# taz.de -- AfD in Mecklenburg-Vorpommern: AfD-Abgeordneter zeigt Neonazi-Geste im Schweriner Landtag
> Tommy Thormann ist schon in der Vergangenheit als Rechtsextremist
> aufgefallen. Im Landtag von MV knüpft er an seinem ersten Parlamentstag
> daran an.
(IMG) Bild: Neuparlamentarier mit Verfolgungsfantasien gegenüber politischen Gegner:innen: Tommy Thormann, AfD-Sprecher für Linksextremismus
Staatstragend wollte sich die AfD-Fraktion im Landtag von
Mecklenburg-Vorpommern im Vorfeld der konstituierenden Sitzung des
Parlaments geben. Ihr am Dienstag gescheiterter Kandidat für das Amt des
Landtagspräsidenten, Carlos Rodrigues, pries sich und die Seinen sogar als
Garant für „Deeskalation und Sachlichkeit“.
Was die AfD genau darunter versteht, zeigte noch am Dienstag ihr neu in den
Schweriner Landtag gewählter Abgeordneter Tommy Thormann. In einem kurzen
Instagram-Video dokumentierte der Ex-Soldat seine erste Sitzung im
Parlament, schwenkte zu den Grünen („die kotzen schon“), zur eigenen
Fraktion („schön voll, so gehört sich das“) – und zeigte abschließend stolz
die White-Power-Geste in die Kamera. Das Handzeichen wird von Neonazis
genutzt und steht für die angebliche Vorherrschaft einer „weißen Rasse“.
Thormann fiel schon in der Vergangenheit immer wieder durch rechtsextreme
Provokationen auf. Im Mai drohte der Mann vom völkischen Flügel bei einer
Veranstaltung in Sassnitz auf Rügen, die AfD werde, sobald sie die Macht
übernommen habe, politischen Gegner:innen die Polizei auf den Hals
hetzen. Nach der verpassten „Machtübernahme“ in Mecklenburg-Vorpommern bei
der Wahl am 20. September wurde Thormann in der neuen AfD-Fraktion dann
auch zum Sprecher für Linksextremismus befördert.
Die von Thormann selbst publik gemachte Neonazigeste während der
Parlamentssitzung sorgt am Mittwoch für Fassungslosigkeit bei den drei
demokratischen Fraktionen. „Da sitzen keine sachorientierten Abgeordneten,
die das Leben der Menschen in MV verbessern wollen. Da sitzen
Rechtsextremisten, die sich im Parlament ganz bewusst als solche zu
erkennen geben“, sagt dazu SPD-Fraktionschef Julian Barlen. Es sei schon
lange klar, dass Thormann kein Demokrat ist. „Nun sollte das auch der
Letzte begriffen haben.“
## „Mehr als eine geschmacklose Provokation“
Dass Thormann mit der Geste direkt am ersten Tag der neuen
Legislaturperiode im Plenarsaal vor die Kamera trete, mache deutlich, wie
wenig Hemmungen er habe, rechtsextreme Symbolik öffentlich zur Schau zu
stellen, sagt auch Grünen-Fraktionschefin Claudia Müller. „Der Vorfall ist
mehr als eine geschmacklose Provokation: Er macht erneut sichtbar, wie tief
rechtsextremes Gedankengut in der AfD verankert ist.“
SPD, Linke und Grüne wollen es nicht dabei belassen. Der
AfD-Fraktionsvorsitzende Enrico Schult sei aufgefordert, „ein Zeichen zu
setzen und Thormann sofort aus der Fraktion auszuschließen“, so Julian
Barlen. Ausgerechnet Schult, der seinen Anhänger:innen [1][noch am
Wahlabend mit Blick auf den neuen Landtag versprochen hatte]: „Wenn wir
hier einmarschieren mit unserer Truppe. Sie werden zittern vor uns. Und sie
zittern zu Recht.“
Die extrem rechte Fraktion stellt sich dann auch hinter ihren Abgeordneten.
„Für Herrn Thormann bedeutet die Geste schlicht: ‚Läuft‘“, lässt die AfD
wissen. Auch andere Abgeordnete hätten vor Beginn der offiziellen Sitzung
diverse Gesten gezeigt, die ebenfalls nicht politisch einzuordnen, sondern
lediglich als Grüße zu interpretieren seien.
Linken-Landes- und Fraktionschef Hennis Herbst hat unterdessen die
Landtagspräsidentin schriftlich aufgefordert, den Vorfall durch das
Präsidium prüfen zu lassen und „geeignete parlamentarische Konsequenzen,
insbesondere eine Rüge, zu erwägen“. Herbst sagt: „Wir werden nicht
zulassen, dass rassistische Provokationen zur Normalität werden.“ Der
Landtag müsse deutliche Grenzen ziehen.
SPD, Linke und Grüne sehen sich durch den Eklat zugleich bestätigt, dass es
richtig war, dem AfD-Kandidaten für das Landtagspräsidium am Dienstag
[2][keine einzige Stimme aus den demokratischen Reihen gegeben zu haben].
Herbst sagt: „Die AfD liefert selbst immer wieder die Gründe dafür, warum
ihre Vertreter für dieses Amt nicht geeignet sind.“
Im neuen Landtag von Mecklenburg-Vorpommern stellt die extrem rechte AfD
mit 32 Abgeordneten zwar die stärkste Fraktion. Über die parlamentarische
Mehrheit verfügen mit insgesamt 39 Sitzen aber die drei demokratischen
Fraktionen von SPD, Linken und Grünen, die aktuell über eine gemeinsame
Regierungskoalition verhandeln.
Anm. d. Red.: Der Beitrag wurde um die Stellungnahme der AfD ergänzt.
21 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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