# taz.de -- Interne E-Mails öffentlich: AfD blamiert sich mit Datenleak
       
       > Bei der AfD kommt es zu einem E-Mail-Datenleak: Zehntausende interne
       > Mails gelangen auf eine öffentliche Website.
       
 (IMG) Bild: Auch von ihr finden sich Mails in dem Datenleak: AfD-Chefin Alice Weidel
       
       Es sind gut 421.000 interne [1][AfD]-Mails, die jetzt online herunterladbar
       sind. Mails, die sich mit rassistischen Ausfällen von Parteimitgliedern
       beschäftigen, mit juristischen Streitigkeiten, mit dem Umgang von
       Parteispenden. Am Montag tauchte der Datensatz, 281 Gigabyte groß, auf
       einer anonym betriebenen Internetseite auf. Die Mails datieren von diesem
       Herbst bis zurück ins Jahr 2014 und stammen unter anderem von Parteichefin
       [2][Alice Weidel], Parteivize Beatrix von Storch sowie den früheren
       AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland.
       
       Rund 39.000 der Mails wurden auf der Website, offenbar mithilfe von KI,
       zusammengefasst. 611 dieser Nachrichten werden mit „kritischen“ Inhalten
       bewertet, das heißt, sie dokumentieren möglicherweise Straftaten. Weitere
       10.450 Mails werden mit „hoher“ Relevanz eingruppiert, die „schweres
       Fehlverhalten“ zeigen sollen.
       
       Wer für die Aktion verantwortlich ist, blieb vorerst offen. Die
       Website-Betreiber antworteten auf eine taz-Anfrage zunächst nicht. Auf der
       Seite heißt es nur: „Das Archiv ermöglicht Journalistinnen, Forschenden und
       der Öffentlichkeit, Primärmaterial direkt zu prüfen, statt sich auf
       Zusammenfassungen aus zweiter Hand zu verlassen.“ Die Journalistin und
       IT-Spezialistin Lilith Wittmann erklärte nach erster Sichtung, [3][sie
       halte die Daten für echt].
       
       In einer Nachricht an das Onlineportal „International Cyber Digest“
       erklärten die vermeintlich Verantwortlichen, sie hätten die Server
       zerstören können. Ihr Ziel aber sei gewesen, die „Degeneriertheit und
       Scheinheiligkeit“ der AfD offenzulegen. Angeblich sei ihnen auch von einem
       Unbekannten eine hohe Geldsumme geboten worden, um die Website wieder
       offline zu nehmen – was man abgelehnt habe.
       
       Die AfD erklärte auf taz-Anfrage, dass es im September 2026 einen
       „Hackerangriff“ auf einen Hosting-Dienstleister der Partei gegeben habe,
       bei dem „Teile einiger weniger“ Mail-Postfächer widerrechtlich kopiert
       worden seien. Die meisten Konten seien aber „seit Jahren nicht mehr
       genutzt“ worden. „Dieser Angriff wurde rasch erkannt sowie beendet“, so ein
       Parteisprecher. Aktuelle Mail-Postfächer des AfD-Bundesverbands seien nicht
       betroffen.
       
       ## Antisemitismus auf Telegram, Drogen am Infostand
       
       Nach taz-Informationen wurde parteiintern schon im September vor einer
       Phishing-Mail gewarnt. Tatsächlich datieren die geleakten Mails laut
       Website bis in den September dieses Jahres hin.
       
       In den Zusammenfassungen der als „kritisch“ eingestuften Mails geht es zum
       Beispiel um eine AfD-Landtagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, bei
       der sich parteiintern beraten wird, wie man mit einem Bericht über
       antisemitische Beiträge auf ihrem Telegram-Kanal umgehen solle. Um ein
       internes „Dossier“ über problematische Äußerungen des
       [4][AfD-Bundestagsabgeordneten und Parteiradikalen Matthias Helferich].
       
