# taz.de -- Eine weitere Frau wird gehandelt: Wer wird neue:r Bundespräsident:in?
       
       > Die Diskussion über die Nachfolge von Steinmeier nimmt Fahrt auf. Ein
       > neuer Name ist aufgetaucht. Das veranlasst den Kanzler zu einer
       > Klarstellung.
       
 (IMG) Bild: Als mögliche Nachfolgerin von Bundespräsident Steinmeier im Gespräch: Ines Claus, hier beim CDU-Parteitag in Stuttgart
       
       dpa | Bundeskanzler Friedrich Merz sieht weiterhin mehrere mögliche
       Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident
       Frank-Walter Steinmeier und bekräftigt gleichzeitig den Anspruch der CDU
       auf das Vorschlagsrecht. Das wurde am Rande seiner Asienreise aus seinem
       Umfeld klargestellt, nachdem Medien berichtet hatten, er favorisiere die
       hessische Fraktionschefin [1][Ines Claus].
       
       Bisher habe Merz „weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag
       unterbreitet“, wurde in der Umgebung des Kanzlers und CDU-Vorsitzenden
       betont. Es gelte weiterhin, dass die CDU als stärkste Kraft in der
       Bundesversammlung „den Anspruch hat, einen Kandidaten oder eine Kandidatin
       zu stellen“. Es gebe „eine Reihe von geeigneten“ Optionen.
       
       Der Anspruch der CDU-Führung war bereits kurz vor [2][dem CSU-Parteitag] in
       München am vergangenen Wochenende kommuniziert worden. CSU-Chef Markus
       Söder hatte trotzdem sich auf offener Bühne und unter tosendem Beifall der
       Delegierten für die [3][bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner]
       ausgesprochen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat sich inzwischen
       hinter diesen Vorschlag gestellt.
       
       ## Wadephul fordert Zurückhaltung in der Bundespräsidenten-Debatte
       
       Außenminister Johann Wadephul hat dringend dazu aufgerufen, sich mit
       Äußerungen über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
       zurückzuhalten. „Es gibt keinen Anlass zu Hektik, und es nützt weder dem
       Amt noch den potenziellen Kandidaten, wenn es dazu jetzt öffentliche
       Wortmeldungen gibt“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur
       in Berlin nach einer Konferenz der Kreisvorsitzenden aus seinem
       CDU-Heimatverband Schleswig-Holstein, die er geleitet hatte.
       
       Die dringende und verständliche Bitte seiner Kolleginnen und Kollegen sei
       es, „dass wir in Berlin mit Ruhe und Zuverlässigkeit Regierungsarbeit
       zeigen und organisieren“. Das bedeute in der Bundespräsidentendebatte,
       „dass die Entscheidungsprozesse jetzt im Hintergrund professionell ablaufen
       können und müssen und dass unnötige Wortmeldungen unterbleiben“. Es sei im
       politischen Prozess eine der schwierigsten Aufgaben, Konsens für das Amt
       der Bundespräsidentin oder der Bundespräsidenten herzustellen. „Aber es ist
       möglich, und wir sollten uns jetzt dafür die notwendige Zeit nehmen.“
       
       Wadephul äußerte sich irritiert über Wortmeldungen auch aus dem Ausland.
       „Bisher war es gute Sitte, dass derartige Prozesse nicht aus dem Ausland
       kommentiert werden, sondern dass wir hier eine innenpolitische Debatte im
       Inland miteinander führen.“ Wen er meinte, sagte Wadephul nicht
       ausdrücklich. Der Grünen-Spitzenpolitiker Omid Nouripour und
       Ex-Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatten sich allerdings am
       Rande der [4][laufenden China-Reise Steinmeiers] zu dem Thema geäußert.
       
       Für die Union sei von entscheidender Bedeutung, dass das höchste Staatsamt
       nicht beschädigt, sondern mit einer Persönlichkeit besetzt werde, die die
       notwendige Integrationskraft entfalten könne, sagte Wadephul. „Wir erleben
       in vielen europäischen Gesellschaften, dass sie auseinanderfallen. Und wir
       wissen auch, dass es Kräfte in Deutschland gibt, die auf Spaltung setzen“,
       warnte er, ohne etwa die AfD zu nennen. „Deswegen wird es jetzt wichtig
       sein, eine Person zu finden, die zusammenführen kann.“
       
       Dies könnten die Parteichefs von CDU und CSU, Kanzler Friedrich Merz und
       Markus Söder, „nur dann leisten, wenn alle ihnen dazu den notwendigen Raum
       geben“. Er sei sicher, dass Merz einen Vorschlag machen werde, der eine
       sehr breite Unterstützung in der Bundesversammlung finden könne.
       
       ## Mehrere CDU-Frauen im Gespräch
       
       Aus der CDU werden Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin
       Karin Prien und die frühere Parteichefin und Verteidigungsministerin
       Annegret Kramp-Karrenbauer als mögliche Kandidatinnen genannt. Auch der
       hessische Ministerpräsident Boris Rhein ist im Gespräch. Am Dienstag kam
       über einen Bericht der Rheinischen Post mit der hessischen Fraktionschefin
       Ines Claus ein neuer Name hinzu.
       
       Über die Steinmeier-Nachfolge stimmt am 30. Januar die Bundesversammlung
       ab, in der die Koalition aus Union und SPD eine Mehrheit von etwa 50
       Stimmen hat. Die Entscheidung in der Kandidatur soll in den nächsten Wochen
       fallen.
       
       ## Merz will „geordneten Prozess“
       
       „Der Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende hat ein Interesse an einem
       geordneten Prozess“, heißt es zum weiteren Zeitplan aus der Umgebung von
       Merz. Der „erste Zielpunkt“ seien die Sitzungen des CDU-Präsidiums und
       -Vorstands am 9. November. Bis dann würden Gespräche mit den
       Landesvorsitzenden der CDU, aber auch mit der CSU geführt.
       
       Nach den Sitzungen der Parteigremien würden die Gespräche um den
       Koalitionspartner SPD erweitert. „Die wissen, dass das Vorschlagsrecht bei
       der CDU liegt.“ Und „natürlich“ werde auch mit den Grünen gesprochen, „da
       die Bundespräsidentenwahl breit abgefedert sein sollte im demokratischen
       Spektrum“.
       
       Möglicherweise sei „die Aufgeregtheit, die momentan herrscht, ein Teil des
       normalen Verfahrens“, heißt es im Umfeld des Kanzlers weiter. „Aber zur
       übergeordneten Zielsetzung in diesem normalen Verfahren gehört, dass der
       Prozess sich an Terminen orientiert, an Gesprächen orientiert.“
       
       28 Oct 2026
       
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