# taz.de -- Parteitag der Berliner Linken: Elif Eralp gibt sich kämpferisch
> Unter großem Applaus bekräftigt die Linken-Spitzenfrau Eralp ihr Ziel
> einer rot-grün-roten Koalition. Die Angriffe auf die Linke hätten „jedes
> Maß verloren“.
(IMG) Bild: Im Mittelpunkt des Interesses: Elif Eralp (M.)
afp/dpa | Die Berliner Linken-Spitzenpolitikerin Elif Eralp hat nach dem
Spiegel-Bericht über ihre Angst vor Hamas-Sympathisanten ein
„Schutzversprechen“ für die Menschen in Berlin abgegeben. „Ich möchte eine
Politik für alle Menschen machen, denn jeder verdient ein gutes Leben in
Sicherheit und in Würde“, sagte Eralp am Samstag auf einem
Linken-Landesparteitag in Berlin. Dieser soll die Koalitionsverhandlungen
der Linken mit Grünen und SPD beschließen.
Eralp reagierte in ihrer vielfach von Applaus unterbrochenen Rede
kämpferisch auf Zweifel an ihrer Regierungsfähigkeit. „Ich werde nicht
aufgeben.“ Die Angriffe auf sie und die Berliner Linke hätten „jedes Maß
verloren“, kritisierte die von der Linken als neue Regierende
Bürgermeisterin von Berlin vorgesehene Eralp.
Nach einem Bericht des Spiegels, laut dem Eralp und ihr Mann [1][Angst vor
Sympathisanten der Terrororganisation Hamas] aus dem Umfeld der Berliner
Linken haben, wurden Zweifel an der Regierungsfähigkeit Eralps laut. Die
Berliner CDU etwa nannte sie für das Amt als Bürgermeisterin
kompromittiert.
Eralp sagte, manche würden [2][nach dem Spiegel-Bericht] nun behaupten, sie
könne als Bürgermeisterin Berlin nicht schützen. Das Gegenteil sei der
Fall. „Gerade, weil ich verschiedene Sorgen kenne und verstehe, werde ich
das tun“. Sie lasse sich auch nicht einschüchtern und trete
„selbstverständlich“ gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit,
Gewaltverherrlichung oder Antisemitismus ein.
Eralp hatte die Linke bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September zum
Wahlsieg geführt. Sie appellierte an ihre Partei, nun solidarisch
zusammenzustehen. „Es werden nicht die letzten Angriffe gewesen sein“. Die
Maßlosigkeit der Kritik an der Linken liege daran, dass diese den Menschen
ins Zentrum der Berliner Politik stellen wolle und nicht den Profit. „Wir
werden uns nicht kleinkriegen lassen“, sagte Eralp. „Die Menschen in
unserer Stadt haben uns für Veränderung gewählt und das werden wir auch
gemeinsam umsetzen.“
Eralp hob besonders hervor, dass in den Sondierungsgesprächen die
Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen beschlossen wurde. Dies sei
historisch. Auch deshalb sei das Gelingen der geplanten rot-grün-roten
Koalition wichtig.
Die Linke entscheidet als letzte Partei des möglichen Dreierbündnisses über
Koalitionsverhandlungen, Grüne und SPD haben bereits zugestimmt. Sollte
auch die Linke zustimmen, beginnen kommende Woche die
Koalitionsverhandlungen. Eralp hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass der
Linken-Parteitag ebenfalls klar zustimmt – allerdings gibt es eine Vielzahl
von Anträgen zum Sondierungspapier.
