# taz.de -- Deutsch-Israelische Gesellschaft: „Boykottiert die Boykotteure!“
       
       > Die Deutsch-Israelische Gesellschaft feierte ihren 60. Geburtstag im
       > Roten Rathaus. Eine Koalition in Berlin unter Führung der Linkspartei
       > lehnt sie ab.
       
 (IMG) Bild: Die Deutsch-Israelische Gesellschaft lehnt eine linke Regierung ab
       
       „Freunde und Freundinnen Israels sind in diesem Haus immer herzlich
       willkommen.“ Mit diesem Satz begrüßte Berlins noch Regierender
       Bürgermeister [1][Kai Wegner] (CDU) am Dienstagabend eine Festveranstaltung
       zum 60-jährigen Bestehen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in
       Roten Rathaus von Berlin. Ob Wegners Satz Bestand hat, daran zweifelten die
       Aktiven der proisraelischen Lobbyorganisation angesichts einer möglichen
       Koalition im Land Berlin unter Führung der Linkspartei. Sie blieben mit
       ihrer Skepsis nicht allein.
       
       Mehr als ein Dutzend Grußworte überbrachten Politiker anlässlich der
       Jubiläumsfeier. Da sprach Bildungsministerin [2][Karin Prien] (CDU),
       Forschungsministerin [3][Dorothee Bär] (CSU) oder die Abgeordnete Siemtje
       Möller von der SPD. Auch Kanzler Friedrich Merz schickte per Video ein
       Grußwort. Von zwei Parteien allerdings gab es keine Glückwünsche: der AfD
       und den Linken. Das war nicht verwunderlich.
       
       „Gegen die Gefahren von links und rechts – in Magdeburg wie in Berlin“
       wetterte Volker Beck (Grüne), Präsident der Deutsch-Israelischen
       Gesellschaft mit ihren 10.000 Mitgliedern. Auf Berlin bezogen sagte er:
       „Wollen wir wirklich, dass Juden in dieser Stadt überlegen, von hier
       wegzuziehen?“ Beck verlangte, dass die Politik gegen Antisemiten und
       Israel-Hasser „eine rote Linie ziehen“ müsse. Der Zionismus gehöre zum
       Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes, erklärte er, und: „Das gilt es
       zu verteidigen.“
       
       Die Ablehnung einer von den Linken geführten Regierung im Land Berlin ging
       deutlich über die Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft hinaus.
       Auch Omid Nouripour machte im Grußwort seine Skepsis gegenüber einem
       solchen Bündnis deutlich. „Früher nannte man so etwas Antiimperialismus,
       heute heißt es Antikolonialismus. Raider heißt jetzt Twix“,
       charakterisierte er antiisraelische Strömungen bei den Berliner Linken.
       Wenig überraschend lehnten auch Redner von CDU und CSU eine Beteiligung der
       Linkspartei an einer Berliner Koalition ab.
       
       ## Gefahr von links
       
       Wichtigstes Thema neben dem Kampf gegen den Antisemitismus war das
       Verhältnis zu Israel. Es gelte, die „Einzigartigkeit der Beziehungen“ zum
       Staat Israel zu erhalten, sagte die Bundestagsabgeordnete Marlene
       Schönberger (Grüne). Die Schoah werde diese Beziehungen immer begründen. In
       Kreisen der linken Bewegung herrsche die Meinung vor: „Wir sind links, da
       kann es keinen Antisemitismus geben. Das Gegenteil ist der Fall.“ Jakob
       Blankenburg (SPD) verwies darauf, dass Antisemitismus keineswegs nur ein
       Problem an den politischen Rändern sei: „Er lebt in der Mitte der
       Gesellschaft.“ Umgekehrt gebe es in der Linkspartei auch Menschen, die
       Israel-solidarisch seien.
       
       Dass die Deutsch-Israelische Gesellschaft neben der AfD besonders die
       antiisraelischen Tendenzen bei der Linken aufs Korn nimmt, korrespondiert
       mit entsprechenden Vorstellungen in Israel. Die israelische
       Politikwissenschaftlerin Tamar Hermann, die eine Studie zum Thema
       vorgenommen hat, sagte, die meisten Israelis sehen eine Gefahr von links
       als größer an als von rechts.
       
       [4][Volker Beck] verlangte, dass Staat und Gesellschaft in Deutschland
       aktiver gegen die Forderungen nach einem Boykott Israels vorgehen müssten.
       Wissenschaftler, die für einen Boykott von israelischen Wissenschaftlern
       sind, weil diese Israelis sind, agieren unwissenschaftlich, sagte er. Das
       müsse Konsequenzen haben. „Boykottiert die Boykotteure!“, verlangte Beck.
       
       Der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist wiederholt eine einseitige
       Anlehnung an die Regierungspolitik Israels vorgeworfen worden. Der Krieg in
       Gaza mit etwa 70.000 palästinensischen Todesopfern war denn auch im
       Gegensatz zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 an jüdischen Israelis auf
       der dem Festakt vorausgehenden Tagung kein Thema. Allerdings hat die DIG in
       jüngster Zeit durchaus Distanz gegenüber der rechtsgerichteten Regierung
       von Netanjahu bewiesen. Sie kritisierte das Vorgehen israelischer Siedler
       gegen Palästinenser im Westjordanland und lehnte die Einführung der
       Todesstrafe in Israel ab.
       
       14 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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