# taz.de -- Pekings Zugeständnis im Handelskonflikt: EU schränkt Auto-Importe aus China ein
> Die Volksrepublik lässt sich auf eine Begrenzung der Einfuhren seiner
> Hybridautos ein. Eine Eskalation des Handelskonflikts wird vermieden –
> vorerst.
(IMG) Bild: In Deutschland Nummer 2: Neue Hybridfahrzeuge warten auf Auslieferung in der chinesischen Provinz Shandong
Erstmals hat sich China im Handelskonflikt mit der Europäischen Union auf
die Begrenzung seiner Exporte eingelassen. Die Zahl der Importe von
Hybridfahrzeugen aus China wird auf eine Obergrenze von 350.000 Fahrzeugen
jährlich gedeckelt, sagte ein Vertreter der EU-Kommission am Montag in
Brüssel. Jedes Jahr soll die Obergrenze um 6 Prozent steigen. Die
Vereinbarung hat eine Laufzeit von vier Jahren.
Hintergrund ist der Boom der China-Importe mit elektrisch und fossil
angetriebenem Motor, die bei Umweltschützer*innen umstritten sind,
weil sie häufig im Verbrennermodus fahren. Die Umsätze für den [1][Verkauf
von chinesischen Hybriden] in der EU haben sich im ersten Halbjahr 2026 auf
6,7 Milliarden Euro im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum
verdreifacht. Bei einem Besuch in Peking hatte EU-Handelskommissar Maroš
Šefčovič bereits am Freitag angekündigt, die Einfuhren der Fahrzeuge dieser
Gattung aus der Volksrepublik halbieren zu wollen. Laut EU-Kommission
dürften die Verkäufe in diesem Jahr auf rund 800.000 steigen – noch ohne
Hybrid-Deckel.
„Es ist gut, dass die chinesische Regierung und die EU eine Obergrenze
eingezogen haben“, sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center
Automotive Research in Bochum zur taz. „BYD wäre ansonsten eine sehr große
Gefahr für die europäische Autoindustrie“, so Dudenhöffer.
Seit 2024 erhebt die EU zwar Zölle auf reine E-Autos auf China, aber nicht
auf Plug-in-Hybride. Die dortigen Hersteller wichen prompt auf die Hybride
aus: Der Anteil neu zugelassener chinesischer Fahrzeuge dieser Gattung in
der EU erreichte im zweiten Quartal 2026 mehr als ein Viertel, nach 1,7
Prozent im ersten Quartal 2024.
## China-Importe vor allem von SAIC, Chery und BYD
90 Prozent der China-Importe kommen von Marken wie SAIC, Chery und BYD.
Insbesondere der E-Auto-Weltmarktführer BYD habe sich stark auf den Verkauf
von Plug-in-Hybriden in Europa konzentriert, betont Autoexperte
Dudenhöffer. Während BYD in Deutschland im September 2025 kein einziges
Fahrzeug dieser Art verkauft habe, seien es in den ersten neun Monaten
dieses Jahres über 26.000 gewesen.
Mittlerweile ist BYD bei den Marktanteilen für Plug-in-Hybride in
Deutschland auf Platz 2 – knapp hinter VW, aber vor BMW oder Mercedes. „BYD
flutet regelrecht den deutschen und europäischen Automarkt“, sagt
Dudenhöffer. Der Grund seien hohe Überkapazitäten bei der Produktion und
ein Kollaps der Verkäufe in der Volksrepublik. „Alles, was in China nicht
verkauft werden kann, wird mit [2][großem Preisdruck nach Europa] und in
andere Länder verschifft“, so Dudenhöffer.
Šefčovič zufolge willigte China außerdem ein, die Zölle für einige Produkte
aus der EU zu senken. Welche, sagte er nicht. China wolle auch die
Genehmigung von Ausfuhrlizenzen für Seltene Erden und Dauermagnete für die
EU erleichtern. Bei den für die Produktion von E-Automotoren und
Generatoren in Windkraftanlagen wichtigen Rohstoffen hatte China 2025
Exportbeschränkungen und Genehmigungspflichten eingeführt – bei einem
Weltmarktanteil von 90 Prozent.
Über die Zugeständnisse der EU gegenüber China wurde nichts bekannt. Die
Volksrepublik habe zugestimmt, weil beide Seiten eine Lösung im Rahmen der
WTO-Regeln gefunden hätten, vermutete ein EU-Beamter. Angesichts des großen
Handelsdefizits der EU sei klar gewesen, dass sich etwas ändern müsse.
Chinas Handelsministerium betonte hingegen am Montag, der Deal mit Europa
garantiere weiteres Exportwachstum. Analysten äußerten sich erleichtert,
weil sie mit Strafzöllen der EU und einer [3][Eskalation des
Handelskonflikts] gerechnet hatten.
## Noch kein Durchbruch mit China
Für die EU ist der Hybrid-Deal ein „erster Fortschritt“, sagte der
Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD). Ein
Durchbruch sei das aber noch nicht. Die EU-Kommission sieht das ähnlich.
Das Ungleichgewicht im Handel werde durch den Hybrid-Deal nur teilweise
gelindert, sagte ein EU-Beamter. Um das europäische Handelsdefizit zu
überwinden – zuletzt lag es bei rund einer Milliarde Euro pro Tag –, seien
weitere Instrumente nötig.
Dazu zählen Maßnahmen, um die EU weniger abhängig von China zu machen. Dazu
werde die EU-Kommission bald neue Vorschläge vorlegen, hieß es. Es geht
außerdem darum, sich gegen mögliche „Attacken“ im Handel zu wappnen – zum
Beispiel, wenn Peking den Zugang zu Seltenen Erden weiter beschränkt.
Für diesen Fall brauche die EU eine „Zweitschlags-Kapazität“, meinen
Verfechter eines „Handelskriegs“, die neuerdings auch in Berlin immer mehr
Anhänger finden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs
Staatschef Emmanuel Macron haben zuletzt in einem [4][gemeinsamen Papier]
gefordert, dass die EU die Möglichkeit erhalten müsse, „zurückzuschlagen“ –
und den Handel mit China zu begrenzen.
Diese sogenannte Nuklearoption soll von der EU-Kommission binnen weniger
Tage und sogar im Alleingang gezogen werden können – die EU-Staaten könnten
sie erst nachträglich wieder zurücknehmen. Allerdings ist noch unklar, ob
die 27 Mitgliedsländer mit diesem Vorschlag einverstanden sind. Merz und
Macron wollen ihn beim EU-Gipfel vorstellen, der am Donnerstag in Brüssel
beginnt.
Wie hilfsbedürftig die deutsche Autoindustrie angesichts der starken
Konkurrenz aus China ist, zeigten am Montag neue VW-Zahlen. Europas größter
Autobauer Volkswagen fuhr im Sommer den stärksten Absatzrückgang seit gut
vier Jahren ein. Der Konzern aus Wolfsburg verkaufte von Juni bis September
knapp 1,9 Millionen Fahrzeuge – 14,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In
China, einem der wichtigsten Märkte für VW, brachen die Verkäufe um fast
zwei Fünftel ein.
12 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.reuters.com/business/autos-transportation/chinas-75-billion-eu-hybrid-boom-faces-new-curbs-under-china-eu-deal-2026-10-12/
(DIR) [2] /Deutsche-Autobauer-in-der-Krise/!6217246
(DIR) [3] /EU-Handelspolitik-gegenueber-China/!6218950
(DIR) [4] /Handelskonflikt/!6219281
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
(DIR) Eric Bonse
## TAGS
(DIR) Handelspolitik
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(DIR) Hybridauto
(DIR) GNS
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