# taz.de -- Erkenntnisse aus dem AfD-Leak: Feindeslisten und Hakenkreuzfahnen
       
       > Die veröffentlichten AfD-Mails geben einen tiefen Einblick in die Partei
       > – in problematische Mitglieder und Ex-Mitglieder, internen Streit und
       > Listen angeblicher Antifa-Aktivisten.
       
 (IMG) Bild: Alice Weidel checkt womöglich Emails
       
       Über 400.000 E-Mails inklusive Tausender Bilder und Dokumente hat eine
       anonyme Hacker*innengruppe diese Woche veröffentlicht. 11 Postfächer
       sind betroffen, darunter die von Bundessprecher Alexander Gauland und dem
       Co-Landesvorstandssprecher von Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm.
       
       Der sehr große Datensatz von über 280 Gigabyte umfasst auch interne
       Kommunikation der Partei vom März 2013 bis September 2026. Seit einigen
       Tagen sind nun mehrere Medien damit beschäftigt, den Datensatz auszuwerten
       und zu verifizieren, was sich ob seiner Größe mühsam gestaltet. Viel
       spricht jedoch dafür, dass die geleakten Daten glaubwürdig sind. So sind
       auch Presseanfragen der taz Teil des Datensatzes, die mit realen
       Begebenheiten korrespondieren. Die IT-Spezialistin Lilith Wittmann hält die
       [1][Daten erst mal für echt] und auch der Spiegel [2][berichtete bereits
       darüber], dass Teile des Leaks bestätigt werden konnten.
       
       ## Hakenkreuze, „Deutschland erwache“
       
       Einige Erkenntnisse kristallisieren sich aber unterdessen heraus: Die
       Details der parteiinternen, teils hitzigen Konflikte, die zuweilen auch zu
       Parteiausschlüssen führten. Nicht selten ging es dabei auch um
       NS-verherrlichende und verschwörungsideologische Positionen einzelner
       (Ex-)Mitglieder.
       
       Auch Roland Oschlies, der auf der Homepage der AfD Aachen als Sprecher
       gelistet ist, galt intern offenbar als problematisch. Bis Redaktionsschluss
       ließ sich nicht bestätigen, ob Oschlies heute noch eine Funktion innerhalb
       der extrem rechten Partei hat. In einer Mail mit zahlreichen Anhängen sind
       diverse Facebook-Posts von Oschlies dokumentiert, er schreibt unter
       anderem, dass eine „satanische Rothschild-Bande in verdeckter
       Zusammenarbeit mit den Jesuiten, ‚Illuminaten‘ usw.“ beide Weltkriege
       „eingefädelt“ habe. In anderen Posts suggeriert er zudem, der Überfall der
       Wehrmacht auf Polen im Zweiten Weltkrieg habe nicht stattgefunden. Der
       Bewegung „Black Lives Matter“ sowie nicht näher benannten
       „antifaschistischen Bewegungen“ unterstellt er, diese wollen „dass wir
       sterben und durch Dunkelhäutige ersetzt werden“.
       
       Zudem findet sich in dem Leak ein Dokument, das den Parteiausschluss von
       Benjamin Schrempp, ehemals AfD-Mitglied im Kreisverband Bottrop, bestätigt.
       Schrempp soll an einem AfD-Stand in der Bottroper Fußgängerzone eine
       „Flagge mit Hakenkreuzsymbolik“ verkauft haben. Ein weiterer Antrag auf
       Parteiausschluss beschäftigt sich mit einem Mitglied des AfD-Kreisverbandes
       Rostock, Frank Lemp. Dieser soll gemäß dem Schreiben in seinem
       Whatsapp-Status „eine Fotografie, die eine Standarte mit dem verbotenen
       SA-Schriftzug ‚Deutschland erwache‘“ mitsamt eines Hakenkreuzes eingestellt
       haben. Zudem soll Lemp an einer Veranstaltung der NPD teilgenommen haben.
       
