# taz.de -- FAQ zum AfD-Leak: Wie es jetzt weitergeht
> Hacker haben Hunderttausende Mails der AfD veröffentlicht. Erste Vorwürfe
> klären sich, es kursieren auch falsche Informationen. Was wir wissen und
> was nicht.
(IMG) Bild: A. Gauland bei der Digitalrecherche
Was verbirgt sich hinter dem AfD-Leak?
[1][Durch einen Hackerangriff sind eine große Menge Daten von der AfD] an
die Öffentlichkeit geraten. Hacker haben sich Zugang zu den Servern eines
Dienstleisters der Partei verschafft. Daraus haben sie einen 280 Gigabyte
großen Datensatz veröffentlicht, der etwa 420.000 E-Mails aus zehn
Postfächern enthalten soll. Es geht dabei um interne Kommunikation, unter
anderem soll sie von Accounts der Bundesgeschäftsstelle der Partei, dem
Bundesschiedsgericht aber auch von verschiedenen prominenten Mitgliedern
stammen – darunter Alexander Gauland, Leif-Erik Holm und [2][Alice Weidel].
Kann jetzt jede:r die Mails lesen?
Theoretisch ist es möglich, den Datensatz herunterzuladen. Wegen seiner
Größe dauert das allerdings mehrere Stunden. Auch besteht die Gefahr, sich
Viren oder andere Schadprogramme auf den Rechner zu laden. Mittlerweile
gibt es verschiedene Webseiten, auf denen sich die Daten durchsuchen und
öffnen lassen, ohne sie selbst herunterladen zu müssen.
Was steht drin?
Die veröffentlichten Mails mit ihren Anhängen stammen aus dem Zeitraum März
2013 bis September 2026 und decken damit fast die gesamte Geschichte der
AfD seit ihrer Entstehung ab. Viele Inhalte zeigen das alltägliche Geschäft
einer Partei. Es handelt sich um Hotelbuchungen, Einladungen zu
Veranstaltungen oder Presse-Briefings. Auch Protokolle zu Konferenzen,
Kontoauszüge, Ausweiskopien, Strategiebesprechungen oder private Fotos sind
darunter.
Erste Recherchen zeigen, dass der Ton, die Sprache und die Inhalte der
Kommunikation zu einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei passen:
Rassistische Sprüche stehen neben NS-Referenzen, mögliche Parteiausschlüsse
werden diskutiert, Reisen nach Russland geplant und der Umgang mit
Parteispenden diskutiert.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch nur ein Bruchteil der Daten gesichtet,
geprüft und ausgewertet. Viele verschiedene journalistische Medien setzen
Teams ein, um tiefer in die Recherche einzusteigen. Auch die taz arbeitet
mit den Daten.
Wissen wir, dass alles echt ist?
Die AfD bestätigte diese Woche den Leak und sagte, dass nur wenige und
ältere Postfächer betroffen seien. Anfragen zur Echtheit der Inhalte ließ
die Partei unbeantwortet. Sie selbst bezeichnet die Daten als „unwichtiges
Zeug“, spielt den Leak also herunter.
Die Überprüfung durch Journalist:innen und Expert:innen dauert
derweil noch an und wird aufgrund der großen Datenmenge auch noch einige
Zeit in Anspruch nehmen. Schon jetzt kursieren in jedem Fall gefälschte
Mails, die vielfach weiterverbreitet werden. So soll ein
AfD-Landtagsabgeordneter aus Nordrhein-Westfalen eine Mail geschrieben
haben mit dem Wortlaut: „Die Geburtstage großer deutscher Männer wie Adolf
Hitler“ gehörten zur deutschen Geschichte und „sollten nicht tabuisiert
werden“. Diese Mail findet sich allerdings nicht im Datensatz.
Wer steckt hinter dem Hack?
Die Personen hinter dem Angriff sich nicht bekannt. Sich selbst bezeichnet
die Hackergruppe als „Hexane“, sie soll aus zwei Personen bestehen. [3][In
Interviews] sagen sie, dass sie nicht staatlich finanziert seien, keiner
bekannten Gruppe oder Partei angehörten und kein Geld für den Angriff
bekämen. Sie wollten kein Geld erpressen mit ihrem Angriff, ihnen ginge es
um Gerechtigkeit.
War der Hack legal?
Nein, die Hacker haben mit ihrem Angriff eine Straftat begangen.
Kann man trotzdem mit ihm arbeiten?
Obwohl das Material illegal beschafft wurde, sagt es noch nichts darüber
aus, wie es verwendet werden kann. Ob eine Verwendung legal ist, hängt
davon ab, um wen es geht. Journalist:innen dürfen die Daten
herunterladen, sie durchsuchen und lesen. Ob sie daraus veröffentlichen
dürfen, lässt sich nicht grundsätzlich sagen. Ob das Veröffentlichen von
Informationen aus dem Hack „im überragenden Interesse der Allgemeinheit“
sind, erfordert eine juristische Entscheidung im Einzelfall.
Verfassungsgericht, Polizei oder Staatsanwaltschaften dürfen Daten, die sie
illegal beschafft haben, nicht vor Gericht als Beweise nutzen. Da in diesem
Fall aber Unbekannte ohne staatlichen Auftrag die Daten veröffentlicht
haben, können Gerichte grundsätzlich mit ihnen arbeiten, so die
Einschätzung verschiedener Jurist:innen.
Ob Privatpersonen die Daten herunterladen dürfen, ist juristisch nicht
eindeutig.
Liefert das Datenleak Material für ein mögliches AfD-Verbotsverfahren?
Bisher ist nicht klar, [4][ob in den Mails relevante Informationen für ein
Verbotsverfahren stehen], die über das hinausgehen, was der
Verfassungsschutz und die Gesellschaft für Freiheitsrechte gesammelt haben.
Die hatte vor einigen Monaten ein Gutachten vorgelegt mit dem Ergebnis:
[5][Die AfD könnte verboten werden, weil sie sich gegen die
freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet].
Ob strafrechtlich relevante Informationen oder neue schwerwiegende Inhalte
für ein Verbotsverfahren in den Leaks sind, werden die Recherchen der
kommenden Tage und Wochen zeigen.
22 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Geleakte-AfD-Mails-Folgen-jetzt-endlich-mal-Konsequenzen/!6223153
(DIR) [2] /Generaldebatte-im-Bundestag/!6211741
(DIR) [3] https://www.zeit.de/digital/internet/2026-10/hackerangriff-afd-e-mail-konten-datenleak-hexane/komplettansicht
(DIR) [4] /Geleakte-AfD-Mails-Folgen-jetzt-endlich-mal-Konsequenzen/!6223153
(DIR) [5] /Gutachten-zu-moeglichem-AfD-Verbotsantrag/!6190640
## AUTOREN
(DIR) Carolina Schwarz
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