# taz.de -- USA beschießen Ziele in Iran: Der nächste Irankrieg steht vor der Tür
       
       > Ob die USA diese Tür öffnen, dürfte sich nach den Midterm-Wahlen zeigen.
       > Aufgerüstet wird massiv, jetzt wurde auch eine iranische Insel
       > beschossen.
       
 (IMG) Bild: Von Urlaub wird dringend abgeraten: Der ölverschmutzte Strand von Keschm, hier im August 2026
       
       Es war der erste bestätigte US-Angriff in Iran seit Anfang September:
       Mehrere Geschosse wurden in der Nacht zum Dienstag auf [1][die iranische
       Insel Keschm] in der Straße von Hormus abgefeuert, die größte Insel im
       Persischen Golf. Getroffen wurde nach Angabe des US-Präsidenten Donald
       Trump eine Luftabwehreinrichtung. Den Angriff begründete das US-Militär mit
       einem vorangegangenen Angriff Irans auf ein US-Flugzeug.
       
       Der Angriff kurz vor Beginn der Midterm-Wahlen in den USA am Dienstag ist
       [2][laut Wall Street Journal] nicht der erste dieser Art in den vergangenen
       Wochen. Bereits am Montag wurde von Explosionen auf Keschm berichtet; Ende
       Oktober von Explosionen in Teheran und im Norden des Landes. Ob es sich
       dabei um die nun berichteten kleineren US-Angriffe handelte, wurde
       allerdings nicht bestätigt.
       
       Ist das nun also der erneute Ausbruch des Krieges zwischen den USA, Iran
       und potenziell auch Israel? Auch wenn formal eine Waffenruhe gilt – Frieden
       ist seit dem Ausbruch des Kriegs Ende Februar 2026 nicht mehr eingekehrt.
       
       Das US-Militär blockiert die Ein- und Ausfahrt iranischer Schiffe in der
       Straße von Hormus seit Mitte Juli. Gleichzeitig haben immer mehr Schiffe
       aus anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs, den die Straße von Hormus
       mit den Weltmeeren verbindet, die Durchfahrt mit US-Unterstützung gewagt.
       Die [3][International Maritime Organisation] zählte im Oktober eine
       Rekordziffer von 31 Zwischenfällen; ein getroffenes Schiff sank.
       
       ## Konzessionsbereit ist weder Teheran noch Washington
       
       Aus diesem Grundrauschen könnte bald wieder ein heißer Krieg erwachsen.
       Indikatoren gibt es einige. So scheint der indirekte diplomatische Prozess
       zwischen den USA und Iran, mit Katar als Mediator, weiterhin an denselben
       Punkten zu stocken wie zuvor. Der Analyst Dennis Citrinowicz [4][schreibt
       auf X]: Weder Washington noch Teheran wollten eine erneute Kriegsrunde,
       doch keiner von beiden sei zu den nötigen Konzessionen bereit. Und damit
       wohl lieber bereit, die Risiken einer militärischen Konfrontation zu
       tragen.
       
       Außerdem wirkt die Blockade der Straße von Hormus im Sinne Washingtons – je
       länger, desto besser. Da durch den Stopp des Ölhandels kaum mehr Devisen
       aus dem Ölexport an Iran fließen, entwertet die iranische Währung Rial
       immer weiter. Der Wechselkurs hat ein Allzeittief erreicht: 2,72 Millionen
       Rial kostet 1 US-Dollar. Im Dezember 2025 waren es etwa 1,5 Millionen pro
       US-Dollar.
       
       Der zweite Indikator ist die anhaltende Verlagerung von US-amerikanischem
       Equipment und Truppen Richtung Iran. Wer sich heute auf dem Gelände des
       Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv bewegt, sieht eine ganze Reihe von
       Betankungsflugzeugen aufgereiht. Auch aus Jordanien und Katar gibt es
       solche Berichte. Hinzu kommt die Marine: Rund 20 US-Kriegsschiffe befinden
       sich derzeit im Einsatzgebiet. Auch etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten
       der USA sind bereits in der Region stationiert.
       
       Weitere Verstärkung ist auf dem Weg: Der Flugzeugträger „[5][USS Theodore
       Roosevelt]“ verließ Ende September die USA und soll Ende November nahe Iran
       eintreffen. Außerdem ist eine amphibische Einsatzgruppe mit über 2.000 Mann
       auf dem Weg, sie soll ebenfalls Ende November ankommen. Diese Gruppe könnte
       unter anderem auf Inseln landen. Der massive Aufbau erinnert an den Vorlauf
       des Irankriegs im Frühjahr.
       
       Der dritte Indikator sind die beteiligten Politiker selbst: Washington hat
       Berichten zufolge bereits die Golfstaaten informiert, dass es nach den
       Midterms eine „Kampagne“ geben werde. Israels Noch-Premier Benjamin
       Netanjahu lobbyierte bereits vor der Wahl in Israel am 27. Oktober für
       einen erneuten Angriff der USA auf Iran. Nun, da seine bisherige Koalition
       keine Parlamentsmehrheit geholt hat, dürfte sein Interesse daran wachsen.
       
       Ein erneuter heißer Krieg mit Iran steigert die Chancen für ein
       Kriegskabinett in Israel und die Bildung einer Einheitsregierung der
       größten Parteien – an der Bibi wohl wieder beteiligt wäre. Der Weg der
       Eskalation ist vorgezeichnet.
       
       3 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Qeshm_Island
 (DIR) [2] https://www.wsj.com/world/middle-east/u-s-strikes-irans-qeshm-island-as-trump-talks-down-war-risks-79d73d3d
 (DIR) [3] https://www.imo.org/
 (DIR) [4] https://x.com/citrinowicz/status/2024367336032206972
 (DIR) [5] https://www.airpac.navy.mil/organization/uss-theodore-roosevelt-cvn-71/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
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