar Sätze Richtung Kameras sagen, ohne dabei Fragen beantworten zu wollen.
## Grünen-Chefin verspricht „Regierung für alle“
„Wir werden jetzt viele Gespräche im Detail vertiefen“, kündigt
Linken-Fraktionschefin Elif Eralp dabei an und sieht strahlend einem „sehr
freudigen Tag“ entgegen. Die Grüne Stahr verspricht eine Regierung, „die
für alle in dieser Stadt da ist, egal, ob sie sie gewählt haben oder
nicht“. Man will sich am frühen Abend zu ersten Ergebnissen äußern, kündigt
ein Parteisprecher an. Dann schließt sich die Holztür von Raum 113, unter
dessen Nummer noch immer „Hauptausschuss“ steht, obwohl der dort seit
Coronazeiten nicht mehr tagt.
Krachs Zurückhaltung im Zeitungsinterview wird an diesem Morgen überlagert
von noch weit skeptischeren SPD-Stimmen. Wobei sich Krach der Linkspartei
vor der Wahl auch nicht gerade andiente. Zehn Tage vor deren Wahlerfolg war
von ihm in einer Pressekonferenz noch zu hören, [2][„dass die Linkspartei
nicht regierungsfähig ist“.]
Von einem Linksbündnis haben seither zahlreiche, aber fast durchweg ehemals
führende Köpfe in der SPD abgeraten, darunter die früheren Berliner
Regierungschefs Michael Müller und Walter Momper. Neu aber ist der
Widerstand von Deutschlands beliebtestem Politiker, dem
SPD-Verteidigungsminister.
Der stellte sich am Sonntagabend im ZDF gegen ein Linksbündnis und
unterstützt auch ein [3][„Nicht um jeden Preis“ betiteltes Papier], das vor
der Linkspartei und Elif Eralp als Regierungschefin warnt. Dem
angeschlossen haben sich auch der Bundestagsabgeordnete und Ex-Minister
Karl Lauterbach und bis Montagmittag fast 1.200 weitere, teils sehr
namhafte SPD-Mitglieder.
## Giffey hat eine skurrile Rolle
Ebenfalls bei den Unterstützern des Papiers zu finden: Franziska Giffey.
Die frühere Regierende Bürgermeisterin und Ex-SPD-Landeschefin spielt
aktuell die skurrilste Rolle auf der Berliner Politikbühne. Sie ist zum
einen amtierende Wirtschaftssenatorin und vertritt die SPD weiterhin im
vorerst schwarz-rot bleibenden Senat. Gleichzeitig aber stellt sie sich
[4][offensiv gegen ein Linksbündnis], das ihr Landesvorstand anstrebt.
Inzwischen wirbt Giffey auch vorsichtig für eine Kenia-Koalition unter
CDU-Führung. „Schwarz-Grün-Rot muss zumindest eine Diskussion finden“, sagt
sie [5][am Montagmorgen in der ARD]. Giffey hält der Linkspartei unter
anderem vor, dass die Abgeordnete Vanessa Emde, die das Existenzrecht
Israels abstreitet, weiter zur Linksfraktion gehört.
Daran soll sich auch in der Fraktionssitzung am Dienstag nichts ändern.
Selbst wenn die Fraktionsführung aus Eralp und ihrem Co-Chef Tobias Schulze
Emde tatsächlich zügig ausschließen will, sind [6][laut Fraktionssatzung]
bestimmte Fristen einzuhalten. Ein Ausschlussantrag muss demnach mindestens
eine Woche vor der Diskussion darüber angekündigt sein. Emde ist zudem
„Gelegenheit zur ausführlichen Stellungnahme in der Fraktionsversammlung zu
geben“, wie es in § 3 der Satzung heißt.
Offen ist, ob bei den 44 Fraktionsmitgliedern überhaupt die für einen
Ausschluss nötige Zweidrittelmehrheit zustande kommt. Emde könnte somit
auch bei der nächsten Parlamentssitzung am 12. November noch Teil der
Fraktion sein. Offen ist auch, wie lange die SPD den jetzigen Zustand
hinnimmt. Parteichef Krach sagte vorige Woche in der ZDF-Talkshow „Markus
Lanz“ [7][für den Fall eines Emde-Verbleibs in der Linksfraktion]: „Dann
werden wir keine Koalition haben.“
Am Dienstag soll es neben den Fraktionssitzungen noch zu einem weiteren
Treffen kommen – zwischen CDU, Grünen und SPD. CDU-Chef Stefan Evers hat
dazu eingeladen, um Haushaltsfragen für die Zeit vor einer neuen Regierung
zu besprechen. In diesem Gespräch aber will er auch konkret zu Sondierungen
anbieten. SPD-Chef Krach hielt der CDU noch bei „Markus Lanz“ vor, keine
Gespräche vorgeschlagen zu haben.
## „Sehr gute Gespräche“
An diesem Montag aber einigt sich erst mal die Linkspartei mit ihren
möglichen Partnern darauf, dass es weitere Treffen geben soll, das nächste
am Mittwoch. „Wir hatten heute sehr gute Gespräche“, sagt Elif Eralp, als
sie über sieben Stunden nach ihren begeisterten Auftaktworten wieder vor
den Journalisten steht. Um den Landeshaushalt soll es im Kern gegangen sein
– wo nach Ansicht von CDU-Mann Evers in seiner Rolle als amtierender
Finanzsenator künftig bis zu 5 Milliarden fehlen werden.
Von „sehr großen Herausforderungen“ spricht Eralp, aber auch davon, dass
das Land jährlich 400 Millionen Euro mehr an Einnahmen haben soll als
derzeit. Wie das genau funktionieren soll, liegt nun bei der
Facharbeitsgruppe Haushalt. Sie ist eine von 14 Facharbeitsgruppen, die
sich spätestens ab nächstem Montag treffen soll. Ziel sei „eine solide,
langfristige Haushaltsstrategie“.
Vor Weihnachten, also in rund sieben Wochen, sollen die
Koalitionsverhandlungen beendet sein. Dann aber stehen erst noch die
diversen Mitgliederentscheide und die Befragung bei den Grünen an. Der
schwarz-rote Senat wird demnach noch das Jahr 2027 erleben.
2 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Koalitionsbildung-in-Berlin/!6226596
(DIR) [2] /Abgeordnetenhauswahl-am-20-September/!6211308
(DIR) [3] https://nichtumjedenpreis.berlin/
(DIR) [4] /Widerstand-gegen-Koalitionsbildung/!6220569
(DIR) [5] https://www.tagesschau.de/video/video-1676492.html
(DIR) [6] https://www.linksfraktion.berlin/fraktion/satzung/
(DIR) [7] /Erste-Sitzung-im-neuen-Abgeordnetenhaus/!6223891
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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