       ## „U-Boote“ der Identitären Bewegung
       
       Darüber hinaus deuten verschiedene Mails und Dokumente darauf hin, dass
       mehrere aktive AfD-Mitglieder Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen
       pflegten, die von ihnen als unproblematisch angesehen werden. So findet
       sich etwa in einem Mailverlauf eine Rechtfertigung des AfD-EU-Politikers
       Hans Neuhoff, der seine Teilnahme an Veranstaltungen des rechtsextremen
       „Instituts für Staatspolitik“ (IfS) von Verleger Götz Kubitschek
       rechtfertigt, das mittlerweile nicht mehr existiert.
       
       Nachdem der Verfassungsschutz das IfS als „gesichert rechtsextremistisch“
       einstufte, sei Neuhoff dort nicht mehr aufgetreten, „auch, um die Partei zu
       schützen“. Er schreibt auch: „Es bedeutet NICHT, dass ich die Einstufung
       des IfS durch das BfV […] für sachlich gerechtfertigt halte.“ Neuhoff
       schlägt weiterhin vor, die „förmliche Zusammenarbeit“ mit „GK“ – gemeint
       ist wohl Götz Kubitschek – auszusetzen, „bis in Deutschland wieder normale
       Verhältnisse herrschen“.
       
       Gerade für die Debatte über ein [3][mögliches Verbotsverfahren der AfD] ist
       die Nähe zur Identitären Bewegung (IB) und anderen rechtsradikalen Gruppen
       relevant. In diesem Zusammenhang interessant ist auch eine E-Mail aus dem
       Jahr 2018 von Georg Pazderski an Alice Weidel, die zu dem Zeitpunkt
       Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion war.
       
       Der damalige Landesvorsitzende der AfD Berlin Pazderski verwies auf vier
       Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten, die „enge Beziehungen zur IB“ pflegten.
       Das könne der AfD noch „auf die Füße fallen“. Die „U-Boote“ – so bezeichnet
       es Pazderski – versuchten, ein Netzwerk innerhalb der Fraktion aufzubauen,
       um dann für die Bundestagswahl 2021 „beste Ausgangspositionen“ zu haben.
       
       Mittlerweile ist Pazderski selbst kein Mitglied der AfD mehr, 2024 trat er
       aus. Doch zumindest zwei der IB-„U-Boote“ sind nach taz-Recherchen noch
       Teil der AfD: [4][Einer ist Joel Bußmann], der nun Teil der
       AfD-Stadtratsfraktion in Wanzleben-Börde ist. Auf taz-Anfrage verneint er,
       dass er bei der IB aktiv war oder ist. Der andere Genannte berät im
       Brüsseler EU-Parlament einen AfD-Abgeordneten. Eine taz-Anfrage beantwortet
       er nicht, sondern postet sie auf X.
       
       ## Listen mit „Antifa-Mitgliedern“
       
       Viele Mails geben darüber hinaus einen Einblick darin, wie die AfD über
       vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner denkt. 2017 überlegen
       AfD-Funktionäre, wie sie mit einem angeblichen Antifa-Fotografen beim
       Bundesparteitag in Hannover umgehen sollen. Er gab sich als Bild-Fotograf
       aus und erhielt eine Akkreditierung für die Veranstaltung. Doch für die
       Bild habe der Fotograf nie gearbeitet, erzählt er der taz im Gespräch – und
       das wissen auch die AfD-Funktionäre.
       
       Vor dem Bundesparteitag stellt sich die Frage, ob die Partei dem Fotografen
       absagt oder nicht. Andernfalls könne man ihn „vor Ort hopps“ nehmen, heißt
       es. Unter genauerer Beobachtung habe er jedenfalls gestanden, denn auf
       einer Liste mit Medienschaffenden sei allein sein Name rot markiert
       gewesen. „Hopps“ genommen wird er am Ende aber nicht. Der Fotograf ist
       nicht der Einzige, dem die AfD eine linke politische Gesinnung zuschreibt.
       Auch Journalist*innen des SWR, der italienischen Zeitung Milano Finanza
       und vom Verlag DuMont sind auf einer Liste als Linksaktivist*innen
       markiert.
       
