# taz.de -- CSU-Parteitag in München: Alle für Ilse
       
       > Nach einer bemerkenswert unsöderhaften Rede feiert die CSU auf ihrem
       > Parteitag Markus Söder – besonders wegen eines Satzes.
       
 (IMG) Bild: Seltenes Bild: Markus Söder steht mal nicht im Vordergrund, sondern Ilse Aigner
       
       Der CSU-Chef hat schon über eine Stunde gesprochen, als der Satz fällt, auf
       den die Delegierten in der Halle C6 auf dem Münchner Messegelände gewartet
       haben. Dass er ihn dann ein bisschen verstolpert, tut der Stimmung keinen
       Abbruch: „Die Entscheidung wird woanders gefällt“, sagt Markus Söder am
       Freitagnachmittag auf dem Parteitag der CSU. „Aber ich würde es mir von
       Herzen gönnen, wenn Ilse Aigner Bundespräsidentin würde.“ Bis dahin hatten
       die Delegierten ihrem Chef während seiner kämpferischen Rede stets
       freundlich applaudiert, doch in diesem Moment bricht es aus den Delegierten
       heraus, die Halle jubelt. Aigner steht auf, winkt den Delegierten zu.
       „Macht das morgen noch mal“, empfiehlt Söder seinen Leuten. Am
       Samstagmittag steht der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem
       Programm.
       
       Es ist der Höhe- und Schlusspunkt einer bemerkenswerten Rede. Eine Rede,
       die sich abhob von der Masse der Söder-Reden, wie man sie von Parteitagen,
       Bierzeltauftritten, Aschermittwoch und Landtag kennt. Eine Rede, die Söders
       zuletzt deutlich spürbares Bemühen um mehr Seriosität und – so seltsam das
       Wort im Kontext mit der Person Söders klingen mag – Bescheidenheit
       unterstreicht.
       
       Es beginnt schon, bevor Söder ans Mikrophon tritt. Auf dem Screen hinter
       der Bühne sieht man kein Söder-Imagefilmchen, für das jemand zu schmissiger
       Musik Bilder Söders in Manier eines Popstars aneinander geschnitten hat. So
       war das früher. Stattdessen jetzt kein einziges Bild von Söder, sondern
       Nachrichtenfetzen aus aller Welt – von den Unruhen in Frankreich und
       Italien, den Koalitionsgesprächen in Berlin, den Machthabern in Russland,
       China und den USA et cetera. Am Ende der Satz: „In unruhigen Zeiten wie
       diesen ist es gut, wenn es einen Platz der Sicherheit und Stabilität gibt –
       und das ist Bayern.“ Von Söder kein Wort.
       
       ## „Wo ist die Brandmauer nach links?“
       
       Auch Söder selbst spricht dann erstaunlich wenig von sich, wählt meistens
       das Pronomen „wir“. Auch die üblichen Witzchen auf Kosten anderer verkneift
       er sich, gibt sich als selbstkritischer Teamplayer. Er sei dankbar für die
       Kritik, die er nach den vergeigten Kommunalwahlen aus der eigenen Partei
       bekommen hatte. „Keiner ist unfehlbar und ich besonders nicht“, sagt Söder.
       Und: „Wir müssen echt zusammenhalten. Wir sind nur gemeinsam stark.“
       
       Inhaltlich freilich ist Söders Rede kaum überraschend: Er spricht viel über
       die politischen Ränder, über Linkspartei und AfD. Deutschland befinde sich
       mitten im Orkan. „Die blaue Welle rollt, die rote Front kommt.“ Die CSU sei
       nicht bereit, „Deutschland den Radikalen zu überlassen“. Söder warnt vor
       einer linksgeführten Regierung in Berlin. Die dortige Linkspartei sei „eine
       böse Linke“, warnt er und fragt: „Wo ist denn eigentlich die Brandmauer
       nach links?“
       
       Wenn Söder über Berlin spricht, ist der Länderfinanzausgleich nicht weit.
       Natürlich kommt er auch jetzt auf ihn zu sprechen. Er tue „höllisch weh“,
       sagt Söder. Schließlich gingen der größte Teil der Gelder nach Berlin, vier
       Milliarden Euro im Jahr. Bayern werde mit Baden-Württemberg und Hessen eine
       Extremismusklausel im Länderfinanzausgleich beraten, die verhindere, dass
       von einer radikalen Partei regierte Länder von den Geberländern alimentiert
       würden.
       
       ## CSU-Chef warnt vor Märtyrerstatus der AfD
       
       Das beträfe dann auch Sachsen-Anhalt, falls dort die AfD die Regierung
       stellen sollte. Mit ihr geht Söder ebenso harsch ins Gericht wie mit der
       Linkspartei. „Wir wollen keine Kremlknechte an der Macht in Deutschland.“
       Für die AfD sei die Union der Hauptfeind: „Die wollen uns ersetzen.“ Der
       Begriff der Brandmauer sei zwar abgebrannt. „Aber es gibt keine Normalität
       im Umgang. Die AfD ist keine normale demokratische Partei.“ Söder warnt
       jedoch erneut vor einem Verbotsverfahren gegen die überwiegend
       rechtsextreme Partei. Dies löse das Problem nicht, verschaffe der AfD
       lediglich einen Märtyrerstatus. „So weh es tut: Wir müssen uns demokratisch
       wehren.“
       
       Natürlich fehlen auch Klassiker wie die Erbschaftsteuer, die nicht steigen
       dürfe, oder die Bürgerversicherung, die es gar nicht erst geben dürfe,
       nicht. Auch nicht der Hinweis auf Bayerns Spitzenposition in diversen
       Bereichen. „Die Wahrheit ist: Bei uns ist die Welt eigentlich noch in
       Ordnung. Wir sind der Herzmuskel Deutschlands.“ Bayern habe die solidesten
       Finanzen, die wenigsten Arbeitslosen und die niedrigste Armutsquote. Bayern
       sei aber beispielsweise auch eine Space-Nation. „Franz Josef Strauß wäre
       stolz auf uns“, sagt Söder und bekennt im Nebensatz, schon als Kind in
       Star-Wars-Bettwäsche geschlafen zu haben.
       
       Söder wirft seinem Publikum auch mal die eine oder andere gewagte Metapher
       entgegen. So ruft er: „Wir sind die Schutzpatrone der Mütter in Bayern und
       Deutschland.“ Und wünscht sich, dass die Olympiaringe bald in Weiß-Blau
       erstrahlen. Und dass Bayerns Schüler am Ende des Schuljahres die
       bayerische, deutsche und europäische Hymne singen müssen – findet der
       CSU-Chef nach wie vor eine großartige Sache.
       
       ## „Wir müssen die Nummer eins werden“
       
       An die Union gerichtet, fordert Söder: „Wir müssen die Nummer eins werden.“
       Wenn CDU und CSU diesen Anspruch aufgäben, wäre dies das Ende der Union.
       Dazu müsse man dem Volk aufs Maul schauen, Koalitionen mit dem Volk
       eingehen. „Wer am Volk vorbeiredet, muss sich nicht wundern, wenn das Volk
       vorbeiwählt.“
       
       Als Söder nach etwa 70 Minuten seine Rede beendet, springen die Delegierten
       auf. Der Applaus dürfte gleichermaßen dem Vorsitzenden wie auch
       Landtagspräsidentin Aigner gelten. Die steht in der ersten Reihe und
       klatscht. Und lächelt selig.
       
       24 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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