## Berliner Linke-Chefin weist Antisemitismusvorwürfe zurück
Die Berliner Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter hat Vorwürfen des
Antisemitismus und überzogener Israel-Kritik gegen ihre Partei
zurückgewiesen. „Weil wir als Linke den Genozid in Gaza verurteilen, wird
uns vorgeworfen, dass wir Antisemiten sind. Aber gegen
Völkerrechtsverbrechen einzustehen, ist kein Verbrechen“, sagte sie auf
einem Landesparteitag in Berlin-Lichtenberg. „Es wäre ein Verbrechen, es
nicht zu tun.“ Allerdings dürfe die deutsche Geschichte nicht vergessen
werden. „Für eine Linke in Berlin heißt das, dass wir eine besondere
Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens tragen“, so Wolter. „Wir sind
die Linke in der Stadt, in der die Schoah geplant und von der aus sie
exerziert wurde.“
Das Existenzrecht Israels leite sich aus diesem Grauen ab, denn Israel sei
Schutzraum für Jüdinnen und Juden. „Es ist kein Widerspruch, für dieses
Existenzrecht einzustehen und zugleich für das Recht der Palästinenserinnen
und Palästinenser auf einen eigenen Staat zu streiten“, so Wolter. Wer
indes als „Trittbrettfahrer der Palästina-Solidaritätsbewegung“ Gewalt und
Terror gegen Zivilisten legitimiere, sei aus der Bewegung für Frieden und
gleiche Rechte auszuschließen. „Wo das von unserer Seite nicht passiert,
werden wir Fehler aufarbeiten, denn unser Einsatz basiert auf Menschen- und
auf Völkerrecht, und wer dieses Recht mit Füßen tritt, hat in einer
Friedensbewegung nichts zu suchen.“
## Linken-Chefs stärken Eralp vor Parteitag den Rücken
Trotz der Debatte um die Angst der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif
Eralp vor Hamas-Sympathisanten haben die Bundesvorsitzenden ihrer Partei,
Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, eine linke Regierungspolitik in der
Hauptstadt in Aussicht gestellt. „Berlin hat links gewählt. Berlin bekommt
links. Gemeinsam machen wir Berlin bezahlbar“, erklärten sie dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf den Landesparteitag der
Berliner Linken am Samstag.
Die Parteichefs stellten sich hinter Eralp und bekräftigten ihr Ziel einer
Koalition mit Grünen und SPD. „Seit absehbar wurde, dass Die Linke in
Berlin gewinnen kann und es ernst meint mit der Vergesellschaftung, wird
gegen Elif Eralp und die Linke Stimmung gemacht“, erklärten Schwerdtner und
Pantisano. „Natürlich macht man sich da Gedanken um die Sicherheit der
eigenen Familie. Das wird jetzt für eine Schlagzeile ausgeschlachtet.“ Sie
fügten hinzu: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Nicht von Schlagzeilen
und nicht von Immobilienkonzernen.“
## Linke-Politikerin Eralp bekommt Polizeischutz
Die Berliner Linke-Spitzenpolitikerin Elif Eralp erhält am Samstag
anlässlich eines Parteitages ihrer Partei Polizeischutz. Entsprechende
Medienberichte wurden der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen
bestätigt. Demnach soll Eralp bei der Berliner Polizei um die Überprüfung
ihres Sicherheitsstatus gebeten haben. Die Prüfung habe aufgrund der
aktuellen Konstellation eine konkrete Bedrohungslage ergeben, hieß es.
Hintergrund ist einerseits, dass auf Social-Media-Kanälen zu einer
Kundgebung vor dem Tagungsort – gegen „Wähler:innenverrat“ und für
„konsequente Palästinasolidarität und Vergesellschaftung“ aufgerufen wird.
In Verbindung mit einem [3][Bericht des Spiegels, der am Donnerstag für
Wirbel gesorgt hatte], sehen die Behörden Anlass für den Schutz von Eralp.
Nach dem Bericht sieht die Linke-Politikerin die Sicherheit ihrer Familie
in Gefahr, wenn sie sich explizit zu einem bekannten Palästina-Aktivisten
und Terrorsympathisanten äußert – zu dem wiederum Linke-Mitglieder Kontakt
hatten. Dem Spiegel zufolge geht Eralps Befürchtung aus internen
Anmerkungen zu einem Interview hervor, das das Magazin mit ihr geführt hat.
Der Interviewtext wurde demnach von Eralps Büro versehentlich samt interner
Kommentare an den Spiegel zurückgeschickt.
Bisher lagen dem Berliner Landeskriminalamt (LKA) nach
Spiegel-Informationen, die der dpa bestätigt wurden, keine Hinweise auf
eine konkrete Gefährdung für die Politikerin vor. Darum erteilte das LKA
ihr auch keine entsprechende Warnung, wie es auch Sicherheitskreisen hieß.
Wie auch mit den anderen Spitzenkandidaten der Wahl zum Berliner
Abgeordnetenhaus gab es aber Sicherheitsgespräche. Dabei wurden
standardisierte und generelle Hinweise zur Risikominimierung gegeben, wie
das bei Spitzenpolitikern üblich ist, wie es hieß. Der bekannte
Palästina-Aktivist Ibrahim Ibrahim war demnach in dem Gespräch kein Thema.
Generellen Personenschutz erhalten in Berlin nur zwei Mitglieder des
Senats: der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin
Iris Spranger (SPD).
31 Oct 2026
## LINKS
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Jetzt muss sie die Gelegenheit nutzen, Hamas-nahen Kräften den Kampf
anzusagen.