# taz.de -- Wahlen in Israel: Netanjahu vorn, Regierungsblock hinten
> Netanjahus Partei Likud gewinnt zwar die meisten Stimmen, der
> Regierungsblock selbst verliert jedoch massiv. Die arabischen Parteien
> gewinnen deutlich.
(IMG) Bild: Liegt vorn in den Hochrechnungen: Netanjahu. Doch wird ihm das zur erneuten Regierungsmacht verhelfen?
Der Block der derzeitigen Regierung in Israel hat massiv an Stimmen
eingebüßt. 64 Sitze in der Knesset hielt diese Koalition aus rechten,
religiösen und rechtsextremen Parteien bisher. Benjamin Netanjahu erreicht
allerdings nach bisherigen Berechnungen die meisten Stimmen. Die von den
verschiedenen TV-Sendern in Israel veröffentlichen Hochrechnungen weichen
teils deutlich voneinander ab; in diesen zwei Kernangaben sind sie sich
allerdings einig.
Der öffentlich-rechtliche Sender Kan berichtet von 25 Sitzen für die
Likud-Partei des amtierenden Premiers Benjamin Netanjahu. Auf dem zweiten
Platz folgt der in den Umfragen vor der Wahl meist vorn gesehene Gadi
Eisenkot mit seiner Partei Jaschar; er kommt auf 21 Sitze. Bei den Sendern
Kanal 12 und 13 kommt Jaschar auf etwas mehr Sitze; beim Sender i24 liegt
der Likud mit 27 Sitzen noch mal deutlich weiter vorne, Eisenkot ganze
sieben Sitze hinter ihm.
Das Ergebnis ist also denkbar kompliziert: Netanjahu und seine Partei
liegen zwar vorn, ihnen fehlt aber definitiv die Koalitionsmehrheit. Auch
die zionistischen Oppositionsparteien verfehlen die Mehrheit. 61 von 120
Sitzen bräuchten die Blöcke jeweils, um eine Mehrheitsregierung bilden zu
können. In den Hochrechnungen kommt der Netanjahu-Block auf etwa 50 Sitze;
der Oppositionsblock auf 52 bis 53 Sitze.
Wer wird nun mit der Regierungsbildung beauftragt? Das kann Präsident
Jitzchak Herzog nun entscheiden: Wählt er den Anführer des mit mehr Stimmen
aus der Wahl gegangenen Oppositionsblockes, also Eisenkot? Oder den Mann
mit den meisten Stimmen, also Netanjahu?
Eisenkot selbst erklärte: Die Ergebnisse zeigten einen „absoluten
Vertrauensverlust“ in die Regierungskoalition und einen „Sieg für Israels
zionistische, nationale Mehrheit.“ Er werde „sofort daran arbeiten, die
Entscheidung der Menschen“ umzusetzen und die Regierung Netanjahus zu
ersetzen.
## Keine Mehrheit selbst mit arabischer Partei Ra'am
In jedem Fall dürfte sich die Koalitionsbildung nicht einfach gestalten.
Eine vor der Wahl viel diskutierte Möglichkeit ist, dass der zionistische
Oppositionsblock – entgegen der Ankündigung mancher ihrer Parteiführer –
doch [1][eine Koalition mit der arabischen Partei Ra’am eingeht]. Diese
kommt in den Hochrechnungen bisher auf 7 Sitze – das reicht nicht, um den
Oppositionsparteien mit ihren 50 bis 52 über die 61-Sitze-Grenze zu
verhelfen.
Die arabischen Parteien sind wohl einer der deutlichen Gewinner in dieser
Wahl. Ra’am konnte sich von 5 auf wohl 7 Sitze steigern. Die andere
arabische Wahlliste, die Joint List, erreicht Hochrechnungen zufolge 10 bis
11 Sitze. Bei der letzten Wahl 2022 kam die Wahlliste Hadasch-Ta’al auf
gerade einmal 5 Sitze. Die Partei Balad, die nun gemeinsam mit
Hadasch-Ta’al Teil der Joint List ist, war 2022 aus der Knesset geflogen.
Die Wahlbeteiligung ist in diesem Jahr deutlich höher als 2022: Um 20 Uhr
[2][hatten etwa 74 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben].
2022 waren es etwa 8 Prozentpunkte weniger. Nach Wahlorten aufgeschlüsselte
Ergebnisse sind bislang nicht zuverlässig verfügbar, doch die Zahl der
arabischen Wählerinnen und Wähler dürften zugelegt habe.
27 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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