# taz.de -- Auf der Suche nach Partnerschaften: Steinmeier und Merz reisen nach Asien
> Bundespräsident Steinmeier bricht zu seinem zweiten Staatsbesuch nach
> China auf. Gleichzeitig reist Kanzler Merz in die Nachbarschaft des
> Riesenreichs. Ist das Zufall?
(IMG) Bild: Steinmeier und Büdenbender auf dem Weg nach China: Es geht um die systemischen Wirtschafts- und Handelsfragen, nicht um Vertragsabschlüsse für deutsche Unternehmen
dpa | Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier sind zu mehrtägigen Reisen nach Asien aufgebrochen. Am Morgen
startete Steinmeier zu einem viertägigen Staatsbesuch nach China. Nur fünf
Stunden später hob Merz vom Berliner Flughafen ab und begann seine bisher
längste Auslandsreise als Kanzler. Seine erste Station ist der reiche
Stadtstaat Singapur, anschließend geht es weiter nach Japan und Südkorea.
Es sind zwei Reisen zu sehr unterschiedlichen Partnern. Steinmeier besucht
[1][mit China] den mit Abstand wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands
in Asien. Das von der Kommunistischen Partei autoritär geführte Land gilt
aber gleichzeitig als Wettbewerber und Systemrivale. Die drei Länder, die
Merz besucht, zählen dagegen zu den gleichgesinnten Partnern auf den
Kontinent. Mit Japan ist Deutschland über die G7 der demokratischen
Wirtschaftsmächte am engsten verbunden.
Erst am späten Freitagabend kehrt Merz nach Berlin zurück, kurz darauf auch
Steinmeier. In Regierungskreisen wird Wert darauf gelegt, dass es keinen
direkten Zusammenhang zwischen den beiden Reisen gibt. Also die eine findet
nicht wegen der anderen statt. Die Merz-Reise sei eine „im eigenen Recht“,
heißt es aus dem Kanzleramt. Trotzdem haben sich die beiden Seiten eng
abgestimmt.
## Merz will Abhängigkeit von China verringern
Für Merz ist es die dritte [2][Asien-Reise als Kanzler.] Er hatte sich im
Januar – anders als seine Vorgänger Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel
(CDU) – dafür entschieden, mit Indien das bevölkerungsreichste Land der
Welt noch vor China zu besuchen, wo er sich dann erst wenige Wochen später
blicken ließ. Ein klares Zeichen, dass er die wirtschaftliche Abhängigkeit
Deutschlands von [3][der Großmacht China] bei den Exporten, aber vor allem
beim Import wichtiger Rohstoffe verringern will.
Dieser sogenannten Diversifizierung dient jetzt auch seine dritte
Asien-Reise. Sie sei als Investition in die Partnerschaften mit den Staaten
der Region und „in eine gemeinsame geteilte Vorstellung von internationaler
Ordnung“ zu verstehen.
## Besuch an der Grenze zu Nordkorea
In Singapur wird der Kanzler neben seinen politischen Gesprächen eine
Grundsatzrede zur Asienpolitik der Bundesregierung halten. In Japan und
Südkorea steht die Teilnahme an Wirtschaftskonferenzen auf seinem Programm.
Von der südkoreanischen Hauptstadt Seoul aus wird er zudem einen Abstecher
in die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea machen.
Merz wird von 30 Top-Managern begleitet. Unter anderem sind die Chefs von
Siemens, Telekom, Henkel, aber auch von Rüstungsunternehmen wie Airbus
Defense and Space und Quantum Systems dabei.
Es sollen mehrere Unternehmensabkommen, aber auch Vereinbarungen zwischen
den Regierungen unterzeichnet werden – etwa zu künstlicher Intelligenz,
Infrastruktur und kritischen Rohstoffen.
Ein zweiter Schwerpunkt neben der Wirtschaft wird die Sicherheitspolitik
sein – vor allem in Japan. Das Land zählt trotz der großen Entfernung zu
den Unterstützern der Ukraine und verfügt über die für die Luftverteidigung
so wichtigen Patriot-Systeme.
## Abschluss zahlreicher Asien-Reisen für Steinmeier
Für Steinmeier ist der viertägige Staatsbesuch in China Abschluss und
zugleich Höhepunkt seiner zahlreichen Asien-Reisen der vergangenen Jahre.
Allein in seiner zweiten Amtszeit besuchte er rund zehn asiatische Staaten,
auch Singapur, Japan und Südkorea, wohin jetzt der Kanzler fliegt.
Regelmäßig warb er dabei für Deutschland und Europa als fairen und
verlässlichen Partner – politisch wie wirtschaftlich – und als Garanten für
eine regelbasierte internationale Ordnung. Deutschland und Europa stünden
bereit, wenn die asiatischen Staaten einseitige Abhängigkeiten vom großen
Nachbarn China abbauen wollten, lautete Steinmeiers Botschaft.
Fairness in den Wirtschafts- und Handelsbeziehungen wird auch ein zentrales
Thema bei Steinmeiers Gesprächen in Peking sein, außerdem die künftige
Rolle der Weltmacht China in den internationalen Beziehungen. Bei der
Verleihung der Ehrenprofessur an der Universität Peking am Donnerstag will
er dazu eine Grundsatzrede halten, am Tag darauf will er darüber mit Chinas
Präsidenten Xi Jinping reden.
## Steinmeier will in China für ausbalancierte Beziehungen werben
„Wir wollen nicht Abkopplung von China, sondern wir wollen enge und
belastbare wirtschaftliche Beziehungen, aber eben solche, die im Interesse
beider Seiten sind“, heißt es im Bundespräsidialamt. „Deswegen müssen
Ungleichgewichte abgebaut werden.“
Steinmeier geht es um die systemischen Wirtschafts- und Handelsfragen,
nicht um Vertragsabschlüsse für deutsche Unternehmen. Deshalb nimmt er
keine Wirtschaftsdelegation mit nach China, dafür aber Peter Leibinger, den
Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, sowie Dirk
Jandura, den Präsidenten des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und
Dienstleistungen.
## Enge Abstimmung mit Bundesregierung und EU-Kommission
Eng abgestimmt hat sich der Bundespräsident den Angaben zufolge außer mit
dem Kanzler auch mit Handelskommissar Maroš Šefčovič. Dieser hatte soeben
in Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao eine Drosselung
chinesischer Exporte von Hybridautos nach Europa erreicht. Steinmeier reise
„nicht nur als deutsches Staatsoberhaupt nach China, sondern als Europäer“,
wird im Bundespräsidialamt betont. Um dies deutlich zu machen, nimmt er
auch die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), mit
auf die Reise.
26 Oct 2026
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