# taz.de -- Antisemitismusbeauftragte des Bundes: Eine Adlige für Dobrindt
       
       > Die deutsche EU-Beamtin Katharina von Schnurbein soll neue
       > Antisemitismusbeauftragte des Bundes werden. In Brüssel war sie durchaus
       > umstritten.
       
 (IMG) Bild: Wechselt von Brüssel nach Berlin: die neue Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein
       
       Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein soll neue
       Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung werden. „Ich habe nicht nach
       dieser neuen Aufgabe gesucht; sie wurde an mich herangetragen“, sagte die
       52-Jährige der Jüdischen Allgemeinen, die vom Zentralrat der Juden in
       Deutschland herausgegeben wird. Am Mittwoch soll die Personalie vom
       Bundeskabinett beschlossen werden.
       
       Ihren Posten bei der Europäischen Union hatte von Schnurbein seit 2015
       inne. Nun soll sie noch in diesem Monat von der EU-Kommission in Brüssel
       ins Bundesinnenministerium nach Berlin wechseln. Das Amt, das bei Alexander
       Dobrindt angesiedelt ist, ist vakant, seit [1][der bisherige
       Antisemitismusbeauftragte Felix Klein] Ende August als deutscher
       Botschafter zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
       Entwicklung (OECD) nach Paris gewechselt ist.
       
       Klein war in seiner achtjährigen Amtszeit [2][durchaus umstritten]. So
       forderte er etwa, [3][den Verfassungsschutz an Hochschulen einzusetzen]
       oder [4][Antisemitismusbeauftragte in den Medien]. Derzeit hat der
       parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Christoph de Vries
       (CDU), seine Aufgaben kommissarisch übernommen.
       
       Von Schnurbein stammt aus einer protestantischen Familie, die einem
       Adelsgeschlecht aus dem Augsburger Raum entsprungen ist, und wuchs auf
       deren Anwesen im Bayerischen Wald auf. Nach dem Abitur zog sie nach Prag,
       um Tschechisch zu lernen, in Bonn und in Oxford studierte sie Slawistik und
       Politikwissenschaft. Anschließend arbeitete sie in der Prager Vertretung
       der Europäischen Kommission in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit.
       
       Tschechiens erster EU-Kommissar, Vladimir Špidla, nahm die Deutsche als
       Pressesprecherin mit nach Brüssel, als sein Land 2004 EU-Mitglied wurde.
       Sechs Jahre später wechselte sie als Beraterin in den Stab des damaligen
       [5][EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso], 2015 dann ins neu
       geschaffene Amt einer „Koordinatorin für den Kampf gegen Antisemitismus“.
       
       ## „Ha’aretz“: „Inoffizielle Botschafterin Israels“
       
       In Brüssel gilt von Schnurbein als gut vernetzt – auch mit den jüdischen
       Gemeinden und Verbänden in Europa und den USA, von denen viele ihren Sitz
       oder eine Vertretung in Brüssel haben. Von Schnurbein ist stolz darauf,
       dass mittlerweile alle 27 Mitgliedstaaten der EU die
       Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance
       (IHRA) übernommen haben. Diese wird von der israelischen Regierung
       propagiert und stuft auch Formen der Kritik an Israel als Antisemitismus
       ein – etwa die Forderung nach Boykott und Sanktionen gegen Israel.
       
       Die israelische Zeitung Ha’aretz warf Schnurbein erst im Februar vor,
       innerhalb der EU wie eine „inoffizielle Botschafterin Israels“ zu agieren.
       Sie arbeite eng mit pro-israelischen Lobby-Gruppen zusammen, schließe
       kritische jüdische Gruppen aus und mische sich in die EU-Außenpolitik ein,
       um mögliche Sanktionen gegen Israel zu verhindern, [6][hieß es in einer
       Ha’aretz-Recherche]. Sie habe auch UN-Berichte über die humanitäre Lage im
       Gazastreifen angezweifelt und Charity-Aktionen für Gaza unter Verdacht
       gestellt, „unterschwelligen Antisemitismus“ zu befördern.
       
       Linke EU-Abgeordnete forderten deshalb ihre Abberufung. Sie folgten damit
       einem Appell der Organisation European Jews for Palestine, der 29 jüdische
       und israelische NGOs angehören. Daraufhin bekundeten über 75 konservative
       jüdische Verbände ihre „uneingeschränkte Wertschätzung“ für von Schnurbein,
       darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland und das American Jewish
       Committee.
       
       [7][Zentralrats-Präsident Josef Schuster] zeigt sich erfreut über ihren
       Wechsel nach Berlin. Er wünsche sich, dass sich von Schnurbein in
       Deutschland für schärfere Gesetze einsetze, um „über Chiffren getarnten
       Antisemitismus“ zu bekämpfen, sagte Schuster der Jüdischen Allgemeinen.
       
       13 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Daniel Bax
       
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