# taz.de -- Audi-Chef Döllner zu Besuch bei Trump: Ingolstädter Autobauer plant neues SUV-Werk in den USA
       
       > Bei einem Wahlkampf-Event des US-Präsidenten verspricht Audi-Chef Döllner
       > ein neue Fertigungsstätte in Georgia. Deutsche Fabriken stehen auf der
       > Kippe.
       
 (IMG) Bild: Audi-Chef Döllner leistet Wahlkampfhilfe für Trump in Perry, Georgia: Das Audi-Werk in den USA soll 4.500 Arbeitsplätze schaffen
       
       Audi-Chef Gernot Döllner tanzte in den letzten Jahren aus der Reihe. Andere
       Autobosse wetterten häufig und hörbar gegen die europäischen CO2-Vorgaben
       für die Autoindustrie – Döllner aber [1][verteidigte die Klimaregeln], auch
       das Verbrenner-Aus ab dem Jahr 2035. „Ich kenne keine bessere Technik als
       das Elektroauto, um in den nächsten Jahren bei der CO2-Reduzierung im
       Verkehr voranzukommen“, sagte er der Wirtschaftswoche im Herbst 2025, als
       Kollegen und konservative Politiker gerade wieder einen großen Angriff auf
       die EU-Vorgaben fuhren.
       
       In diesem Herbst nun, am Samstag, ließ sich Döllner im US-amerikanischen
       Perry im Bundesstaat Georgia von Präsident Donald Trump freundlich auf die
       Bühne bitten. Trumps Fans jubelten, Döllner konnte seine Freude kaum
       verbergen – dann verkündete er am Rednerpult, geziert vom Siegel des
       US-Präsidenten, dass die Volkswagentochter Audi ein neues, eigenes Werk in
       den USA bauen will: „Wir planen, unsere größten und hochwertigsten SUVs
       hier in Macon, Georgia, zu produzieren.“
       
       Es war eine Wahlkampfveranstaltung der Republikaner, der rechtsextreme
       US-Präsident wirbt um Stimmen für die Zwischenwahlen Anfang November.
       Georgia ist politisch besonders umkämpft und könnte im Ringen um Mehrheiten
       im US-Senat das Zünglein an der Waage sein. Trump sagte in Perry, Audi
       werde vier Milliarden US-Dollar in den Bau des neuen Werks investieren.
       Jährlich sollen dort 200.000 Fahrzeuge gefertigt werden. Audi-Chef Döllner
       erklärte: „Dies ist eine langfristige Investition. Wir glauben an den
       amerikanischen Markt.“
       
       Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der die Zeichen in der deutschen
       Autoindustrie auf Krise stehen. Große Hersteller wie Volkswagen, BMW und
       Mercedes-Benz wollen die Kosten an deutschen Standorten drücken und im
       großen Stil Stellen streichen. Im Audi-Mutterkonzern VW stehen die Fabriken
       in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm auf der Kippe, die Zukunft
       vieler Arbeiter:innen ist ungewiss. Erst Ende September kündigte
       Volkswagen 10 der 13 bestehenden Haustarifverträge, laut der Gewerkschaft
       IG Metall wurden die Gehälter der weltweit rund 660.000 Mitarbeitenden
       [2][bis 2030 eingefroren].
       
       ## „Peinlich und befremdlich“
       
       Lange lief der Umbau der Industrie in Richtung klimafreundlicher
       Elektromobilität schleppend. Zwar kamen die E-Auto-Verkäufe der deutschen
       Hersteller zuletzt in Schwung. Trotzdem stehen sie unter Druck: Chinesische
       Konkurrenten haben sich mit günstigen E- und Hybridmodellen in Europa
       etabliert, und noch werden die gewinnbringenden Batterien für deutsche
       Fahrzeuge [3][zu selten in Deutschland selbst produziert]. Die von
       US-Präsident Trump verhängten Zölle und seine Anti-Klimaschutz-Politik
       erschwerten wiederum die Verkäufe, erst recht den E-Absatz, auf dem großen
       US-Markt.
       
       Dass die VW-Tochter Audi in einer solchen Situation ein neues Werk in den
       USA verspricht, sei eine schlechte Nachricht für die Beschäftigten an
       deutschen Standorten, sagte Ferdinand Dudenhöffer,
       Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des Bochumer Center Automotive
       Research (CAR), der taz. Außerdem sei es „peinlich und befremdlich, dass
       sich Döllner von Trump im Wahlkampf vor den Karren spannen lässt“.
       
       Trump konnte in Perry suggerieren, dass sich seine protektionistische
       Zollpolitik lohne. Audi schwächelt in den USA, alle Fahrzeuge müssen teuer
       aus Europa oder Mexiko importiert werden. Die neue Fabrik in Macon soll nun
       laut Audi 4.500 Arbeitsplätze schaffen, die Produktion Anfang der 2030er
       Jahre starten. Vom Band rollen sollen die Verbrenner-SUVs Q7, Q8 und Q9.
       
       Wirtschaftlich mache es angesichts der Zölle Sinn, eine eigene Produktion
       in den USA aufzubauen, findet Dudenhöffer. Dass dort Verbrenner gebaut
       werden, sei auch nachvollziehbar, meint der Autoexperte: „Trump hat das
       Elektroauto auf die Standspur gestellt.“
       
       ## VW-Aufsichtsrat muss noch zustimmen
       
       Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Bund für Umwelt- und
       Naturschutz (BUND), sieht das anders. „Der Volkswagenkonzern würde
       Klimasünden ins Ausland verlagern und gleichzeitig die Beschäftigten sowie
       [4][ganze Regionen in der Heimat im Stich lassen]“, sagte er. „Geld, das
       dringend für die Transformation des Unternehmens gebraucht wird, würde in
       die USA verschoben.“ Döllners Bekenntnisse zum Klimaschutz wirkten nun „wie
       bloße Lippenbekenntnisse“, meint Hilgenberg.
       
       Und auch Isabel Cademartori, verkehrspolitische Sprecherin der
       SPD-Bundestagsfraktion, ist verärgert. Arbeitnehmer:innen in
       Deutschland müssten um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze zittern –
       gleichzeitig mache Audi [5][offensiv Wahlkampf für einen Autokraten], der
       „mit einem Handelskrieg Arbeitsplätze auf Kosten Europas in die USA holen“
       wolle. „Das wird sowohl dem Wirtschaftsstandort Deutschland als auch der
       eigenen Marke massiv schaden“, glaubt Cademartori.
       
       Bevor der Werksbau in Macon beginnen kann, muss der Aufsichtsrat des
       Volkswagenkonzerns noch zustimmen. Das Land Niedersachsen und die IG
       Metall, die beide im Aufsichtsrat sitzen, fordern weiterhin sichere
       Perspektiven für die Beschäftigten in Deutschland.
       
       25 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/audi-chef-nennt-debatte-um-verbrenner-aus-kontraproduktiv-100.html
 (DIR) [2] /Mitteilung-der-IG-Metall/!6222589
 (DIR) [3] /Verbrenner-Aus-2035/!6218872
 (DIR) [4] /Einigung-bei-Volkswagen/!6209939
 (DIR) [5] /Vor-Zwischenwahlen-in-USA/!6221819
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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