# taz.de -- Ilse Aigner als Bundespräsidentin: Merz’ Schwäche macht auch Scheindebatten relevant
> Die CSU sieht ihre Kandidatin schon fast im Schloss Bellevue. Ein Problem
> dabei ist, dass der Kanzler zu schwach ist, um Größe zu zeigen.
(IMG) Bild: Soll der rote Blazer Überparteilichkeit signalisieren? Ilse Aigner beim CSU-Parteitag
Auf dem CSU-Parteitag durfte Ilse Aigner schon mal aufstehen und in die
Menge winken. Spätestens nach dieser mit Bravour erfüllten Aufgabe hat sich
die bayrische Landtagspräsidentin hervorragend für das Amt der
Bundespräsidentin qualifiziert. Der demonstrative Applaus für sie tat sein
Übriges, um ihre Eignung für das Amt zu untermauern. Dass der Jubel aus den
Reihen der CSU-Delegierten stammte und damit nur einen kleinen Teil der
Bevölkerung abbildete, passt nicht ins bayerische Selbstbild – und soll
deshalb auch an dieser Stelle keine Rolle spielen.
Schließlich geht es bei der Wahl zum Bundespräsidenten auch nicht wirklich
darum, eine ehrliche Debatte darüber zu führen, welche Bedeutung dem formal
höchsten Amt in der Bundesrepublik in den kommenden Jahren zukommt. Die
großen Fragen, die in Zusammenhang mit dem Namen Aigners schon länger
kursieren, haben mit etwas anderem zu tun: damit, wie [1][Kanzler Friedrich
Merz] (CDU) auf den Vorschlag aus der Schwesterpartei reagiert.
Diese Frage prägt in der Regierung seit Monaten jedes andere Thema
unterschwellig mit. Fast immer heißt es: Ist der Kanzler stark genug? In
der [2][Diskussion über das Bundespräsidentenamt] zeigte sich das am
süffisanten Applaus, mit dem Merz beim CSU-Parteitag bedacht wurde, als er
den Namen Aigners nur kurz erwähnte. Er steckt wieder einmal in der Klemme.
Merz ist so unbeliebt in seinen eigenen Reihen, dass er keine Größe mehr
demonstrieren kann.
Denn selbst wenn der Kanzler versuchen würde, der CSU ihre Kandidatin zu
gewähren und die Unionsparteien hinter Ilse Aigner zu versammeln – es würde
ihm als Schwäche ausgelegt werden. Die Frage stünde unverändert im Raum:
Sollte die CDU nicht den Anspruch an sich haben, eine eigene Kandidat:in
für das Amt zu nominieren? Ein positiver Nebeneffekt ist, dass der Kanzler
durch seine Schwäche der Diskussion um das Bundespräsidentenamt zu einer
größeren Relevanz verhilft. Doch für ihn selbst dürfte das in der Rolle nur
ein schwacher Trost sein.
25 Oct 2026
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