       Um ein Parteiausschlussverfahren gegen einen AfD-Kreisvorstand, der sich
       holocaustleugnend und Hitler verherrlichend geäußert haben soll. Um einen
       Ortschef, der zurücktreten musste wegen einer „Heil
       Hitler“-Weihnachtskarte, oder auch um ein Mitglied, das über „Muselmanen“
       und das „dreckige Monster Merkel“ geschrieben haben soll. Ein anderer
       dokumentierter Mailbetreff lautet: „Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen
       am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied – Maßnahmen
       erforderlich.“
       
       In einer anderen Mail wurde offenbar eine Liste von 2.000 Namen und
       Adressen vermeintlicher Antifaschist*innen verschickt. Ein Mitarbeiter
       der Berliner AfD-Zentrale soll in einer Nachricht vorgeschlagen haben,
       einen linken Fotografen zu einer Veranstaltung zu locken und dann gewaltsam
       hinauszuwerfen.
       
       AfD-Chefin Alice Weidel soll wiederum von einem AfD-Bundestagsabgeordneten
       empfohlen worden sein, eine Spende aus der Schweiz als Darlehen zu
       verbuchen, um so die Offenlegungspflicht zu umgehen. Der bezeichnende
       Betreff: „Juristischer Umweg / buchhalterische Gestaltung Spendenaffäre“.
       In einem anderen Fall ging es um Umbuchungen von mehreren tausend Euro aus
       der Bundesgeschäftsstelle: Eine Referentin soll Weidel gebeten haben, die
       Summe lieber privat zu überweisen. Ein anderer Abgeordneter soll Weidel
       wiederum vor „U-Booten“ aus dem Identitären-Umfeld in der
       Bundestagsfraktion gewarnt haben.
       
       Der frühere AfD-Chef Alexander Gauland soll in einer E‑Mail wiederum über
       eine „Hitler-Wallfahrt“ geschrieben haben, bei der Mitglieder mit einer
       Hakenkreuz-Flagge fotografiert worden seien. Von Ex-Parteichefin Frauke
       Petry ist eine Mail zu einer Reise nach Moskau dokumentiert.
       
       ## Material für ein AfD-Verbot?
       
       Die Linken-Fraktionsvize Clara Bünger sagte der taz: „Die Mails bestätigen,
       was wir lange wissen: Die AfD schadet der Mehrheit in diesem Land. Wer hier
       arbeitet, Miete zahlt und für seine Familie sorgt, hat von dieser Partei
       nichts zu erwarten.“
       
       Ob die Mails auch Material für ein AfD-Verbotsverfahren bieten, blieb
       zunächst offen. Valentina Chiofalo von der Gesellschaft für
       Freiheitsrechte, die zuletzt [5][ein umfangreiches AfD-Gutachten
       vorlegten], sagte der taz, sollten sich die Mails als authentisch erweisen,
       müsste der Fundus zunächst wissenschaftlich auf Belege untersucht werden,
       die sich gegen die Verfassung richten.
       
       Gäbe es solche Belege, stelle sich die Frage der Verwertbarkeit vor Gericht
       – schließlich seien die Mails wohl durch einen unrechtmäßigen Hack geleakt.
       „Unsere vorläufige Einschätzung: Das Bundesverfassungsgericht würde bei
       relevanten Belegen die gegenseitigen Interessen abwägen, die Verwertbarkeit
       aufgrund der großen Bedeutung vermutlich aber bejahen“, so Chiofalo. Die
       journalistische Aufarbeitung der Mails sei aber zulässig.
       
       „Mit Mails oder ohne bleiben wir bei unserer Einschätzung“, so Chiafalo.
       „Die AfD ist verfassungswidrig und ein Parteiverbotsverfahren wäre
       wahrscheinlich erfolgreich.“ Die geleakten Mails könnten aber einen
       weiteren Beitrag leisten, einen möglichen Verbotsantrag „noch
       wasserdichter“ zu machen.
       
       20 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-AfD/!t5495296
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 (DIR) [4] /Matthias-Helferich-bleibt-in-AfD/!6193151
 (DIR) [5] /Gutachten-zu-moeglichem-AfD-Verbotsantrag/!6190640
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
 (DIR) Hanna Kastner
       
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