# taz.de -- Reaktionen auf Rot-Grün-Rot in Berlin: Als ob das Rote Rathaus brennt
> Die Union überschlägt sich vor Empörung über das drohende Linksbündnis
> und malt Schreckensszenarien an die Wand. Das ist auch ein
> Ablenkungsmanöver.
(IMG) Bild: Slogans gegen die Linke auf dem LED-Screen: Szene vom „Deutschlandtag“ der Jungen Union in Bonn
Die Union kann es nicht fassen: Grüne und SPD in Berlin haben nicht auf die
Warnungen ihres Parteichefs Friedrich Merz gehört! Statt die Gespräche mit
den linken Wahlgewinner:innen abzubrechen, wie es der Bundeskanzler
gefordert hatte, haben sie sich nun [1][auf Koalitionsverhandlungen mit ihr
geeinigt]. Skandal!
Nun sind bei der Union alle Dämme gebrochen. Bayerns Ministerpräsident
Markus Söder fordert eine „Brandmauer nach links“ und die Junge Union eine
„Ächtung der Koalition“. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Ploß nennt
das drohende Linksbündnis den „absoluten Dammbruch“, und Berlins
CDU-Landeschef und Wahlverlierer Stefan Evers bezeichnet das
Sondierungspapier als „Kapitulationserklärung von SPD und Grünen“.
[2][Nordrhein-Westfalens CDU-Minister für Europa- und
Bundesangelegenheiten, Nathanael Liminski], empfiehlt der Linken sogar
„politische Säuberungen“ in ihren eigenen Reihen nach stalinistischer Art,
um „Judenhasser und Clan-Freunde“ auszuschließen. Sogar Baden-Württembergs
Grünen-Ministerpräsident Cem Özdemir findet, die Berliner Linke habe sich
„radikalisiert“ und sei ein „Sonderfall“, weswegen seine Partei nicht mit
ihr zusammenarbeiten solle.
## Berlin ist nicht Paris
Je weiter man sich von Berlin entfernt, desto furchterregender ist das
Bild, das von den Zuständen gezeichnet wird. Fast könnte man meinen, nicht
in Frankreich, sondern in Berlin sei es am Wochenende zu schweren
Ausschreitungen gekommen, bei denen [3][Rathäuser in Brand gesetzt und
ganze Straßenzüge verwüstet] worden seien. Dabei haben die drei Parteien
dort nur verabredet, etwas gegen steigende Mieten und Lebenshaltungskosten
zu tun – also gegen das, wogegen nicht nur im Nachbarland gerade viele
Menschen aus Protest auf die Straßen gehen.
Doch für die Union ist die [4][mögliche Vergesellschaftung von
Wohnungskonzernen] der weitaus schlimmere „Sündenfall“ (Markus Söder). Er
empfehle diesen Unternehmen, künftig woanders zu bauen als in Berlin:
„Sollen sie doch in Zelten wohnen!“, ätzt der bayrische Populist.
Berlins CDU-Chef Evers behauptet, das geplante Linksbündnis wolle außerdem
das Wahlrecht verschenken. Denn Linke, Grüne und SPD wollen sich dafür
einsetzen, dass Menschen, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland
leben, auch ohne deutschen Pass zumindest auf kommunaler Ebene
mitentscheiden dürfen. Evers sieht darin einen „Turbo für illegale
Migration“ und unterstellt der Linken, sie wolle sich auf diesem Wege in
Zukunft ihre Macht sichern – ein kleiner Wink in Richtung rechtsextremer
Verschwörungstheorien vom „Großen Austausch“ des Wahlvolks.
Dass in Sachsen-Anhalt demnächst die AfD den Ministerpräsidenten stellen
könnte, geht bei all der Empörung etwas unter. Aber daran ist die Union ja
auch [5][nicht ganz unbeteiligt]. Und davon möchte sie gerne ablenken.
18 Oct 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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