# taz.de -- Antisemitismus in der Jungen Union: Gegen die eigene Brandmauer gerannt
> Die JU verortete Judenhass zuletzt vor allem bei der Linkspartei. Nun
> fällt ein eigenes Mitglied mit antisemitischen und sexistischen
> Kommentaren auf.
(IMG) Bild: Antisemitismus? Nur bei den anderen. Eine Projektion beim Deutschlandtag der JU
In einem Chat fällt ein Mitglied der Jungen Union (JU) Thüringen mit
sexistischen und antisemitischen Kommentaren auf. Inzwischen ist es aus der
JU ausgetreten, [1][wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) zuerst
berichtete]. In dem internen Chat der Jungen Union, der
Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, beleidigte er die damalige
JU-Bundesschatzmeisterin Clara von Nathusius. Das Mitglied schrieb, das
passiere, wenn man Frauen in Vorstände wähle. Und wörtlich: „Aber jetzt mal
ganz ehrlich: Clara ist Jüdin, die können mit Geld umgehen, es kann sich
also nicht um ein Versehen handeln.“
Die Aussagen des JU-Mitglieds bezogen sich auf die Ereignisse rund um den
Deutschlandtag: das jährliche, bundesweite Treffen der
Nachwuchsorganisation am vergangenen Wochenende. Die bisherige
JU-Schatzmeisterin und Bundesvorständin Clara von Nathusius trat beim
Deutschlandtag unerwartet nicht mehr an. Während ihrer Amtszeit wurden
Fördermittel abgerufen, die nicht von den Beschlüssen des Bundesvorstandes
gedeckt waren. [2][Die JU musste 350.000 Euro samt Zinsen an das
Familienministerium zurückzahlen] und einen Kredit bei der Union aufnehmen.
Clara von Nathusius ist auf Instagram wohl eins der bekanntesten Gesichter
der Nachwuchsorganisation. Mit ihren Insta-Videos erreicht sie zeitweise
Millionen Aufrufe. Zuletzt war sie mit umstrittenen Aussagen über die
Brandmauer aufgefallen. So sagte Sie im „Bericht aus Berlin“, die
Brandmauer sei ein gescheitertes Projekt.
Ein Sprecher der Jungen Union teilte der taz auf Anfrage mit: „Die Junge
Union Deutschlands steht klar an der Seite der Jüdinnen und Juden in
unserem Land.“ Der Sprecher verweist darauf, dass noch am selben Tag, an
dem der Kommentar verfasst wurde, ein Ausschlussverfahren gegen das
betreffende Mitglied eingeleitet wurde. Antisemitismus müsse, unabhängig
davon, von wem er ausgeht und in welchem Zusammenhang er auftrete,
„entschieden widersprochen werden“. Schon am Samstag sagte der Landes-Chef
der Thüringer JU, Lennart Geibert, der „Funke Medien Thüringen“, der
Kommentar sei „absolut ekelhaft“. Das Mitglied war vor dem Ausschluss
bereits selbst ausgetreten.
Am Deutschlandtag hatte sich die JU insbesondere mit Antisemitismus beim
politischen Gegner beschäftigt. So wollte sie am Sonntag ein Zeichen gegen
einen Antisemitismus von links setzen, [3][den sie bei der Berliner
Linkspartei vermutet]. Auf die Leinwand hatten sie die Worte „Nie wieder
ist jetzt“ projiziert. Als Reaktion auf die am Samstag abgeschlossenen
rot-grün-roten Sondierungsgespräche in Berlin verabschiedete die JU am
Sonntagmorgen zudem einen Beschluss: Eine Koalition aus SPD und Grünen mit
der Linkspartei solle politisch geächtet werden, die Berliner
Landesregierung solle von allen Informationen des Verfassungsschutzes und
des Bundeskriminalamtes ausgeschlossen werden. Außerdem forderten sie ein
sofortiges Verbot von Vergesellschaftungen sowie ein Gremium beim Bund, um
Rechtsbrüche im Roten Rathaus von Berlin zu dokumentieren.
20 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/antisemitismus-austritt-sexismus-,ju-skandal-100.html
(DIR) [2] /Bundestreffen-der-Jungen-Union/!6222416
(DIR) [3] /Reaktionen-auf-Rot-Gruen-Rot-in-Berlin/!6222477
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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(DIR) Reden wir darüber
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