       Eine weitere Liste taucht in den geleakten Mails auf. Diesmal sammelt sie
       angebliche Mitglieder der Antifa. Während Jürgen Antoni, Sprecher der AfD
       in Nordrhein-Westfalen, in seiner Mail von 2.000 Namen spricht, enthält das
       Excel-Dokument 24.521 Namen. Die Liste ist akribisch geführt: Sie enthält
       Vor- und Nachnamen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Ob die
       Personen tatsächlich Teil der Antifa waren, ließ sich zum jetzigen Stand
       nicht verifizieren. Laut Antoni soll die Liste helfen „einen wachen Blick
       auf das Völkchen“ zu haben.
       
       ## „Das freundliche Gesicht des NS“
       
       Besonders viel Einblick geben die Mails in das Parteiausschlussverfahren
       des AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Die Akte mit
       Beweismaterial, die das Landesschiedsgericht der AfD Nordrhein-Westfalen im
       vergangenen Jahr ihrem Entschluss zu Grunde legte, Helferich
       auszuschließen, findet sich im Verlauf.
       
       Gerade in diesen Mails ist der harsche Umgangston zwischen AfD-Funktionären
       ersichtlich – der sich besonders in der direkten Kommunikation mit Matthias
       Helferich zeigt. Der Fraktionsvorsitzende der AfD in Monheim, Heinz
       Burghaus, beendet seine Mail an Helferich mit: „Mach doch einfach statt
       dein kornblumenblaues Gift zu verspritzen!“ Für seine Liebe zu dem
       NS-Symbol der Kornblume ist der Jurist Helferich berüchtigt. [5][2021
       gelangen Chats] an die Öffentlichkeit, die auch in den Mails zu finden
       sind, in denen er nicht nur einmal NS-Bezüge äußert.
       
       Das Ausmaß, das die Akten offenbaren, scheint das Bundesschiedsgericht der
       AfD aber nicht beeindruckt zu haben. Es hob Helferichs Parteiausschluss im
       Sommer auf. Helferich darf weiter in der AfD bleiben. Dort ist er gerade im
       Zentrum eines immer weiter eskalierenden Machtkampfs mit der momentanen
       NRW-AfD-Landesspitze Martin Vincentz. Im nächsten Jahr stehen dort die
       Landtagswahlen an.
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/LilithWittmann/status/2112209824943690037
 (DIR) [2] https://www.spiegel.de/politik/afd-leak-421-326-e-mails-und-die-geheimnisse-der-afd-was-wir-bisher-sagen-koennen-a-2da64a7d-6617-49ba-9c3d-aaad15a25974
 (DIR) [3] /Rechtliche-Bedeutung-der-AfD-Leaks/!6223967
 (DIR) [4] /Junge-Alternative-im-Bundestag/!5506272
 (DIR) [5] /AfD-Bezuege-zum-Nationalsozialismus/!5790562
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Clara Dünkler
 (DIR) Hanna Kastner
 (DIR) Konstantin Nowotny
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Alice Weidel
 (DIR) Hacking
 (DIR) GNS
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) „Jungle World“-Autor und AfD-Mitglied: Rechter Autor, linkes Medium
       
       Thomas K. Gugler ist jahrelanger Autor der „Jungle World“ – und anscheinend
       auch AfD-Mitglied. Das offenbaren die AfD-Leaks.
       
 (DIR) AfD-Leaks: Es reicht für ein AfD-Verbotsverfahren
       
       Möglicherweise liefern die Daten aus dem AfD-Leak Details, die ein
       Verbotsverfahren rechtfertigen. Dabei genügt schon das, was bislang bekannt
       ist.
       
 (DIR) Rechtliche Bedeutung der AfD-Leaks: Die Analyse wird langwierig und mühselig
       
       Ob die geleakten rund 420.000 E-Mails aus AfD-Konten Material für ein
       AfD-Verbot liefern, ist noch völlig offen. Sie wären aber wohl verwertbar.
       
 (DIR) FAQ zum AfD-Leak: Wie es jetzt weitergeht
       
       Hacker haben Hunderttausende Mails der AfD veröffentlicht. Erste Vorwürfe
       klären sich, es kursieren auch falsche Informationen. Was wir wissen und
       was nicht.
       
 (DIR) Interne E-Mails öffentlich: AfD blamiert sich mit Datenleak
       
       Bei der AfD kommt es zu einem E-Mail-Datenleak: Zehntausende interne Mails
       gelangen auf eine öffentliche Website.